Braunschweig 

Braunschweig: Nach Eklat im Bus – jetzt spricht der Busfahrer

Bisher setzt die Braunschweiger Verkehrs GmbH überwiegend auf Diesel-Busse
Bisher setzt die Braunschweiger Verkehrs GmbH überwiegend auf Diesel-Busse
Foto: Braunschweiger Verkehrs GmbH

Braunschweig. In Braunschweig hat ein Busfahrer am Morgen ein Mädchen ziemlich bloßgestellt. Wobei er selbst das anders sieht.

Das Kind war am Rathaus in den Bus eingestiegen und wollte einen Fahrschein lösen. Bezahlen wollte das Mädchen sein Ticket mit einem Zehn-Euro-Schein. Das wiederum gefiel dem Busfahrer hörbar gar nicht. Er fragte die nass geregnete Schülerin relativ laut, wie sie sich das denn vorstelle: „Wie soll ich das denn wechseln?“

Schülerin in Braunschweig will mit Schein bezahlen

Die Schülerin sagte, ihre Mama habe ihr halt nur den Zehner gegeben und fragte, was sie denn jetzt machen solle. Der Konter des Busfahrers: „Ist doch jetzt nicht mein Problem, oder ist das mein Problem?“ Sie müsse das Geld vorher wechseln.

Schock steht dem Kind ins Gesicht geschrieben

Das Mädchen entgegnete, dass es wegen der Verspätung des Busses ja sowieso schon zu spät zur Schule komme. “Herzchen, davon hast du gar keine Ahnung“, sagte der Fahrer mit Blick auf seinen Job und den regnerischen Berufsverkehr.

Letzten Endes nahm er den Schein des Mädchens doch noch an und ließ es mitfahren. Der Schock stand dem Kind aber ins Gesicht geschrieben.

+++ Helmstedt: Busfahrer hält nicht an – und setzt weinendes Mädchen mitten im Nirgendwo aus +++

Das sagt der Busfahrer aus Braunschweig

Inzwischen hat sich der Busfahrer bei news38.de gemeldet. Er sieht das Ganze etwas anders. Er habe nichts Unrechtes getan und seinen Dienst ordnungsgemäß ausgeführt. Vielmehr habe sich das Mädchen übermütig und arrogant verhalten.

„Der Job ist natürlich stressig. Dennoch gebe ich mir die größte Mühe, mit dem Fahrgästen freundlich und sachlich, aber dennoch bestimmt umzugehen“, schreibt er. Das Verhalten des Mädchens sei kein Einzelfall, das erlebe man im Alltag ständig – vor allem bei Kindern und Jugendlichen.

„Regel und Gesetze interessieren sie nicht. Sie sind unantastbar. Und wenn es doch zur Aufklärung kommt, sehen wir ja was passiert. Also erlauben sich die Kinder heute unbestraft einfach alles“, so der Fahrer.

BSVG will vor allem mit Kindern sensibel umgehen

Bei der Braunschweiger Verkehrs-GmbH (BSVG) ist man jedenfalls alles andere als erfreut über den Vorfall im Linienbus nach Lehndorf. „Das tolerieren und wollen wir so nicht“, so die BSVG im Gespräch mit news38.de. Man werde mit dem entsprechenden Fahrer reden.

Zumal der Busfahrer das Geld hätte annehmen müssen, so die BSVG. So steht es auch schon in den Beförderungsbedingungen (hier als PDF). Demnach ist er nicht verpflichtet

  • Geldbeträge über 10 Euro zu wechseln,
  • mehr als 20 Münzstücke anzunehmen,
  • Ein-Cent-Stücke im Betrag von mehr als 10 Cent anzunehmen, sowie erheblich beschädigte Geldscheine und Münzen anzunehmen.

Die BSVG betont, dass die Busfahrer aber gerade bei Kindern „Gnade vor Recht ergehen“ lassen sollen.

+++ Busfahrer mit Schülern aus Braunschweig an Bord verliert das Bewusstsein +++

Womöglich habe der betreffende Fahrer auch tatsächlich wenig Wechselgeld dabei gehabt: „Vor allem am Monatsbeginn kaufen viele Fahrgäste ihre Monatskarten beim Fahrer“ – das entschuldige aber die Art und Weise nicht.

Busfahrer in Braunschweig - ein harter Job

Klar ist aber auch: Die mehr als 270 Busfahrer in Braunschweig stehen meist mächtig unter Druck und haben Stress. Vor allem in der Rushhour ist das kein einfacher Job. Auch deswegen gibt es bei der BSVG seit einigen Jahren entsprechende Schulungen, die von externen Experten geleitet werden.

---------------

Mehr aus Braunschweig:

---------------

„Dabei geht es um Stressprävention und -abbau“, so die BSVG. Die Fahrer könnten dort auch anonym ihren Frust loswerden. „Wir werten das alles aus und justieren Dinge nach, wenn es Probleme gibt. Zum Beispiel, wenn die Fahrzeiten zu lange sind“, erklärt die BSVG.

Stammstrecken gibt es nicht

Die Busfahrer in Braunschweig seien räumlich und zeitlich sehr unterschiedlich unterwegs; richtige Stammstrecken gibt es laut dem Sprecher nicht. (ck)