Braunschweig 

Braunschweig: Zoff nach Altersarmut-Mahnwache! Unterwandern Rechte das Event?

In Braunschweig fand am Freitag eine Mahnwache von Fridays gegen Altersarmut statt. Die Anmlederin der Veranstaltung wehrt sich nun gegen die Kritik gegen sie.
In Braunschweig fand am Freitag eine Mahnwache von Fridays gegen Altersarmut statt. Die Anmlederin der Veranstaltung wehrt sich nun gegen die Kritik gegen sie.
Foto: Lena Voelk/dpa

Am Freitagabend fand in Braunschweig eine Mahnwache von „Fridays gegen Altersarmut“ (FGA) statt. Bereits im Vorfeld war gewarnt worden, dass die Aktion möglicherweise durch rechte Gruppen und Personen unterwandert werden würde.

Auf Facebook ließen sich bereits Indizien dafür finden. Auch auf den Straßen in Braunschweig zeigte sich am Freitag während der Mahnwache: Rechte versuchen nicht nur im Netz, sondern auch auf den Straßen das Thema für sich besetzen. Es folgte scharfe Kritik von antifaschistischen Gruppen an der Mahnwache – dagegen wehrt sich nun die Anmelderin der Veranstaltung.

Braunschweig: Fridays gegen Altersarmut – von Rechten unterwandert?

Vieles war bereits über die Gruppe „Fridays gegen Altersarmut“ geschrieben worden. Auch bei news38 erschien ein umfangreicher Beitrag zu den politischen Hintergründen der Facebook-Gruppe sowie verschiedener Ortsgruppen. Alles dazu gibt es hier: Salzgitter: „Fridays gegen Altersarmut“ in der Region – Bewegung sorgt für heftige Diskussionen!

Die Initiatorin der Mahnwache in Braunschweig äußerte im Gespräch mit news38: „Wir lassen uns nicht instrumentalisieren, wir sind unparteiisch“, sollten auf der Mahnwache Mitglieder der rechtsextremen Szene auftauchen, werden „klare Kante“ zeigen und sie wegschicken.

Verschiedene Braunschweiger Bündnisse hatten die Teilnehmer der am Freitag einmal genauer angeschaut und waren geschockt. Unter den rund 20 Teilnehmern und Teilnehmerinnen befanden sich laut „Braunschweig gegen Rechts“ Aktivisten aus dem Spektrum der aufgelösten „Sport- und Kampfgemeinschaft Adrenalin Braunschweig“, von BRAGIDA und der Jungen Alternative, der Jugendorganisation der rechtsnationalen Alternative für Deutschland.

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Regina B., Anmelderin der Mahnwache in Braunschweig, wehrt sich gegen die Vorwürfe der antifaschistischen Gruppe. Gegenüber news38 erklärt sie zu den Vorwürfen: „Zur Mahnwache kamen drei Personen und wollten ein Banner ausrollen, das nichts mit Fridays gegen Altersarmut zu tun hatte. Da bin ich sofort hingegangen und das untersagt. Dabei bekam ich auch Unterstützung von der Polizei.“

Mutmaßlich Mitglieder rechtsextremer Partei vor Ort

Bei dem Banner könnte es sich möglicherweise um einen Schriftzug von „Die Rechte“ in Braunschweig handeln. Ein Bild zeigt mutmaßlich drei Mitglieder der rechtsextremen Kleinstpartei mit einer Aufschrift: „Braunschweig – Am Ende sind wir mehr ihr linken Lutscher“. Das Foto ist mit „Wir bleiben stabil“ unterschrieben.

Emma Eichsfeldt, Sprecherin des „Antifaschistischen Plenums“ äußerte am Samstag ebenfalls Unverständnis über einen Teil des anwesenden Personenkreises: „Die Vereinnahmung sozialer Themen durch Rechte ist kein neues Phänomen. Nazis haben noch nie die Interessen der lohnabhängigen Massen im Blick gehabt. Wir fordern die Veranstalter*innen von FGA in Braunschweig auf, den Worten Taten folgen zu lassen und sich wirksam, glaubhaft und nachhaltig von den Nazis zu distanzieren.“

Anmelderin wehrt sich gegen Kritik

Auch gegen diese Kritik wehrt sich die 62-jährige Anmelderin der Veranstaltung am Freitag. Sie habe rechten Teilnehmern klar zu verstehen gegeben, dass sie auf der Mahnwache nicht willkommen gewesen seien. Demnach hätten sich die drei rechten Personen außerhalb der Mahnwache aufgehalten. „Mehr konnten wir ja nicht machen“, sagt Regina verzweifelt und ergänzt: „Ich habe zu meinem Wort gestanden, ich habe klare Kante gegen Rechts gezeigt!“

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Die nächste Mahnwache für Braunschweig hat Regina bereits für den 15. Februar angemeldet. Sie will sich nicht entmutigen lassen: „Ich hätte nie gedacht, dass ich dafür so angefeindet werde. Aber ich weiß ja, wofür ich stehe“, erzählt sie news38. „Wir kämpfen gegen Altersarmut und wollen uns auf keinen Fall von irgendeiner Partei instrumentalisieren lassen.“

Bei der nächsten Demonstration hofft sie, von der Polizei auf mögliche Mitglieder der rechten Szene aufmerksam gemacht zu werden. „Ich bin eine normale Bürgerin, niemand hat seine politische Gesinnung auf der Stirn stehen. Wie soll ich das denn erkennen, ob jemand rechts oder links ist? Ich kenne ja nicht jeden Rechten in Braunschweig.“ Sollte sie auf rechte Teilnehmer hingewiesen werden, sei sie „die Erste, die sagt: Ende im Gelände.“

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Rechtsextremen, die am 15. Februar erneut auf die Mahnwache in Braunschweig kommen wollen, entgegnet die 62-Jährige schon vorab: „Eure Unterstützung wollen wir nicht! Lasst uns in Ruhe und sucht euch eure eigene Plattform.“ Sie will bei der nächsten Veranstaltung noch stärker auf ihr Recht als Versammlungsleiterin bestehen, Personen von der Versammlung entfernen zu lassen. (dav)