Braunschweig 

Hannover: NPD will SS-Kriegsverbrecher in Schutz nehmen – auch David Janzen am Pranger

Am Samstag will die NPD in Hannover demonstrieren. Dagegen richtet sich mehr und mehr Widerstand. (Symbolbild)
Am Samstag will die NPD in Hannover demonstrieren. Dagegen richtet sich mehr und mehr Widerstand. (Symbolbild)
Foto: dpa

Hannover. Neonazis stellen David Janzen an den Pranger. Wieder mal. Diesmal steht der Name des Sprechers des „Bündnis gegen Rechts Braunschweig“ auf einer Liste der NPD Niedersachsen.

Die Rechtsextremen wollen am kommenden Sonntag in Hannover gegen Journalisten demonstrieren, die nicht in ihr Weltbild passen. Dazu zählt vor allem NDR-Reporter Julian Feldmann. Er hatte den SS-Mann Karl Münter besucht und interviewt – kurz vor dessen Tod.

NPD-Demo in Hannover gegen Journalisten

Münter war im Zweiten Weltkrieg an einem Massaker im nordfranzösischen Ascq beteiligt. Gegenüber dem NDR spielte er den Holocaust herunter und gab den 86 erschossenen französischen Zivilisten Schuld an ihrem Schicksal.

Dass der NDR den SS-Mann als Verbrecher darstellte, gefällt der NPD nicht. Gleichzeitig machen sie den NDR für einen Überfall auf den 96-Jährigen verantwortlich.

Sie wollen den Kriegsverbrecher am Samstag in Hannover in Schutz nehmen. Das geht aus einer Mitteilung der Partei vom Wochenende hervor. Mit ihrer Kundgebung wollen die Neonazis den NDR-Reporter laut ihrer Anmeldung bei der Polizei „in die Schranken weisen“.

NPD in Hannover - auch Janzen auf der Liste

Aber nicht nur er steht auf ihrer Namensliste. Auch David Janzen wird genannt. Der Familienvater aus Braunschweig setzt sich mit dem „Bündnis gegen Rechts“ seit Jahren gegen rechten Hass ein.

Zuletzt war seine Haustür zweimal beschmiert worden. Auch eine Morddrohung war dort bereits zu lesen.

„Jetzt mache ich erst recht weiter!“

Gegenüber der „Braunschweiger Zeitung“ sagte Janzen, dass diese Aktionen ihn durchaus beunruhigen.

+++ Braunschweig: Nach Attacken gegen Janzen – Polizei durchsucht Neonazi-Wohnung +++

„Das einzige, was dagegen hilft, ist, sich eben nicht einschüchtern zu lassen und zu sagen 'Jetzt mache ich erst recht weiter!' – denn offensichtlich ärgere ich die so sehr mit meiner Arbeit gegen Rechts, dass sie mich in den Fokus nehmen.“

Aktion gegen NPD-Pranger: „Schützt die Pressefreiheit!“

Als Reaktion auf die NPD-Aktion hatten am Freitag Journalisten, Medienhäuser und Verbände den Aufruf „Schützt die Pressefreiheit!“ veröffentlicht. >> Hier entlang!

In dem Aufruf zahlreicher Journalisten, Chefredaktionen und Verbände werden Presserat, Verleger und Redaktionen aufgefordert, sich mit bedrohten Kollegen solidarisch zu zeigen. Die Politik sei gefragt, Journalisten besser zu schützen.

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Die Polizei Hannover bereitet sich unterdessen auf einen Großeinsatz vor. Weil am Samstag mehr als 1.000 Menschen gegen die Neonazis protestieren wollen, werden in Hannover zahlreiche Straßen gesperrt und Halteverbote eingerichtet. (dpa/red)