Braunschweig 

Braunschweig: Nach Kritik an Puff-Plänen – Stadt erteilt vorerst keine Genehmigung

An der Berliner Straße in Braunschweig soll ein Bordell Einzug halten. (Symbolbild)
An der Berliner Straße in Braunschweig soll ein Bordell Einzug halten. (Symbolbild)
Foto: imago images / Westend61; Screenshot Google Maps (Montage: News38)

Braunschweig. Dass in Braunschweig ein neuer „bordellartiger Betrieb“ öffnen soll, stößt auf massive Kritik.

Nach Gliesmarodes Bezirksbürgermeister Gerhard Stülten (SPD) wettern jetzt weitere Stimmen gegen die Pläne an der Berliner Straße.

news38.de hatte bereits über die Pläne berichtet. In Braunschweig soll in den oberen Etagen der Spielhalle „Löwen Play“ ein Bordell einziehen.

Braunschweig: Frauen werden ausgebeutet

Jetzt meldeten sich auch Frauenrechts-Organisationen zu Wort, die kein Verständnis für die geplante Eröffnung haben.

Gegenüber der „Braunschweiger Zeitung“ sagen Sprecherinnen der Solwodi, Frauen-Union und Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen: „Wir haben mit großem Erschrecken von dem Vorhaben der Stadt Braunschweig erfahren, einem Bauantrag zuzustimmen.“

Schon vor der Corona-Krise hatten es Prosituierte schwer. 70 bis 100 Euro mussten sie laut „Braunschweiger Zeitung“ pro Tag Miete zahlen für ihr Bruchstraßen-Zimmer, in dem sie ihre Dienste anbieten.

„Frauen müssen mehrere Freier bedienen, um allein diese Miete zu zahlen. Zum Überleben bleibt dann nicht mehr viel übrig. Prostitution ist unvereinbar mit den Menschenrechten. Der Körper der Frau ist keine Ware, Prostitution ist Gewalt und steht dem Anspruch der Gleichberechtigung von Frau und Mann eklatant im Weg.“

Auch Marion Lenz, die Gleichstellungsbeauftrage der Stadt Braunschweig, schließt sich dem Protest an. Sie sagt: „Aktuell werden die Frauen durch Ehrenamtliche mit Lebensmitteln auf Spendenbasis versorgt. Sie haben keinerlei Absicherung. Viele der Frauen, die aktuell in der Bruchstraße leben sind Armutsprostituierte. Bei extremer Armut von Freiwilligkeit zu sprechen, halte ich für unlauter. Die Frauen sind oft ohne festen Wohnsitz und benötigen das Geld aus der Prostitution zum bloßen Überleben.“

2002 trat das Prostitutionsgesetz in Kraft. Es sollte dafür sorgen, dass Sexarbeit nicht mehr illegal ist. Lenz: „Nun zeigt sich mittlerweile, dass dieser deutsche Sonderweg nicht zum gewünschten Ziel geführt hat – im Gegenteil.“

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Für die Gleichstellungsbeauftrage aus Braunschweig habe das Gesetz lediglich zur Ausbeutung der Frauen und dem Schutz von Freiern und Zuhältern geführt.

Braunschweig: Es gibt auch „Befürworter“

Lenz stellt klar: „Deshalb hoffe ich, die Stadt Braunschweig findet einen Weg, die Genehmigung eines ‚bordellartigen Betriebs‘ in Gliesmarode zu verhindern.“

news38.de-Facebook-User gehen eher locker mit der Thematik um. Hier einige Kommentare:

  • „Seht es doch mal so: Wenn man unten in der Spielhalle gewinnt, kann man es anschließend oben investieren. So bleibt das Geld auch da im Haus.“
  • „Leben und leben lassen. Was den einen freut usw. Bleibt mal locker und bietet Toleranz.“
  • „Was ist denn so schlimm daran? Die stehen ja nicht nackt auf der Straße.“
  • „Jetzt mal im Ernst: Erstens kommt Geld in die Region. Zweitens: Es ist ein Industrie-Gewerbegebiet, so what?“

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Braunschweig: Stadt reagiert auf Kritik an Plänen

Mittlerweile hat die Stadtverwaltung Braunschweig auf die Kritik reagiert und mitgeteilt, vorerst keine Baugenehmigung für das Bordell an der Berliner Straße zu erteilen.

„Angesichts der zahlreichen kritischen Reaktionen sowie den großen Befürchtungen aus der Einwohnerschaft wird die Stadtverwaltung das weitere Vorgehen noch einmal intensiv und umfassend prüfen“, heißt es in einer Mitteilung.

Grundsätzlich habe die Stadt jedoch baurechtlich keine Möglichkeiten, das Vorhaben zu verhindern. Man wolle aber andere Optionen prüfen und in einem Gespräch mit dem Eigentümer „mögliche alternative Nutzungen besprechen.“ (ldi, kv)