Braunschweig 

Weihnachtsmarkt Braunschweig: „Schutzzone“ patrouilliert, Bürger rasten aus – „Ich kotz im Strahl!“

Auf dem Weihnachts Braunschweig patrouillierte eine Bürgerwehr - die Polizei reagierte sofort. (Symbolbild)
Auf dem Weihnachts Braunschweig patrouillierte eine Bürgerwehr - die Polizei reagierte sofort. (Symbolbild)
Foto: Marijan Murat/dpa

Braunschweig ist nicht die einzige Stadt, in der in diesem Jahr rechte, selbsternannte Bürgerwehren in roten Westen auf Weihnachtsmärkten für eine angebliche „Schutzzone“ sorgen wollen. Auch in Wolfsburg, Berlin, Frankfurt oder Riesa traten sie auf.

Dahinter steckt die NPD. Schon seit einigen Jahren ruft die Partei zur Bildung solcher Bürgerwehren auf. In Braunschweig stößt die Aktion auf dem Weihnachtsmarkt jedoch auf nicht viel Gegenliebe.

Weihnachtsmarkt Braunschweig von Bürgerwehr heimgesucht

Drei Männer in auffälligen roten Westen liefen wohl am Dienstagabend über den Weihnachtsmarkt Braunschweig. Auf ihrem Rücken steht „Wir schaffen Schutzzonen“, darüber ein zu einem Schild geformtes „S“.

Sie sind Teil einer Kampagne, welche die NPD im Vorfeld der Europawahl gestartet hatte. In mehreren Städten in Niedersachsen sind die selbsternannten Bürgerwehren bereits in Erscheinung getreten, unter anderem in Salzgitter, Peine und Wolfsburg.

Bürgerwehr erhält Platzverweis

Auf Facebook kursieren Bilder, wie die Männer nun auch in Braunschweig auftraten. Nach eigenen Angaben handelt es sich dabei um Mitglieder der „Schutzzone Harz und Heide“.

Die Gruppierung sorgte bereits im April durch einen Post bei Facebook für Aufsehen. Die Polizei Braunschweig hatte darauf harsch reagiert. Hier mehr dazu >>>

Auf Anfrage von News38 erklärte die Polizeidirektion Braunschweig jetzt, die drei Männer hätten am Dienstagabend einen Platzverweis auf dem Weihnachtsmarkt erhalten. Auch Personalien seien aufgenommen worden.

Zuvor hatte sich der Betreiber des Weihnachtsmarkts Braunschweig gegen das Auftreten der selbsternannten Bürgerwehr ausgesprochen.

Verbindungen in rechte Kampfsport-Szene?

Neben Verbindungen zur NPD scheint es auch Kontakte in die rechte Kampfsport-Szene zu geben, möglicherweise auch in die Hooligan-Szene. Einer der Männer posiert auf seinem privaten Facebook-Profil in einem T-Shirt mit dem Aufdruck „Kampf der Nibelungen“.

Dabei handelt es sich um das größte extrem rechte Kampfsport-Event in Europa, das jährlich in Deutschland ausgetragen wird, 2019 allerdings aufgrund mangelnder Teilnehmerzahl abgesagt werden musste.

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Der Kampf der Nibelungen ist dabei ein Sammelbecken für rechte Hooligans, Rocker und Neonazis, wie Rechtsextremismusforscher Robert Claus gegenüber „jetzt.de“ verdeutlicht.

NPD verfolgt klare Strategie mit Schutzzonen

David Janzen, Sprecher vom Bündnis gegen Rechts Braunschweig, erkennt ebenfalls personelle Überschneidungen zu Hooligan- und Kampfsportgruppen. Einer der Männer sei bereits bei der Hooligan-Gruppe „Berserker Wolfsburg“ in Erscheinung getreten.

„Über die NPD haben sie natürlich Kontakte in alle möglichen rechten Gruppen“, so Janzen. In den Auftritten auf den Weihnachtsmärkten sieht er eine gezielte Inszenierung: „Ob in Peine, Wolfsburg oder jetzt in Braunschweig - es sind häufig die gleichen drei bis vier Personen die dort in Erscheinung treten.“

Dies sei jedoch auch eine Zeichen für die schlechte Situation, in der sich die NPD befinde: „Eigene Aufmärsche bekommt die Partei gar nicht mehr hin. Über die Sozialen Medien erreichen sie aber natürlich mit solchen Fotos viele Menschen. Das ist das eigentliche Ziel - nicht der vermeintliche Schutz des Weihnachtsmarkts.“

Braunschweiger wehren sich gegen Bürgerwehr

Bei den Braunschweigern selbst ruft die Bürgerwehr deutliche Ablehnung hervor. In den Sozialen Netzwerken kommentieren Nutzer unter den Fotos:

  • „Wenn die Rechten nach dem Rechten sehen wollen. Anstatt euch Uniformen selber zu basteln, kauft euch mal ein Geschichtsbuch!“
  • „Ich kotz im Strahl, wenn ich diese NPD-Sch... sehe...“
  • „Lächerliche Truppe mit lächerlichen Ambitionen.“
  • „Kommt eurer Aufgabe nach und sperrt euch selbst weg. Dann wird einem auf dem Weihnachtsmarkt nicht übel durch braune Idioten.“

Unter den Kommentierenden überwiegt zudem die Hoffnung, beim nächsten Weihnachtsmarktbesuch nicht noch einmal durch die Mitglieder der Bürgerwehr gestört zu werden. (dav)