Braunschweig 

Braunschweig: Hanfbar mit scharfer Kritik nach Urteil – „Der größere Skandal“

In einem öffentlichen Facebook-Post schießen die Hanfbar-Betreiber nun gegen die Staatsanwaltschaft.
In einem öffentlichen Facebook-Post schießen die Hanfbar-Betreiber nun gegen die Staatsanwaltschaft.
Foto: Privat/Screenshot Facebook

Braunschweig. „Das Urteil ist gesprochen“ – so lauten die ersten Worte eines Facebook-Posts der beiden Hanfbar-Betreiber, nachdem der langwierige Prozess am Dienstag sein Ende gefunden hatte. Schon bei der Urteilsverkündung am Landgericht Braunschweig hatten die beiden Angeklagten Marcel Kaine und Bardia Hatefi mit schweren Vorwürfen für Aufsehen gesorgt.

Nun legen sie in dem öffentlichen Facebook-Post nach und werfen einer Staatsanwältin respektloses Verhalten vor.

Braunschweig: Nach Hanfbar-Prozess – „Offen über diese Geschichten belustigt“

Am letzten Prozesstag hatte Bardia Hatefi zahlreiche Kundenrezensionen vorgelesen, um zu zeigen, dass viele Kunden von der positiven Wirkung des Wirkstoffs CBT profitiert hätten. Seiner Meinung nach habe der pflanzliche Wirkstoff dazu beigetragen, Menschen mit schweren Krankheiten zu helfen.

„Dabei hat sich die Staatsanwältin das Lachen nicht verkneifen können und sich ganz offen über diese Geschichten belustigt“, meinen die Hanfbar-Betreiber nun nachträglich in ihrem Facebook-Post. Sie hoffen darauf, dass die breite Öffentlichkeit von dem Verhalten erfahre.

Weiter schreiben sie: „Der größere Skandal waren damit nicht die 7 und 9 Monate auf Bewährung, die wir per Revision in jedem Fall vor dem Bundesgerichtshof anfechten werden, sondern die Art und Weise, wie sich über eure Schicksale amüsiert wurde.“

Staatsanwaltschaft schließt respektloses Verhalten aus

Die Staatsanwaltschaft wiederspricht dieser Darstellung. Auf Nachfrage von News38 erklärt Christian Wolters, erster Staatsanwalt am Landgericht: „Nach Rücksprache mit der Sitzungsvertreterin kann ich ausschließen, dass sie sich über von den Angeklagten geschilderte Schicksale lustig gemacht beziehungsweise darüber amüsiert hat.“

Provokante Aussagen von Verurteilten oder Angeklagten kommentiere die Staatsanwaltschaft generell nicht. Sollte der Facebook-Post strafrechtliche Relevanz aufweisen, würden natürlich Ermittlungen in Gang gesetzt. Dies sei jedoch nicht der Fall.

Hanfbar-Betreiber wollen bis zur letzten Instanz kämpfen

Die Hanfbar-Betreiber zeigen sich hingegen weiterhin kämpferisch: „Denn trotz mildem Urteil, die Staatsanwaltschaft forderte 2,5 und 3 Jahre ohne Bewährung, sind wir noch lange nicht am Ende unseres Weges.“ Sie wollen bis vor die letzte Instanz gehen, um „unverarbeitete Pflanzenteile von THC-armen und CBD-reichen Cannabispflanzen für jeden zugänglich zu machen.“

Die Staatsanwalt hat allerdings ebenfalls Revision gegen das Urteil eingelegt. Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen.

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Marcel Kaine und Bardia Hatefi erhalten Bewährungsstrafen

Am Dienstag verkündete der Richter in seinem Urteil: Marcel Kaine erhält eine Bewährungsstrafe von neun Monaten. Diese wird drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Bardia Hatefis Strafe umfasst hingegen sieben Monate – ebenfalls auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Grund: Unerlaubtes Handeln mit Betäubungsmitteln.

Außerdem soll Kaine mit dem Verkauf der unverarbeiteten Hanfblüten 49.860 Euro erwirtschaftet haben. Dieses Geld soll nun wieder eingezogen werden.

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Richter: Verkauf basiert auf Irrtum

Der Richter begründet sein Strafmaß damit, dass ein einfacher Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vorläge, kein schwerer. Die Angeklagten hätten mit unbearbeiteten Cannabis-Pflanzen in Form von Tee gehandelt. Aus den Unterlagen sei hervorgegangen, dass die Hanfbar damit den größten Teil ihres Gewinns erwirtschaftet hat.

Doch der Verkauf habe auf einem Irrtum seitens der Angeklagten basiert. So geht das Gericht davon aus, dass Kaine und Hatefi davon ausgegangen seien, dass sie sich im Rahmen des Rechtlichen bewegen würden. Das hätten sie vor allem in ihren Schlussworten glaubhaft dargelegt.

So seien sie davon ausgegangen, dass der Verkauf mit einer Ausnahmeregelung im Betäubungsmittelgesetz geregelt gewesen wäre. Hier unterlagen sie jedoch einem Irrtum. Sie seien in der Pflicht gewesen, sich besser zu informieren. Gerade, weil der Verkauf der unbearbeiteten Hanfblüten die Haupteinnahmequelle der beiden gewesen sei. (mb/abr)