Braunschweig 

Deichkind: Authentisch oder doch alles nur Show? Jetzt spricht MC Porky Klartext

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Braunschweig. Deichkind hat eine neue Platte auf den Markt gebracht – „Wer Sagt Denn Das?“. Konsumkritik trifft Party-Wumms. Ernst trifft Spaß. Spiegel trifft trojanisches Pferd: So würde die Hip-Hop-Electropunk-Pop-Formation aus Hamburg ihr Album wohl selbst beschreiben.

Zumindest, wenn es nach Deichkind-MC Sebastian „Porky“ Dürre geht. Im Interview hat er darüber gesprochen, was hinter der Musik steckt, wie Deichkind der Gesellschaft den Spiegel vorhalten und trotzdem Spaß vermitteln will – und warum Deichkind eigentlich nur eine riesige Theaterinszenierung ist.

Deichkind: MC Porky im Interview

Porky, wie schafft ihr es immer wieder, den aktuellen, komplexen Wahnsinn der gesamten Welt in Drei- bis Vier-Minuten-Songs zu packen?

„Wir sind ein Schwamm, wir sind ein Spiegel, wir sind eine riesige Projektionsfläche, wir beobachten Dinge, wir beschreiben sie. Wir singen nicht über uns, sondern machen Realitätschecks. Viel mehr ist dem nicht nicht hinzuzufügen. Trotzdem heben wir nicht den Zeigefinger. Wir sind ein trojanisches Pferd: die Leute dürfen auch einfach kommen und Spaß haben, wenn sie dann ein bisschen was mitnehmen, was sie zum Innehalten und zum Reflektieren bringt, haben wir unser Ziel erreicht. Wir sind aber auch nicht angetreten, um die Welt zu verändern. Wir sind dazu angetreten, um den Leuten einen Weg zu offenbaren, sich selbst zu begegnen.“

Warum seid ihr so viel authentischer, ehrlicher und kompromissloser als eure musikalischen Kollegen?

„Weil wir nichts anderes können. Deichkind ist ja auch nicht ehrlich. Deichkind ist eine riesige Theaterinszenierung, wo gesellschaftliche Inhalte benutzt werden, um eine gute Zeit zu haben. Wir gauckeln dir was vor, wir tun so als wäre alles mit einem Saufabend zu bewältigen. Das ist eine Utopie – eine wunderschöne Utopie.“

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Könnt ihr mittlerweile eigentlich alles machen, was ihr wollt? Gibt es künstlerische Kompromisse oder irgendein Korrektiv?

„Wir haben uns jetzt bei einer Nummer zum Beispiel wie 'Richtig Gutes Zeug', darauf geeinigt, wie unser Bauchgefühl ist und wo wir den größten gemeinsamen Nenner haben anhand des Bauchgefühls. Das ist schon mal eine riesige tolle Sache, dass wir nicht Marketing-Strömen oder Modetrends folgen müssen. Da ist Deichkind mittlerweile so free, dass es sich so anfühlt als wären die letzten 20 Jahre Arbeit gewesen, um dahin zu kommen, wo wir jetzt sind.“

Wie schwer ist es für euch, neue Ideen, Reize und Kicks, immer wieder „Richtig Gutes Zeug“ zu kreieren? Wie entstehen diese beziehungsweise wie lief/läuft der Arbeitsprozess ab?

„Der weiße Zettel am Anfang ist immer gleich brutal. Wir schreiben viel ohne Musik, machen Listen und schauen, wo Zeilen entstehen und wo ein Song vielleicht auch eine Eigendynamik entwickelt.“

Seid ihr mit den Jahren konsum- und gesellschaftskritischer geworden oder ist euer Level auf dem aktuellen Album gleichgeblieben?

„Es ist ambivalenter geworden. 'Leider geil' ist immer noch aktuell bei uns. Wir hängen alle in unserer westlichen Struktur und sind eigentlich schädlich für den Planeten.“

Deichkind kannst du übrigens am 14. Februar 2020 mit neuen und alten Abriss-Hits in der Volkswagen Halle in Braunschweig erleben.

Das ganze Interview findest du bei unserem Schwester-Portal Szene38.de <<<<<<<.