Braunschweig 

Braunschweig: Prozess gegen mutmaßlichen Vergewaltiger geht auf die Zielgerade

Der Angeklagte begrüßt im Gerichtssaal seinen Verteidiger. Dem Angeklagten wird sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen.
Der Angeklagte begrüßt im Gerichtssaal seinen Verteidiger. Dem Angeklagten wird sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen.
Foto: Christophe Gateau/dpa

Braunschweig. Der Missbrauchsprozess gegen einen früheren Nachhilfelehrer geht am Dienstag (9.00 Uhr) am Landgericht Braunschweig auf die Zielgerade.

Geplant ist, ein psychiatrisches Gutachten zu dem Beschuldigten in die Verhandlung einzubringen. Dem 60-Jährigen wird sexueller Missbrauch von zwei Mädchen im Alter von 12 und später 13 Jahren in insgesamt 27 Fällen vorgeworfen.

Braunschweig: Vergewaltigungs-Prozess auf der Zielgeraden

Beide Opfer kannte der Angeklagte schon lange, betreute eines der Mädchen auch über den privaten Unterricht hinaus. Zum Prozessauftakt hatte der Mann die Übergriffe auf die Schülerinnen eingeräumt.

Wegen früherer Taten war der Mann unter anderem wegen Vergewaltigung, versuchten Mordes und sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen verurteilt worden. Am Dienstag könnten auch die Plädoyers vorgetragen werden.

Mann nutzt Freundschaft aus

Die Eltern des einen Opfers berichteten am vergangenen Prozesstag, dass der Mann das freundschaftliche Verhältnis ausgenutzt habe. „Er war ein Freund der Familie“, sagte die Mutter.

Das Mädchen habe er seit der Einschulung gekannt, habe es regelmäßig von der Schule abgeholt und nach Hause gebracht. Er hatte einen Schlüssel zur Wohnung. Ihre Tochter habe sich ihnen nicht anvertraut, um die Freundschaft der Eltern zu dem Angeklagten nicht zu gefährden.

„Heute geht es meiner Tochter nicht gut“

Der Fall kam ans Licht, als sich das Mädchen einem Freund anvertraute. Dieser sorgte dafür, dass ein Beratungslehrer von dem Missbrauch erfuhr. Über die Schule wurde die Polizei eingeschaltet. „Heute geht es meiner Tochter nicht gut, sie ist ängstlich und in psychologischer Betreuung“, berichtete die Mutter. „Dass ein sehr guter Freund an meine Tochter gegangen ist, ist für mich ganz schlimm“, erzählte der Vater.

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Mutter kommt zufällig ins Zimmer

Die Übergriffe auf das andere Mädchen endeten erst, als die Mutter zufällig ins Zimmer kam, um Kaffee zu bringen. Sie erwischte den Angeklagten mit der Hand unter dem T-Shirt ihrer Tochter. Mit kleinen Geldbeträgen, Süßigkeiten und auch Kleidung soll es der 60-Jährige geschafft haben, dass die Mädchen lange schwiegen.

Auch ein gewisser Druck, wegen schwacher Noten weiterhin Unterricht zu nehmen, wurde in der Verhandlung thematisiert. Der Nachhilfelehrer hatte demnach stets darauf bestanden, dass der Unterricht hinter verschlossener Tür stattfindet.

Schutzbefohlene sexuell missbraucht

In der Verhandlung wurde noch ein weiteres früheres Urteil gegen den Angeklagten vorgetragen. Im Jahr 2010 wurde er wegen sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen verurteilt, mit der er in einer Bildungseinrichtung arbeitete. 15 Monate Haft auf Bewährung lautete damals das Urteil.

Ein Vertreter der Nebenklage hatte schon zum Auftakt des aktuellen Verfahrens erklärt, dass sein Ziel eine lange Haftstrafe und die Anordnung einer Sicherungsverwahrung sei. (dpa/ck)