Braunschweig 

Braunschweig: Galeria Kaufhof macht dicht – Mitarbeiter erschüttert: „Wir weinen jetzt seit zwei Monaten“

Seit 46 Jahren nicht aus Braunschweig wegzudenken: Galeria Karstadt Kaufhof am Bohlweg. (Archivbild)
Seit 46 Jahren nicht aus Braunschweig wegzudenken: Galeria Karstadt Kaufhof am Bohlweg. (Archivbild)
Foto: imago images / Jürgen Ritter

Braunschweig. In gut zwei Monaten sollen bei Galeria Kaufhof in Braunschweig die Lichter ausgehen.

Damit endet am Bohlweg in Braunschweig eine Ära, die vor 46 Jahren begonnen hatte.

Galeria Kaufhof in Braunschweig schließt Ende Oktober

Das endgültige Aus für Galeria Kaufhof scheint endgültig besiegelt. Der Ausverkauf läuft. Einige Regale sind schon leer. Überall hängen bunte Schilder – „Alles muss raus, alles reduziert, wir schließen!“ Wie muss sich das für die Mitarbeiter anfühlen?

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„Furchtbar“, fasst es Ute Jordan im Gespräch mit news38.de zusammen. „Wir weinen jetzt seit zwei Monaten“, erzählt die Betriebsratsvorsitzende bei Galeria in Braunschweig. Sie arbeitet seit 43 Jahren hier.

Galeria Karstadt Kaufhof-Konzern mit Paukenschlag

Damals hatte der Galeria-Konzern beschlossen, dutzende Filialen zu schließen. Auch die in Braunschweig.Erfahren haben es die Beschäftigten an einem Freitag, der intern nur noch als „schwarzer Freitag“ bezeichnet wird. Seitdem hätten auch einige Kunden Tränen in den Augen.

Die Emotionen im Haus könne man kaum beschreiben, sagt Jordan. Man habe immer ein hohes Niveau gefahren – trotz weniger Mitarbeiter. „Jeder hat sich reingekniet. Oberstes Gebot war immer: 'Alles für den Kunden'. Der ganze Laden war strukturiert aufgebaut. Das ist jetzt alles hin.“

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Der Kundenkreis bei Galeria Kaufhof in Braunschweig sei super und sehr eng gewesen. „Daher haben alle Kollegen ihre Arbeit immer sehr gerne gemacht.“ Viele von ihnen seien dem Kaufhaus nach ihrer Ausbildung treugeblieben. „Das zeigt für mich nicht nur die Loyalität zu der Firma, sondern auch zum eigentlichen Beruf zu den Kunden und zu unserem Haus.“

Braunschweig: Galeria-Schaufenster mit Kunden-Briefen beklebt

Ute Jordan hat zwei Schaufenster mit Kunden-Briefen beklebt. Diese seien teilweise so liebevoll und emotional geschrieben, dass sie sie kaum zu Ende habe lesen können, sagt sie. Die Unterstützung im Kampf gegen das Aus sei riesig gewesen.

Allein in den ersten drei Wochen hätten 5.000 Menschen an den Kassen für den Erhalt des Traditionshauses unterschrieben. Eine Online-Petition haben fast 900 Unterstützer unterzeichnet. .

Enttäuscht von Heil und Weil – Markurth machtlos

Von der Politik dagegen sei sie enttäuscht, sagt Jordan. Weder Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) noch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hätten sich wirklich für sie und ihr Team eingesetzt.

Immerhin habe Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD) sich kümmern wollen – „das war aber auch nutzlos, weil unsere Unternehmensleitung sich nicht gerührt hat“, so Jordan. Niemand habe jemals über die Miete verhandelt.

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Verständnis habe sie für die Sanierungspläne des Konzerns gar nicht. Der größte Faktor, der die Belegschaft so deprimiere, sei, dass niemand Informationen aus der Chefetage bekomme. „Ich weiß auch bis heute nicht, warum wir überhaupt auf die Schließungsliste gekommen sind.“ Seit dem großen Umbau im Jahr 1996 habe sich das Haus immer wieder neu gewandelt und sei mit der Zeit gegangen. Daher sei das Aus umso unverständlicher.

Ute Jordan: „Ausgangslage nicht mehr hoffnungsvoll“

Im Prinzip habe sie den Kampf jetzt auch aufgegeben. „Momentan ist die Ausgangslage nicht mehr hoffnungsvoll. Ich habe alles versucht. Es hätte alles einen einigermaßen guten Gang nehmen können. Wir hatten einen Kompromissvorschlag unterbreitet.“ Jetzt seien es nur noch wenige Wochen, die Zeit laufe weg.

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Betroffen von der Schließung seien 77 Galeria-Mitarbeiter, hinzu kämen aber auch die etwa 20 Restaurant-Beschäftigten, die Putzdamen sowie andere Mieter im Haus. „Wenn ich den 'Faktor Mensch' rechne, dann sind das locker über 100 Betroffene.“

Der Galeria Karstadt Kaufhof-Konzern hat auch für die Filiale in Braunschweig eine Transfergesellschaft eingerichtet. Damit haben die betroffenen Mitarbeiter ein halbes Jahr mehr Zeit, sich einen neuen Job zu suchen. „Aber ob sich daraus bei der heutigen Konjunktur Arbeitsplätze entwickeln? Ich kann es nicht sagen. Das kann wohl keiner“, so die Betriebsratsvorsitzende.

Leerstand am Bohlweg? Oder neue Pläne?

Wie geht es mit dem bald leerstehenden Gebäude am Bohlweg weiter? Das ist noch unklar. Eigentümerin ist die Volksbank BraWo. Laut „Braunschweiger Zeitung“ wäre eine Ladenzeile quer durch das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss, die am Bohlweg beginnt und ins Magniviertel führt, denkbar.

Oben könnten demnach Wohnungen und Büros entstehen. Die markante Fassade allerdings dürfte verschwinden – und mit ihr ein Stück Braunschweiger Stadtgeschichte.