Braunschweig 

Salafisten-Seminar in Braunschweig? Es hagelt Kritik – weil ER dort spricht

In Braunschweig findet am kommenden Wochenende ein Islam-Seminar statt. Und das sorgt im Netz für Kritik. Weil DIESE Referenten dort sprechen. (Symbolbild)
In Braunschweig findet am kommenden Wochenende ein Islam-Seminar statt. Und das sorgt im Netz für Kritik. Weil DIESE Referenten dort sprechen. (Symbolbild)
Foto: dpa

Braunschweig. Die Deutschsprachige Muslimische Gemeinschaft (DMG) veranstaltet am kommenden Wochenende in Braunschweig ein Seminar zum Thema „Das islamische Benehmen“. Die Veranstaltung sorgt im Netz für heftige Kritik.

Der Vorwurf: Braunschweig biete Salafisten eine Plattform in der Stadt.

Braunschweig: Salafismus-Seminar in der Stadt?

Denn als „Special Guest“ in Braunschweig ist Imam Hassan Dabbagh angekündigt, heißt es auf der Internetseite der DMG.

Der Imam aus Leipzig wird vom Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen als ein „religiöser Extremist und Wortführer des politischen Salafismus“ bezeichnet.

Auf Nachfrage von news38.de betont ein Pressesprecher: „Jeder, der Herrn Dabbagh für eine öffentliche oder halböffentliche Veranstaltung einlädt, muss wissen, dass er verfassungsfeindlichen und islamistischen Äußerungen eine Plattform bietet“.

+++ Eintracht Braunschweig bangt um Lizenz: Appell an Ultras – „Bitte nehmt Rücksicht!“ +++

Laut Verfassungsschutz ist Hassan Dabbagh der Imam der „Al-Rahman-Moschee e. V v.“ in Leipzig. Der Verein bildet seit Jahren den Schwerpunkt salafistischer Bestrebungen in Sachsen, heißt es im Bericht des Verfassungsschutzes weiter.

_________________________

Das ist politischer Salafismus

  • ist eine Ausprägung des Salafismus
  • politische Salafisten wollen Konvertiten sowie junge Muslime von ihrer Interpretation des Islam überzeugen
  • Aktivitäten von Protagonisten in diesem Bereich beschränken sich laut „bpb.de“ auf Propaganda im weitesten Sinne
  • laut Verfassungsschutz vermeiden politische Salafisten offene Aufrufe zu Gewalt, lehnen „religiöse Gewalt“ zur Durchsetzung ihrer Ziele aber nicht prinzipiell ab

_________________________

Verfassungsschutz: Imam ist „religiöser Extremist“

Er verbreite die salafistische Ideologie unter anderem mittels Freitagspredigten und wöchentlich mehrfach stattfindendem Unterricht. Auch nutze er Vortragsveranstaltungen und Seminare dafür.

In dem Seminar in Braunschweig soll es darum gehen, was das islamische Benehmen ausmacht. Das geht aus einer Ankündigung hervor. Dort heißt es: „Das gute Benehmen gehört zu den gewaltigsten Gründen, um ins Paradies eintreten zu dürfen.“

Islam-Seminar in Braunschweig: Trailer

Niedersachsen: Moschee in Braunschweig Anlaufstelle für Salafisten

Drei Tage sollen die Teilnehmer demnach gemeinsam verbringen. Es wird Vorträge und gemeinsame Pausen geben.

Einer, der laut Ankündigung auch bei dem Seminar predigen wird, ist Ahmad Abul Baraa. Er ist laut Verfassungsschutz Imam der As-Sahaba-Moschee in Berlin-Wedding.

Bundesweit sei er als Gastprediger aktiv. Er distanziere sich zwar vom „Islamischen Staat", seine Predigten würden aber klassische Elemente des Salafismus enthalten. So beispielsweise die Erhöhung salafistischer Muslime über alle anderen Menschen.

+++Wetter in Niedersachsen: DWD warnt erst vor Glätte, dann droht ein neues Unheil+++

Im Bericht des Verfassungsschutzes Bayern heißt es: „Mit Verweis auf eine vermeintliche Verschwörung des Westens gegen den Islam rechtfertigt Baraa Gewalt als Mittel der Selbstverteidigung muslimischer Völker, deren Heimatstaaten angegriffen werden."

Netzwelt kritisiert Auftritt der Imame in Braunschweig

Wegen des Besuchs dieser beiden Imame hagelt es Kritik im Netz. Doch die Polizei Braunschweig erklärt, dass die Veranstaltung nicht verboten werden kann, da auch der Verein nicht verboten ist. Pressesprecher Stefan Weinmeister betont, dass „eine Untersagung im Vorfeld grundsätzlich seitens der Polizei nicht denkbar“ ist.

Dennoch sei dem zuständigen Kommissariat die Veranstaltung durchaus bekannt. Auch, weil im Internet offen dafür geworben wird. Außerdem habe die Polizei die Möglichkeit, Maßnahmen zu ergreifen, sofern es „zu Straftaten oder gefährdungsrelevanten Maßnahmen“ kommt.

Salafismus in Niedersachsen

Doch wie steht es allgemein um den Salafismus in Niedersachsen? Das Landesamt für Verfassungsschutz Niedersachsen beobachtet nach eigenen Angaben seit Jahren, dass der Salafismus die dynamischste islamistische Bewegung im Bundesland ist.

In der Broschüre „Salafismus kompakt" heißt es, dass die Tendenz „steigend" ist. Die salafistische Szene ist nach Angaben des Verfassungsschutzes in Niedersachsen überwiegend dem politischen Spektrum zuzurechnen.

------------------------------------

Mehr Themen aus Niedersachsen:

Top-News des Tages:

-------------------------------------

Eine feste Organisationsstruktur gebe es nicht. Die Salafisten seien eher in losen Netzwerken organisiert und würden oft als Kleingruppen oder Einzelpersonen auftreten oder sich in einschlägigen Moschees treffen.

Laut Verfassungsschutz gebe es in Niedersachsen drei relevante salafistisch dominierte Moscheen.

Dazu zählen:

  • Deutschsprachiger Islamkreis e.V. Hannover
  • Deutschsprachige Muslimische Gemeinschaft e.V. Braunschweig
  • Deutschsprachiger Islamkreis e.V. Hildesheim

Diese Moscheen hätten als Anlaufstelle für Salafisten eine überregionale Bedeutung. (red)