Braunschweig 

Braunschweig: „DDR“-Betonmauer trennt Gärten – Nachbar: „Kind ist ein Schreihals“

Links: So soll die Mauer bald aus Sicht des Auftraggebers aussehen. Rechts: So sieht die neue Grenze für den Nachbarn aus.
Links: So soll die Mauer bald aus Sicht des Auftraggebers aussehen. Rechts: So sieht die neue Grenze für den Nachbarn aus.
Foto: Privat

Braunschweig. Zwischen zwei Parteien in Braunschweig-Völkenrode ist ein handfester Nachbarstreit entbrannt. Seit kurzem trennt die beiden Gärten eine 1,90 Meter hohe Lärmschutzwand aus Beton.

Einer der Nachbarn beschwerte sich gegenüber news38.de, nannte den Schutz „schrecklich“ und verglich ihn mit der „ehemaligen DDR-Mauer“. Die Partei hingegen, die die Mauer in Auftrag gegeben hat, möchte die Vorwürfe so nicht stehen lassen. Auch sie meldet sich bei unserer Redaktion und erklärt ihre Beweggründe für den Bau.

>> Braunschweig: Mann baut meterhohe Betonmauer in Garten – Nachbar fassungslos: „DDR-Mauer“

Nachbarn in Braunschweig sind sich einig: Betonmauer soll Kinderlärm abhalten

Da beide Nachbarn aus dem beschaulichen Ortsteil Völkenrode anonym bleiben wollen, verwenden wir stellvertretend die Namen „Partei 1“ und „Partei 2“. Partei 1 hatte behauptet, die Mauer sei nur erbaut worden, damit Partei 2 den Lärm des zweijährigen Sohnes nicht mehr aushalten müsse.

Partei 2 widerspricht diesem Vorwurf überhaupt nicht, ergänzt jedoch: „Seit Frühling dieses Jahres sind der Nachbar und sein zweijähriger Sohn mit nur wenigen Unterbrechungen bei schönem Wetter praktisch den ganzen Vor- und Nachmittag im Garten seines uns benachbarten Reihenhauses.“

Damit hat Partei 2 auch kein Problem, „wenn das Kind nur einen für Kinder typischen Lärmpegel verursachen würde.“

„Das Kind ist ein ausgesprochener Schreihals“

„Das Kind ist ein ausgesprochener Schreihals“, schreibt uns die Partei 2. Zum Beispiel fahre es mit einem Bollerwagen samt Anhänger auf der Terrasse. Dadurch entstehe ein Geräuschpegel wie bei einem Presslufthammer.

Der Vater sorge nicht dafür, dass das Kind ruhiger spiele. Im Gegenteil, so der Vorwurf: „Beim Planschen im Planschbecken wurde der Sohn häufig von seinem Vater mit kaltem Wasser aus einer Gießkanne übergossen.“

In diesem Punkt scheinen sich die Parteien einig zu sein, denn auch Partei 1 erklärte zuvor: „Da ging es los, wenn der kleine Mann im Planschbecken Spaß hatte und gequietscht hat, dass man genervtes Stöhnen von nebenan hörte.“

Partei 2 meint hingegen: „Die durch diese Aktionen entstandene Lautstärke war dabei so groß, dass wir auf unserer eigenen Terrasse kein Buch mehr lesen oder dort Besuch empfangen konnten.“

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Gespräche verlaufen im Sande

Es sei das Gespräch mit dem Nachbar gesucht worden, dieser habe sich allerdings wenig einsichtig gezeigt. „Da durch Verständigung keine Einigung erzielt werden konnte und wir als Rentner nicht auf die Nutzung unserer Terrasse verzichten wollten, haben wir angekündigt, uns notgedrungen durch Bau einer 1,90 Meter hohen Lärmschutzwand vor dem Kinderlärm zu schützen.“ Partei 1 habe nicht versucht, den Bau zu verhindern.

Rechtlich ist die Mauer durch das Bauamt und die Niedersächsische Bauverordnung abgesegnet. Die Stadt Braunschweig war bisher für ein Statement nicht zu erreichen.

Mauer soll noch verschönert werden

Partei 2 erklärt abschließend: „Etwa drei Monate nach Ankündigung (und nicht plötzlich) wurde die Mauer gebaut. Diese wird auf unserer Seite weiß gestrichen und mit Gräsern bepflanzt. Wir haben dem Nachbarn vorgeschlagen, dies auch auf seiner Seite zu tun und seiner Frau hierzu Anregungen gezeigt, die ihr gefielen.“

Zuvor hatte sich der Nachbar beschwert, er müsse die Kosten für eine Verschönerung der Mauer tragen. Er überlege, ob sein Sohn sich mit seinen Malstiften an dem grauen Ungetüm ausleben soll.

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Was tun bei einem Nachbarschaftsstreit?

Wenn der Bau der Mauer ebenso rechtens ist, wie Kinderlärm im Garten, dann hilft meistens ein Gespräch. Wichtig hier: Der Ton muss stimmen.

Sollte sich beide Nachbarn derart festgefahren sein, ist es hilfreich eine dritte, neutrale Person hinzuziehen. Im äußersten Fall müssen die Streitigkeiten vor Gericht beigelegt werden. (mb)