Braunschweig 

Braunschweig: Unschuldiger stirbt bei Verfolgungsfahrt! DIESE Aussage überrascht!

Nach einer Verfolgungsjagd auf der A39 krachte eine BMW in zwei Autos. Ein Unbeteiligter kam ums Leben.
Nach einer Verfolgungsjagd auf der A39 krachte eine BMW in zwei Autos. Ein Unbeteiligter kam ums Leben.
Foto: Henning Noske/Braunschweiger Zeitung/dpa

Braunschweig. „Es war ein Bild des Grauens“, sagt ein Zeuge am Dienstag vor dem Landgericht Braunschweig. Denn dort wird seit Dienstag ein Fall verhandelt, der 2019 für Entsetzen gesorgt hat – und der noch heute die Beteiligten nicht loslässt.

Denn vor dem Landgericht Braunschweig steht ein 38-jähriger Angeklagter aus Sachsen-Anhalt, der sich am 20. August 2019 mit der Polizei eine Verfolgungsfahrt auf der A2 und der A39 lieferte, die in einem tödlichen Horrorcrash in Braunschweig endete. Dabei starb ein Unbeteiligter (33).

Braunschweig: Unbeteiligter stirbt bei Horrorcrash nach Verfolgungsfahrt

Das Gericht wirft ihm fahrlässige Tötung und verbotenes Autorennen vor. Die neunte Strafkammer des Gerichts erhebt außerdem Anklage wegen Mordes. Mögliche Mordmerkmale: Heimtücke oder Verdeckung einer Straftat.

Die Schlange vor den Sicherheitskontrollen am Dienstagmorgen ist lang. Familienmitglieder, Freunde, Interessierte, zahlreiche Medienvertreter – sie alle sind gekommen, um den Prozess zu verfolgen. Um zu erfahren, was wirklich passiert ist und wie es für den 38-Jährigen, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt, weitergeht.

Landgericht Braunschweig: Angeklagter lässt überraschende Erklärung verlesen

Alle Besucher passen an diesem Tag nicht in den Gerichtssaal, einige müssen vor der Tür warten. Die Stimmung ist drückend. Das, was Zeugen berichten, können viele Zuhörer kaum ertragen. Immer wieder sind Schluchzer aus den Reihen zu hören.

Und der Angeklagte? Der möchte sich nicht persönlich vor Gericht äußern, lässt aber eine Erklärung durch seinen Rechtsanwalt Carsten Schneider verlesen. Während der Verlesung blickt der 38-Jährige meist auf den Laptop auf seinem Platz, die Hände hat er gefaltet. Er wirkt ruhig. Sein Blick wandert ab und an zu den Zuhörern oder den Prozessbeteiligten, die meiste Zeit jedoch blickt er zu Boden.

Laut Erklärung habe der Angeklagte die Tage vor dem 20. August unter Druck gestanden. Leistungsdruck und Angst vor dem Scheitern seien seine Begleiter gewesen. Am Tattag hatte er ein Bewerbungsgespräch, auf das er sich vorbereiten wollte. Gleichzeitig wollte er aber auch Zeit mit seiner Tochter verbringen. Um alles unter einen Hut zu bekommen, habe er sich die Tage und die Nächte um die Ohren gehauen. Mit Hilfsmitteln, wie er durch seinen Rechtsanwalt erklären lässt.

Um das Pensum durchzuhalten, habe er Crystal Meth konsumiert. Auch vor seinem Bewerbungsgespräch in Hamburg. Danach sei die Anspannung von ihm abgefallen, er habe sich müde gefühlt. Um die Fahrt zu überstehen, habe er wieder Crystal genommen. An das, was dann passierte, könne er sich nicht mehr erinnern. Es gebe nur noch Momentaufnahmen, die ihm in Erinnerung geblieben sind. So zum Beispiel eine rote Ampel. Was danach passiert ist, könne er sich nicht erklären.

Zum Schluss der Erklärung betont der Rechtsanwalt: „Es tut dem Angeklagten leid und er würde das Geschehene gern rückgängig machen.“

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„Es gibt Unfälle, die wird man sein Leben lang nicht vergessen"

Am ersten Tag sind vier Zeugen geladen. So auch die beiden Polizisten, die sich seinerzeit die Verfolgungsfahrt mit dem Angeklagten geliefert hatten. Sie können sich noch genau an die Fahrten über die Autobahn und an den anschließenden, schrecklichen Unfall erinnern. „Es gibt Unfälle, die wird man sein Leben lang nicht vergessen.“, sagt einer der Polizisten.

Das Bild, das sich ihm an der Salzdahlumer Straße bot, sei ein schreckliches Bild gewesen. Daran erinnert sich auch noch der zweite Polizist, der damals den Zivilwagen der Polizei fuhr, mit dem die beiden zur Verfolgungsfahrt ansetzten. Er erinnere sich noch genau, wie er den Verstorbenen in dem Unfallauto vorgefunden hatte. Erinnerungen, die für die Anwesenden im Gerichtssaal nur schwer zu ertragen sind.

Im Raum steht immer wieder die Frage: Hätte dieser schreckliche Horrorcrash verhindert werden können? Immer wieder wird das Szenario auf der Autobahn durchgegangen. Der Verteidiger des Angeklagten sucht nach Anhaltspunkten, dass der dramatische Verlauf hätte abgewendet werden können. Zu einem Ergebnis kommt an diesem Tag niemand. Um 12.20 Uhr endet der erste Verhandlungstag.

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Rückblick: Das ist am 20. August 2019 auf der A2 und A39 passiert

Doch was genau ist im August 2019 geschehen?

Der damals 37-jährige Angeklagte war am 20. August gegen 18.15 Uhr auf der A2 in Richtung Berlin unterwegs – das allerdings ohne Führerschein. Der sei ihm nämlich zuvor entzogen worden. Und das wussten auch die Polizeibeamten, die das Kennzeichen des Fahrers nach eigenen Angaben überprüft hatten und ihn anschließend kontrollieren wollten.

Die Beamten wollten ihn anhalten, doch der Fahrer habe alle Haltezechen der Polizei missachtet. Stattdessen habe er Gas gegeben und sei davongerast. Die Polizei setzte zur Verfolgung über die A2 und die A39 an. In Höhe der Anschlussstelle Scheppau wollte der Angeklagte die Polizei abhängen, indem er seinen Wagen laut Anklageschrift in Richtung der Polizei lenkte, die nur durch eine Vollbremsung einen Unfall verhindern konnte. Der Raser indes habe seine Fahrt fortgesetzt.

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Mit Tempo 240 sei er dann an der Anschlussstelle Sickte vorbeigerauscht. Kurz danach habe der Fahrer die Autobahn verlassen wollen und habe mit Tempo 214 die Abfahrt Salzdahlumer Straße genommen. Als er dort zwei Autos an einer roten Ampel bemerkte, habe er noch stark gebremst. Vergeblich. Ein Zusammenstoß sei nicht mehr zu verhindern gewesen.

BMW-Fahrer kracht mit Tempo 140 in zwei Autos

Der damals 37-Jährige ist laut Anklage mit einem Tempo zwischen 140 km/h und 160 km/h in das Auto eines Mannes gekracht. Der Fahrer (33) des Wagens habe durch den Crash so starke Verletzungen erlitten, dass er noch an der Unfallstelle starb. Durch die enorme Wucht des Aufpralls habe es auch noch das dritte Auto erwischt. Der Fahrer (43) des dritten Autos habe schwere Verletzungen erlitten. Ebenso wie der Unfallfahrer.

Eine Polizistin habe außerdem eine leichte Rauchgasvergiftung erlitten, weil der BMW im Anschluss an den Unfall Feuer fing. Feuerwehr-Einsatzleiter Christoph Schwanke hat seinerzeit in einem Interview mit dem ARD-Magazin „Brisant“ von einem Trümmerfeld gesprochen. „Ein Fahrzeug kann man gar nicht mehr erkennen, alle drei Autos sind zerstört. Im Grunde genommen ist das hier ein großes Schlachtfeld.“

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38-Jähriger muss sich vor dem Landgericht Braunschweig verantworten

Unmittelbar nach dem Unfall fand die Polizei außerdem nach eigenen Angaben Drogen bei dem Unfallfahrer. Nur wenige Tage nach dem schrecklichen Unfall hatte eine Haftrichterin einen Untersuchungshaftbefehl gegen den 38-Jährigen erlassen.

Es sind fünf Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte demnach am 10. März fallen.