Braunschweig 

Braunschweig: Unschuldiger stirbt nach Verfolgungsjagd – Feuerwehr beschreibt schlimme Situation

Nach einer Verfolgungsjagd auf der A39 krachte eine BMW in zwei Autos. Ein Unbeteiligter kam ums Leben.
Nach einer Verfolgungsjagd auf der A39 krachte eine BMW in zwei Autos. Ein Unbeteiligter kam ums Leben.
Foto: Henning Noske/Braunschweiger Zeitung/dpa
  • Auf der A2 wollen Polizisten einen Wagen überprüfen.
  • Der Fahrer ignoriert aber die Haltezeichen und rast davon.
  • Seine Flucht endet mit einem Crash, bei dem ein Unbeteiligter stirbt.
  • Ein Feuerwehrmann beschreibt, wie schlimm die Situation vor Ort war.

Braunschweig. Nach dem tödlichen Unfall in Braunschweig ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Tötung gegen den mutmaßlichen Verursacher des Horror-Crashs. Zusammen mit der Staatsanwaltschaft werde geprüft, ob die Tötung nicht sogar vorsätzlich war, so Polizeisprecher Stefan Weinmeister.

Gleichzeitig suchen die Beamten weitere Zeugen, die etwas zur Flucht des Unfallverursachers sagen können. Am Mittwochmorgen gaben sie neue Details bekannt.

Passiert ist der tragische Unfall am Dienstag um 18.17 Uhr auf der Salzdahlumer Straße in Braunschweig. Dem vorausgegangen war eine Verfolgungsfahrt. Eine Zivilstreife der Autobahnpolizei hatte auf der A2 in Höhe der Anschlussstelle Braunschweig-Ost einen Autofahrer kontrollieren wollen.

Autobahnpolizei will Fahrer auf A2 kontrollieren

Hintergrund: Dem 37-jährigen Halter des BMW war der Führerschein entzogen worden. Das wussten die Beamten. Der Fahrer gab Gas und missachtete alle Haltezeichen der Polizei. Dann bog er auf die A39 in Richtung Braunschweig ab.

Zwischen den Anschlussstellen Sickte und Braunschweig-Rautheim verunfallte der Wagen, doch der Fahrer setzte seine Fahrt unbeirrt fort. An der Ausfahrt Braunschweig-Südstadt verlor der 37-Jährige dann die Kontrolle über seinen BMW – und es kam zum folgenschweren Unfall.

Braunschweig: Raser kracht auf zwei unbeteiligte Autos

Der Autofahrer krachte auf der Kuppe mit hoher Geschwindigkeit gegen zwei Autos, die rechts abbiegen wollten. Durch die Wucht des Aufpralls wurden die Fahrzeuge gegen eine Laterne auf der Mitte der Salzdahlumer Straße geschoben.

Ein Unschuldiger stirbt – Fluchtwagen fängt Feuer

Obwohl die Retter innerhalb kürzester Zeit am Unfallort waren, kam für den 33-jährigen Fahrer des direkt gerammten VW-Scirocco jede Hilfe zu spät - er verstarb an der Unfallstelle. Der 43-jährige Fahrer des anderen beteiligten Fahrzeugs, einem VW Golf, kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Auch der Raser wurde schwer verletzt.

Ausgelaufenes Benzin fing Feuer und griff auf den Raser-Wagen über. Eine Polizeibeamtin erlitt an der Unfallstelle eine leichte Rauchgasvergiftung, als sie helfen wollte.

Feuerwehr: „Ein großes Schlachtfeld“

Den Einsatzkräften bot sich ein schlimmes Bild: „Das ist ein einziges großes Trümmerfeld. Ein Fahrzeug kann man gar nicht mehr erkennen, alle drei Autos sind zerstört. Im Grunde genommen ist das hier ein großes Schlachtfeld“, beschreibt Feuerwehr-Einsatzleiter Christoph Schwanke gegenüber dem ARD-Magazin „Brisant“ den Unfallort.

Scharfe Kritik am Vorgehen der Polizei

Ein Jurist und Kriminologe kritisiert nun das Vorgehen der Polizei gegenüber dem NDR scharf.

Thomas Feltes, Jurist und Kriminologe, merkt an, dass die Polizei die Verfolgungsjagd hätte abbrechen müssen. Wie dem NDR mitteilte, müsse nicht Leib und Leben riskiert werden, nur um weil ein Fahrer keine Fahrerlaubnis besitzt.

Der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann, ist da anderer Meinung. Die Verfolgung aufzunehmen, sei richtig gewesen. Dem pflichtet auch die Polizei bei. Wenn die Identität des Fahrers unklar sei, müssen die Beamten die Verfolgung aufnehmen.

Unfallverursacher hatte Drogen dabei

Bei dem Unfallverursacher haben die Polizisten Drogen gefunden. Was für Drogen, ist noch nicht bekannt. Ob sie auch der Grund für seine Flucht waren, ist bisher auch nicht bekannt, so die Polizei.

Für die Unfallaufnahme hat die Polizei Braunschweig einen unabhängigen Gutachter hinzugezogen. Da auch die Fahrbahn in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist die Salzdahlumer Straße an der Unfallstelle weiterhin gesperrt.

Und das auch noch länger: „Die Autobahnabfahrt Südstadt bleibt voraussichtlich noch bis morgen, Donnerstag, früh in beiden Richtungen gesperrt. Die Auffahrt auf die Autobahn ist möglich. Derzeit wird die beschädigte Asphaltdecke auf der Brücke über die Autobahn erneuert“, teilte die Stadt Braunschweig am Nachmittag mit.

Der Gesamtschaden wird auf mehr als 65.000 Euro geschätzt. Die Ermittlungen zu den näheren Umständen der Flucht dauern derzeit an.

Polizei Braunschweig sucht nach Zeugen

Für die Polizei Braunschweig ist das hier wichtig: Bei der Flucht muss der 37-jährige Fahrer des schwarzen BMW mehrere Verkehrsteilnehmer auf der A2 in Richtung Berlin und weiter auf der A39 in Richtung Braunschweig behindert oder gefährdet haben.

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Eventuell kam es zu weiteren leichten Berührungen mit anderen Fahrzeugen. Daher bittet der Verkehrsunfalldienst weitere Zeugen oder Geschädigte der Fluchtfahrt, sich telefonisch unter der Rufnummer 0531/4763935 zu melden.

Braunschweig: Erinnerungen werden wach

Vor zwei Jahren war in Braunschweig auf der Flucht vor der Polizei ein mutmaßliches Mitglied einer Bande von Autodieben ums Leben gekommen.

+++ Tödlicher Unfall auf Berliner Straße: Fahrer identifiziert +++

Der Mann war in einem gestohlenen Wagen mit rund 200 Stundenkilometern in Richtung Innenstadt gerast, nachdem er vor einer Kontrolle auf der Autobahn A2 geflüchtet war.

Wenn aber Unbeteiligte ums Leben kommen, habe das natürlich eine andere Tragweite, sagte eine Polizeisprecherin im Hinblick auf den aktuellen Fall. (jg/mb/ck/dpa)