Braunschweig 

Maybrit Illner: Braunschweiger Epidemiologe schlägt Alarm wegen DIESER Lockerung – „Das große Risiko…“

Michael Meyer-Hermann, System-Immunologie am Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung.
Michael Meyer-Hermann, System-Immunologie am Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung.
Foto: imago images/Jürgen Heinrich

Nach dem Lockdown kommen die Lockerungen in der Corona-Krise. Schritt für Schritt steuern Bund und Länder auf eine neue Normalität zu. Öffnen Schulen, Restaurants, Geschäfte. Bei Maybrit Illner waren genau diese Lockerungen Thema. Und besonders eine lässt die Alarmglocken bei dem Systembiologen Michael Meyer-Hermann schrillen.

Er arbeitet am Helmhlotz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, beschäftigt sich also auch ausgiebig mit dem Coronavirus. Bei Maybrit Illner lobt der Epidemiologe die Vorgehensweise in Deutschland, ist sich sicher, dass das Land nicht da wäre, wo es jetzt ist, hätte die Regierung nicht all diese Maßnahmen ergriffen.

Doch eine Lockerung bereitet ihm auch Sorge.

Maybrit Illner: Braunschweiger Virologe schlägt wegen dieser Lockerung Alarm

Die Infektionszahlen in Deutschland sind deutlich gesunken. Der R-Wert liegt unter 1. Ein guter Fortschritt. Das findet auch Michael Meyer-Hermann. Ob der Rückgang nun an den Hygienevorschriften oder aber an dem Lockdown gelegen hat, lasse sich allerdings so nicht sagen.

„Wir wissen nicht genau, welche Maßnahmen die richtigen waren. War eine dabei, die nicht nötig war? Das wissen wir jetzt noch nicht“, betont der Epidemiologe. Letztendlich sei es aber auch nicht so wichtig. Denn viele Betten in deutschen Krankenhäusern seien leer – und das wiederum sei ein Zeichen dafür, „dass wir alles richtig gemacht haben.“

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Das sind die Gäste bei Maybrit Illner

  • Tobias Hans (CDU): Ministerpräsident Saarland
  • Boris Palmer, Bündnis 90/Die Grünen: Oberbürgermeister Tübingen
  • Michael Meyer-Hermann: Helmholtz-Zentrum Infektionsforschung Braunschweig
  • Nikolaus Blome: Journalist, „Spiegel“-Kolumnist
  • Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrats

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Meyer-Hermann: Demos sind ein Infektionsherd

Waren die Menschen zu Beginn der Pandemie noch positiv gestimmt, die Maßnahmen alle einzuhalten, kippe nun allerdings die Stimmung etwas. Immer mehr Menschen ziehen auf die Straßen und demonstrieren – gegen ihrer Meinung nach zu starke Einschränkungen ihrer Freiheit. Bei Michael Meyer-Hermann stößt das grundsätzlich auf Verständis. Ihm ist klar, dass Menschen auch unzufrieden mit der aktuellen Situation sind.

Doch er warnt auch davor, dass solche Demonstrationen epidemiologische Folgen haben können. „Es besteht die Gefahr, dass es uns zurückwirft“, betont er. Denn er ist sich sicher, dass bei den Demos auch Corona-Infektionen entstehen.

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Und noch etwas bereite ihm Sorge – die Öffnung der Schulen. Das Kontaktverhalten der jüngeren Menschen sei laut einer chinesischen Studie etwa fünf Mal so hoch wie bei Erwachsenen und Älteren. Zwar sei die Übertragungswahrscheinlichkeit durch Jüngere laut der Studie geringer, da sie jedoch viel mehr Kontakt hätten, würden die Infektionen sich am Ende dennoch summieren.

Schulöffnungen: „Großes Risiko“

„Deswegen sehe ich auch das große Risiko in den Schulöffnungen“, betont der Systembiologe. „Das ist ein schneller Herd, sofort wird er in Familien und dann an Arbeitsplätze getragen,“ macht er deutlich. „Die Infektionsketten sind schon da, bevor man sie überhaupt identifizieren kann, das geht ganz schnell.“

Auch Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrats, sieht in Kitas und Schulen ein Risiko. Sie pocht deshalb darauf, mehr Corona-Tests an eben jenen Orten einzusetzen, die umstritten sind – eben, „um Unsicherheiten zu beseitigen.“ (abr)