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Braunschweig: Blinde haben Angst vor E-Fahrzeugen – das fordern sie jetzt

Für Blinde und Sehbehinderte stellen E-Fahrzeuge eine große Gefahr dar. Das machten sie am Dienstag in Braunschweig deutlich. (Symbolbild)
Für Blinde und Sehbehinderte stellen E-Fahrzeuge eine große Gefahr dar. Das machten sie am Dienstag in Braunschweig deutlich. (Symbolbild)
Foto: imago images / f8 das Bild

Braunschweig. Elektrofahrzeuge mögen für das Klima gut sein – für manche Menschen stellen sie aber auch gleichzeitig eine große Gefahr dar. Zum Beispiel für Sehbehinderte und Blinde. Und genau die haben am Dienstag in Braunschweig auf das Risiko aufmerksam gemacht.

Für sie sind die nahezu lautlosen E-Fahrzeuge kaum und erst sehr spät zu hören. Das gelte aber genauso für Kinder, Radfahrer sowie ältere oder schlicht unaufmerksame Menschen, betont Aytekin Demirbas vom Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen gegenüber news38.de.

Braunschweig: Blinde starten Aktion für lautere E-Fahrzeuge

Studien US-amerikanischer Verkehrsbehörden zeigten, dass elektrische Fahrzeuge zu 37 Prozent häufiger in Unfälle mit Fußgängern verwickelt sind. In Braunschweig und Umgebung habe es auch schon Beinahe-Unfälle gegeben, sagt Aytekin Demirbas. Auch er selbst sei im Östlichen Ringgebiet bereits von einem E-Auto berührt worden.

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband hat jetzt die Kampagne „Elektrisch fahren tut hörbar gut!“ ins Leben gerufen. Bei der Aktion auf dem Platz der Deutschen Einheit in Braunschweig versammelten sich rund 40 Menschen.

Sie alle fordern, dass sämtliche Elektrofahrzeuge künftig mit akustischen Warnsystemen ausgerüstet werden. Spätestens ab Juli 2021 muss das per Gesetz bei allen elektrischen Neuwagen der Fall sein.

Warnsignal AVAS wird Pflicht – aber reicht das schon?

Das künstliche Warnsignal AVAS (Acoustic Vehicle Alerting System) soll bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h ertönen, auch wenn das Auto rückwärts fährt. Das reicht dem Blinden- und Sehbehindertenverband allerdings nicht.

Man habe dann immer noch viel zu wenig Reaktionszeit. Rund eineinhalb Sekunden reichten nicht, findet auch Aytekin Demirbas. Daher fordern er und der Gesamt-Verband, dass AVAS bis 30 km/h in Betrieb sein muss. Außerdem dürfe man es nicht abschalten – wie es bisher ist möglich ist.

E-Busse in Braunschweig – BSVG ist alarmiert

Eine große Gefahr im Alltagsverkehr stellen auch Elektrobusse dar. Auch die leise E-Bus-Flotte Braunschweig. Bislang ist sie noch nicht mit Warnsignalen ausgestattet.

Allerdings sei dieses Problem „nicht unproblematisch“, so ein BSVG-Sprecher zu news38.de. Daher liege es derzeit auch auf dem Tisch.

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Der Blinden- und Sehbehindertenverband fordert, dass künftig E-Busse oder auch Dienstfahrzeuge der Kommunen nicht mehr vom Bund oder Land finanziell gefördert werden, wenn sie kein eingebautes AVAS haben.

Aytekin Demirbas betont auch im Namen seines Verbands aber auch noch mal, dass man gar nicht prinzipiell gegen E-Fahrzeuge sei – ganz im Gegenteil. (ck)