Braunschweig 

Braunschweig: Mann stirbt am Rathaus – hat die Stadt ein Drogen-Problem?

Am Rathaus in Braunschweig haben Freunde ein Foto und Zettel mit Botschaften aufgehängt.
Am Rathaus in Braunschweig haben Freunde ein Foto und Zettel mit Botschaften aufgehängt.
Foto: Rudolf Karliczek

Braunschweig. Der Tod eines Drogenabhängigen in Braunschweig sorgt weiterhin für Betroffenheit. Seine Freunde haben auch am Dienstag Kerzen aufgestellt und Blumen abgelegt, um an ihn zu erinnern. Etwas Würde an einem würdelosen Ort.

Eine Reinigungskraft hatte „Cosi“ am Wochenende beim öffentlichen WC am Rathaus in der Dankwardstraße entdeckt. Er wurde nur 42 Jahre alt.

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Auch bei Facebook nehmt ihr Abschied von dem Verstorbenen:

  • „Ruhe in Frieden, mein Freund! Meine Familie und ich denken an dich! An deine Familie viel Kraft!“ (Nikola)
  • „Ich werde dich nie vergessen, hattest immer ein offenes Ohr für mich, immer ein Grinsen im Gesicht! Einfach unvorstellbar, dass du nicht mehr da bist!“ (Oliver)
  • „Ruhe in Frieden, Cosi. Du warst ein toller Kerl. Wir werden dich nie vergessen!“ (Melanie)
  • „Mein Bruder hat es leider nicht mehr hier unten geschafft, aber ich weiß, dass es ihm da oben viel besser geht! Finger weg von Heroin!“ (Sami)
  • „Ruhe in Frieden, Cosi! Kann es immer noch nicht glaube. Er war so ein guter Mann.“ (Michelle)

In Niedersachsen sind im vergangenen Jahr laut Statistik 81 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums verstorben. In Braunschweig sind der Polizei vier Drogentote bekannt. Im Vorjahr waren es fünf.

So sieht die Polizei die Drogenszene in Braunschweig

Wir von news38.de wollten wissen, wie die Polizei Braunschweig die Drogenszene in Braunschweig wahrnimmt. Deswegen haben wir mit Polizeisprecher Stefan Weinmeister über das Thema gesprochen.

Hat Braunschweig aus Polizei-Sicht ein „Drogenproblem“?

„Aus polizeilicher Sicht hat Braunschweig kein explizites Drogenproblem. Auch wenn die Zahl der Drogendelikte mit 1.819 bekannt gewordenen Delikten im Fünfjahresvergleich einen neuen Höchststand aufweist. Lediglich bei den Delikten mit Kokain war 2018 ein ganz leichter Rückgang zu erkennen.“

Wie groß ist die Szene in etwa? Ist sie rein männlich?

„So allgemein ist die Frage nicht zu beantworten, eine homogene Szene für 'Drogen' gibt es nicht. Die Cannabis-Konsumenten ziehen sich durch alle gesellschaftlichen Schichten und Altersstrukturen. Ein Schwerpunkt liegt hier bei den jungen Erwachsenen.“

Wie sieht es mit Heroinabhängigen aus?

„Die Heroinszene umfasst nach polizeilichen Erkenntnissen ungefähr 200 Personen. Hier handelt es sich vorwiegend um Männer, aber auch Frauen sind unter den Suchtkranken.“

Was wird in Braunschweig konsumiert?

„Konsumiert werden in Braunschweig wie auch in allen anderen größeren Städten die gängigen Betäubungsmittel. Den Hauptteil machen in der Kriminalstatistik Delikte mit Cannabis-Produkten aus.“

Gibt es denn Brennpunkte? Wo wird konsumiert?

„Ein Brennpunkt ist der Bereich um das Rotlichtviertel (Bruchstraße, Friedrich-Wilhelm-Straße, Friedrich-Wilhelm-Platz). Hier kommt es immer wieder zum Straßenverkauf von Drogen. Die Polizei Braunschweig setzt hier auf umfangreiche Kontrollmaßnahmen, die in der Regel verdeckt in ziviler Kleidung durchgeführt werden.“

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Werden auch Drogen in der Öffentlichkeit konsumiert?

„Die Hartdrogenszene trifft sich in der Nähe des Windmühlenberges an der Kurt-Schumacher-Straße. Ein Grund für den Treffpunkt dort dürfte die Nähe zur Drogenberatungsstelle sein, die sich ebenfalls auf der Kurt-Schumacher-Straße befindet. Ein offener Konsum auf der Straße findet nicht zuletzt aufgrund des hohen Kontrolldrucks durch die Polizei eher selten statt.“

Inwiefern gibt es bei der Polizei Experten, die sich nur um diese Problematik kümmern?

„Bei der Kriminalpolizei gibt es ein eigenständiges Kommissariat, welches sich ausschließlich mit Betäubungsmittelkriminalität befasst. Hier werden alle Taten vom Erwerb/Besitz von Kleinmengen bis hin zu Verfahren gegen Drogenhändler geführt.“

Wie geht die Polizei im Kampf gegen Drogenkriminalität vor?

„Neben der offenen Präsenz an erkannten Brennpunkten, arbeiten die Ermittler auch verdeckt in zivil und beobachten kurzfristig oder observieren über einen längeren Zeitraum. Auch andere verdeckte polizeiliche Maßnahmen kommen je nach Schwere der Delikte in Betracht. Nach einem erkannten Drogenhandel auf der Straße werden sowohl der Verkäufer als auch der Käufer kontrolliert.“

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Was macht die Polizei denn in puncto Prävention?

„Die Polizei Braunschweig arbeitet natürlich auch im Präventionsbereich an dem Thema und sind häufiger Gast in Schulklassen oder Elternabenden, um für das Thema zu sensibilisieren. Ferner ist die Polizei auch im Arbeitskreis Sucht vertreten, wo sich verschiedene Institutionen regelmäßig austauschen, die mit dem Thema Drogen und Sucht befasst sind.“

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In Braunschweig gibt es viele, ganz verschiedene Anlaufstellen für Suchtkranke. >> Solltest du betroffen sein oder jemanden kennen, der eine Suchtkrankheit hat, kannst du dich hier über Hilfe informieren. (ck)