Braunschweig 

Braunschweig: Eintracht-Fans randalieren in der Innenstadt – Polizei mit deutlicher Botschaft: „Hoffe auf justizielle Sanktionierung"

Foto: privat

Braunschweig. Nach den Vorfällen im Magniviertel und am Bohlweg in Braunschweig zieht die Polizei Braunschweig Bilanz.

Es geht um die Szenen, die sich am Samstag nach dem letzten Saisonspiel von Eintracht Braunschweig in der Innenstadt ereigneten.

Braunschweig: Angespannte Situation im Magniviertel

Lob gibt es zunächst einmal dafür, dass es weder vor dem Stadion noch vor dem Schloss zu größeren Ansammlungen kam – anders als vergangenen Mittwoch, wo Hunderte Eintracht-Anhänger den Aufstieg der Löwen gefeiert und alle Corona-Regeln über Bord geworfen hatten.

Am Samstag lief die Situation dafür an anderer Stelle aus dem Ruder. Laut Polizei Braunschweig zündeten einige Eintracht-Anhänger zunächst Pyrotechnik auf dem Mittelweg. Eine weitere Gruppe habe die Beamten in der Innenstadt lautstark beleidigt – eine Person kam in Gewahrsam.

Corona-Party nach Eintracht-Spiel in Braunschweig

Im Laufe des Abends kam es nach Darstellung der Polizei Braunschweig dann auf dem Bohlweg sowie im Magniviertel zu einem Hitlergruß sowie zu Auseinandersetzungen, die sich im Bereich „Am Magnitor“ zuspitzten.

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An einer dortigen Kneipe sowie am benachbarten Kiosk sei ordentlich Alkohol geflossen, berichtet die Polizei. Rund 200 Eintracht-Anhänger hätten dort den Aufstieg ihres Teams gefeiert. Das stößt bei den Behörden auf Unverständnis: Man habe im Vorfeld darum gebeten, Alkohol nur maßvoll auszuschenken. Daher liefen jetzt Ermittlungen gegen die Verantwortlichen.

Braunschweig: Blauer und gelber Rauch im Magniviertel

Im Laufe des Abends sei dann blaue und gelbe Pyrotechnik abgebrannt worden. Das wiederum habe mehrere Beschwerden zur Folge gehabt.

Laut Polizei Braunschweig wollten zwei stadtbekannte Neonazis die Szenen für ihre Zwecke nutzen, was aber den Eintracht-Anhängern missfiel. Es gab Stress. Die zusätzlich aufgeheizte Lage drohte zu eskalieren – allerdings zogen die Neonazis dann lieber von dannen.

Vor Ort war auch ein Fanbeauftragter von Eintracht Braunschweig – trotz aller Versuche konnte auch er nichts daran ändern, dass die Fans die Abstandsregelungen wegen der Corona-Pandemie missachteten. Dennoch löste sich das Ganze im Anschluss auf. Gegen 20.30 Uhr hielten sich dann nur noch etwa 30 Feierlustige im Magniviertel auf.

Polizei Braunschweig kontrolliert in der ganzen Nacht

Die Polizei Braunschweig war die ganze Nacht in der Innenstadt unterwegs, es gab Lautsprecherdurchsagen und Platzverweise. Insgesamt zieht die Polizei diese nüchterne Bilanz:

  • 40 Eingriffsmaßnahmen, u.a. mit Zwang
  • 12 Platzverweise
  • 14 Ermittlungsverfahren

Die Polizei Braunschweig ermittelt entsprechend. Unter anderem mit Foto- und Videomaterial aus dem Magniviertel. Wer so etwas besitzt, wird gebeten, es den Beamten zur Verfügung zu stellen.

Polizei: Schwierig, den Spagat erfolgreich vorzunehmen

Der Leiter der Polizeiinspektion Braunschweig, Axel Werner, zeigt sich enttäuscht. Er habe schon erwartet, dass die Begeisterung über den Aufstieg des Vereins nach den Ereignissen am 1. Juli und den Appellen des Oberbürgermeisters und der Eintracht in vernünftigen Bahnen verläuft.

„Leider haben dies nicht alle verstanden. Da einige Menschen auf diesem Weg ganz offensichtlich nicht erreicht werden können und ihnen das Wohl anderer gleichgültig ist, wurde die Polizei erneut vor besondere Herausforderungen gestellt“, so Werner.

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Auch die Bewohner des Magniviertels sowie unbeteiligte Personen seien in nicht zu tolerierender Weise beeinträchtigt worden.

„Polizei glänzte mit ihrer Deeskalationstaktik“

Es gibt allerdings auch Kritik an der Polizei: „Die Polizei glänzte mit ihrer Deeskalationstaktik und Abwesenheit trotz mehrmaliger Notrufe“, schildert ein Café-Gast seine Eindrücke gegenüber news38.de.

Werner erklärt das so: In derartigen Situationen sei es für die Einsatzkräfte immer schwierig, den Spagat erfolgreich vorzunehmen zwischen der Einhaltung der Regeln und Verordnungen, einem geordneten Verlauf derartiger Veranstaltungen ohne weitere Eskalationen auch in andere Bereiche und der Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung.

„In diesem Zusammenhang werden wir Verstöße und Straftaten mit Nachdruck verfolgen. Da Einzelne offensichtlich nur auf die Weise erreicht werden können, hoffe ich hier auch auf die entsprechende justizielle Sanktionierung", so Werner. (at/ck)