Braunschweig 

Braunschweig: Neue Todes-Attacke gegen David Janzen – „Die Situation ist sehr bedrohlich!“

Neonazis bedrängen David Janzen in Hannover. Am Mittwoch gab es die nächste Attacke gegen den Sprecher des Bündnis gegen rechts Braunschweig. (Archivbild)
Neonazis bedrängen David Janzen in Hannover. Am Mittwoch gab es die nächste Attacke gegen den Sprecher des Bündnis gegen rechts Braunschweig. (Archivbild)
Foto: imago images / Michael Trammer

Neonazis haben erneut versucht, David Janzen einzuchüchtern. Der Sprecher des Bündnis gegen Rechts Braunschweig beklagt seit Monaten Drohungen und Aktionen gegen ihn und seine Familie. Dabei fühlt er sich von der Polizei allein gelassen.

In der vergangenen Nacht haben die Neonazis ein Kreuz mit einem Foto Janzens vor dessen Haustür im Westlichen Ringgebiet in Braunschweig gestellt. Auch Kerzen standen dort – wie bei einem Grab.

Braunschweig: Neonazis stellen Kreuz auf

Die Botschaft ist klar: „Es geht darum, mich durch diese kaum versteckte Morddrohung einzuschüchtern. Die Situation ist sehr bedrohlich“, so Janzen am Mittwoch.

Unter anderem hatte es im vergangenen Sommer eine Morddrohung („Wir töten dich Janzen!“) an seiner Tür gegeben. Außerdem hatten Neonazis Steckbriefe mit seinem Konterfei in der Stadt verklebt.

Auch körperlich wurde er angegangen: Von einem Mitglied der NPD-Jugend in Braunschweig genau wie von einem Mitglied der inzwischen verbotenen Terror-Gruppierung „Combat18“ in Hannover.

Neonazi verfolgt und bedroht David Janzen

Anfang des Jahres sei er mit dem Kinderwagen spazieren gewesen, erzählt Janzen. Ein bereits wegen Gewalttaten unter Bewährung stehender Neonazi habe ihn bis nach Hause verfolgt.

„Dabei äußerte er, dass ich mir nicht sicher sein könne, dass er nicht seine Bewährung sausen lasse und mir etwas zwischen die Rippen ramme. Er drohte außerdem, dass er mich noch mitnehme, bevor er in den Knast gehe“, so der Bündnis-Sprecher.

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Wenn er mit seiner Familie das Haus verlasse oder nach Hause komme, müssten sie immer befürchten, auf die Neonazis zu treffen, die sie bedrohen. „Das ist besonders belastend, wenn unsere kleinen Kinder dabei sind.“

Farb-Attacken auf Grüne und Linke

Erst am Wochenende gab es in Braunschweig Farb-Attacken und rechte Aufkleber an den Parteibüros der Grünen und der Linken. Dort wurden unter anderem Aufkleber der Partei „Die Rechte“ verklebt.

Janzen übt in diesem Zusammenhang auch Kritik an den Behörden. Er und andere Braunschweiger, die sich gegen Rechts engagierten, machten immer wieder ähnliche Erfahrungen. Es gebe seitens der Polizei zwar immer Beteuerungen, dann aber würden die Verfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt – zum Beispiel nach der Morddrohung.

„Ein fatales Signal an die Neonazis“

„Heute Morgen musste ich mir von den Kripo-Beamten anhören, dass sie in der Aktion mit den Kerzen und dem Kreuz eigentlich keine Straftat erkennen würden. Das alles ist natürlich ein fatales Signal an die Neonazis und dementsprechend machen die auch munter weiter“, so Janzen.

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Hier entstehe der Eindruck, dass die Behörden nicht konsequent gegen die hier in der Region ja eher kleine und überschaubare rechte Szene vorgehen: „Menschen, die sich gegen Rechts engagieren fühlen sich nicht ausreichend geschützt."

Janzens Anwalt hat in der vergangenen Woche einen Antrag nach dem Gewaltschutzgesetz auf ein Annäherungsverbot gegen einen angeklagten Neonazi gestellt. Ihm soll vom Gericht auferlegt werden, sich der Familie Hanzen und ihrem Wohnhaus nicht mehr zu nähern. (red)