Braunschweig 

Gewissheit nach Jahren der Trauer? Polizei Braunschweig rollt "Cold Cases" wieder auf

Mit Hilfe neuer Technik alte Fälle lösen? Das ist die Aufgabe der neu gegründeten Ermittlungsgruppe "Cold Cases" in Braunschweig. (Symbolbild)
Mit Hilfe neuer Technik alte Fälle lösen? Das ist die Aufgabe der neu gegründeten Ermittlungsgruppe "Cold Cases" in Braunschweig. (Symbolbild)
Foto: imago images / Science Photo Library

Braunschweig. "Die Ungewissheit ist für die Angehörigen das Schlimmste. Nicht zu wissen, was vor so langer Zeit mit einem lieben Menschen passiert ist, kann einem stark zusetzten."

Sie will das Leid der Angehörigen lindern und Klarheit schaffen. So beschreibt Melanie Wilharm, Leiterin der Ermittlungsgruppe "Cold Case" der Polizeidirektion Braunschweig, ihre ganz persönliche Motivation, erneut eigentlich schon abgeschlossene Fälle nochmal ganz neu aufzurollen.

Gemeinsam mit fünf weiteren, höchsterfahrenen Kollegen will sich Wilharm künftig mit insgesamt 42 Tötungs- und Vermisstenfällen auseinandersetzten.

Gibt es neue Hinweise?

Die Hoffnung der Ermittlungsgruppe "Cold Cases": Dass die mittlerweile weiterentwickelte Technik neue Zusammenhänge und Spuren ans Licht bringen können. Dass dies keine einfache Aufgabe ist, ist den Beamten aber durchaus bewusst.

Denn zunächst heißt es erstmal: Daten digitalisieren, einscannen und Akten sichten. Der älteste Fall stammt aus dem Jahr 1945. In solchen Fällen bestehe sogar die Gefahr, dass die Dokumente nicht mehr lesbar oder beschädigt seien, erklärt Oliver Grotha, Leiter der Kriminalitätsbekämpfung der Polizeidirektion in Braunschweig.

Auch sei nicht sicher, dass Asservate und Beweismittel noch in Takt oder überhaupt vorhanden seien. All diese Hindernisse gelte es nun zu überwinden.

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42 "Cold Cases" in der Region

In der gesamten Region 38 gibt es laut Polizeipräsident Michael PIentka 42 Fälle, die als "Cold Cases" eingestuft werden. Dabei handelt es sich um 36 Tötungs- und 6 Vermisstenfälle.

Vor allem neue Möglichkeiten bei DNA-Untersuchungen geben den Ermittlern Hoffnung auf einen Durchbruch. Manchmal ergeben sich laut LKA bei neu aufgerollten Fällen allein dadurch neue Blickwinkel und Perspektiven, weil andere Ermittler sich damit befassen.

Hunderte Fälle in Niedersachsen

Welche Fälle konkret wieder aufgerollt werden, wollte Oliver Grotha zum Schutz der Angehörigen nicht sagen. Die Betroffenen sollen zunächst von den Beamten auf die erneuten Belastungen und mögliche Befragungen vorbereitet werden.

Nach aktuellen Zahlen des Landeskriminalamtes (LKA) sind in Niedersachsen 341 solcher "Cold Cases" bekannt. Dabei handelt es sich um 308 ungeklärte Tötungsdelikte und 33 Vermisstenfälle, bei denen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Tötungsdelikt auszugehen ist.

Nachdem das LKA im vergangenen Jahr mit den Polizeidirektionen ein gemeinsames Konzept erarbeitet hatte, wurden bereits in Hannover, Lüneburg und Göttingen entsprechende Ermittlungseinheiten eingerichtet. (mvg/dpa)