Braunschweig 

Braunschweig: Protest hinterm Theater – deswegen parkt hier ein echter Esel

Martin Struhk und sein Esel Ronny aus Braunschweig haben schon öfters Schlagzeilen geschrieben. Unter anderem wurde Ronny mal in Berlin festgenommen!
Martin Struhk und sein Esel Ronny aus Braunschweig haben schon öfters Schlagzeilen geschrieben. Unter anderem wurde Ronny mal in Berlin festgenommen!
Foto: news38.de

Braunschweig. Esel Ronny hat ein bisschen Kulturluft geschnuppert. Am Sonntag wurde er von seinem Besitzer Martin Struhk - einem Künstler und Tischler aus Rautheim - hinter dem Staatstheater Braunschweig an der Jasperallee „zwischengeparkt“.

Esel seien die Symboltiere der afrikanischen Demokraten, sagt Martin im Gespräch mit news38.de. „Sie stehen oft wie Fragezeichen in der Landschaft.“ So auch Esel Ronny aus Braunschweig.

Braunschweig: Künstler baut Camp auf – und nimmt Esel mit

Martins Ziel ist es, gesellschaftliche Fragen aufzuwerfen. Er versuche sich ein bisschen im Stile Till Eulenspiegels, sagt er. Gleichzeitig hat er hinter dem Theater in Braunschweig ein kleines Camp aufgebaut – unter anderem mit Verkehrszeichen, Europaletten, einer Gitarre – und echten, pickenden Hühnern.

Sein Camp sieht der Künstler als „Transparenzportal für die Demokratie“. Nach eigener Aussage möchte er ein Zeichen dafür setzen, dass alle Menschen gleich sind – egal, ob Kulturschaffende, Politiker oder Pflegekräfte. Oft werde das vergessen.

Martin Struhk fordert gesellschaftliches Umdenken

„Das Sich-Abwenden voneinander ist vielleicht das Problem. Weil dann nicht nur Kälte auf meiner Zunge einzieht, sondern auch in meine Herzkammer. Wir sehen teilweise ja gar nicht mehr, welch Freude man im Miteinander haben kann“, findet Martin.

Auch die Flüchtlingsthematik kommt ihm momentan zu kurz: „An den Grenzen des Bollwerks Europa wird ja weiter tausendfach gestorben.“

Den Ort seines Camps hat Martin bewusst gewählt: Die Jasperallee. Die neuen Bäume hier seien „schön geschaffen, wie im Spalier nach preußischen Tugenden, so abgezirkelt.“ Die Zone zwischen den neuen Linden wünsche er sich nach der Corona-Krise als Ort des belebten, bürgerlichen Miteinanders: „Egal, ob als Flohmarkt, Ort zum Kochen und Essen oder als Arbeitszone.“

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Ganz am Ende, am Nussberg, würde er gerne eine „Muckibude für die Schule“ entstehen lassen. Geistige Mobilität sei gefordert – und in diesen Zeiten auch mehr Aufmerksamkeit im Miteinander. „Wer braucht Hilfe? Wem kann ich ein Hier-und-Jetzt sein?“ Wir sollten uns nicht nur an den Portemonnaies fassen, sondern auch an den Augen, findet Martin.

Sein nicht angemeldetes Camp wolle er so lange stehen lassen, bis man ihm die Leviten liest. Schon am Montagmorgen war davon nichts mehr zu sehen. Und auch Esel Ronny dürfte inzwischen wieder zu Hause in Rautheim grasen. (ck)