Braunschweig 

Braunschweig: Diebe reißen Jasper-Gedenktafel ab – Tat politisch motiviert?

Die KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen.
Die KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen.
Foto: dpa
  • Als Sozialdemokrat stellte sich der Braunschweiger Ministerpräsident Jasper den Nazis entgegen.
  • Nach Folter und Verfolgung starb er in Bergen-Belsen.
  • Jetzt wurde eine Gedenktafel an ihn von der Wand gerissen.

Braunschweig. Unbekannte haben im Bültenweg in Braunschweig die Gedenktafel für Heinrich Jasper abgerissen und gestohlen. Jetzt ermittelt der Staatsschutz!

Die am ehemaligen Wohnhaus des von den Nazis verfolgten Sozialdemokraten in Braunschweig angebrachte Gedenktafel sei nachts gewaltsam von der Fassade abgenommen worden, teilte die Polizei am Montag mit.

Diebstahl in Braunschweig - Staatsschutz ermittelt

„Zur Motivation der Täter kann man Mutmaßungen anstellen“, sagte ein Polizeisprecher. Deshalb habe der für politische Kriminalität zuständige Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Der ehemalige Braunschweiger Ministerpräsident Jasper war seinerzeit einer der profiliertesten NS-Gegner. Er starb im Frühjahr 1945 in Bergen-Belsen. Jasper war Ministerpräsident in den Jahren 1919 bis 1920, 1922 bis 1924 sowie 1927 bis 1930.

Als 1933 der offene Terror der Nazis über Sozialdemokraten und Kommunisten hereinbrach, war Jasper eines der ersten Opfer. Nach zweijähriger Einzelhaft wurde Jasper zunächst ins KZ Dachau, später in das Lager Oranienburg gebracht.

Heinrich Jasper stirbt im KZ Bergen-Belsen

1939 gelang es einflussreichen Freunden, Hitler persönlich zu einem Freilassungsbefehl zu veranlassen. In den kommenden Jahren wurde Jasper ständig von der Gestapo überwacht. Nach dem Putschversuch von 1944 verhafteten die Nazis Jasper erneut. Er starb acht Wochen vor der Befreiung von Bergen-Belsen.

Tat in Braunschweig politisch motiviert?

War der Diebstahl der Gedenktafel politisch motiviert? Möglich. Zuletzt war in Braunschweig auch der Bündnis-gegen-Rechts-Sprecher David Janzen angegangen worden.

+++ Braunschweig nach Säure-Anschlag: "Stadt hat Nazi-Problem!“ +++

Zweimal war seine Haustür beschmiert und eine übelriechende Substanz in seinen Briefkasten gekippt worden.

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Als Tatverdächtigen ermittelte die Polizei einen 27-jährigen Neonazi. Im Umfeld des Hauses waren auch Aufkleber gefunden worden, die laut Polizei auf einen politisch motivierten Hintergrund hindeuteten. (dpa/red)