Braunschweig 

Galeria Kaufhof in Braunschweig schließt für immer: „Ich bin sprachlos und traurig“

Am Donnerstag sind bei Galeria Kaufhof am Bohlweg in Braunschweig die Lichter ausgegangen. Nach 46 Jahren... (Symbolbild)
Am Donnerstag sind bei Galeria Kaufhof am Bohlweg in Braunschweig die Lichter ausgegangen. Nach 46 Jahren... (Symbolbild)
Foto: imago images / regios24

Braunschweig. Tränen und Gänsehaut bei Galeria Kaufhof in Braunschweig.

Seit Donnerstag, 13 Uhr, ist Galeria Kaufhof in Braunschweig Geschichte. Die Filiale am Bohlweg hat nach 46 Jahren geschlossen. Die „Welt in sechs Etagen“ dreht sich nicht mehr.

Braunschweig: Kunden nehmen Abschied von Galeria Kaufhof

Zum Abschied kamen noch einmal viele Kunden vorbei, berichtet die „Braunschweiger Zeitung“. Eine Kundin sagt: „Ich bin sprachlos und traurig, wenn ich das sehe.“ So dürfte es vielen Menschen in Braunschweig gehen.

Rund 100 Mitarbeiter müssen sich einen neuen Job suchen. Manche gehören nicht mehr zu den Jüngsten. In dem Alter woanders bewerben? Das sei sehr schlimm, sagte eine 56-jährige Galeria Kaufhof-Mitarbeiterin der „Braunschweiger Zeitung“.

Bei Galeria Karstadt Kaufhof rollt jetzt die Schließungswelle

Aber nicht nur in Braunschweig hat der Mutterkonzern Galeria Karstadt Kaufhof in diesen Tagen einige seiner Filialen geschlossen. Von Hamburg bis Fulda gehen derzeit in 37 Läden die Lichter aus. Weitere sechs Filialen haben noch eine Gnadenfrist bis Januar, so der Betriebsrat.

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Die Warenhausschließungen sind Bestandteil des Sanierungskonzeptes des letzten verbliebenen großen deutschen Warenhauskonzerns nach dem erfolgreichen Abschluss des Insolvenzverfahrens. Mit rund 130 verbleibenden Warenhäusern hofft der Konzern, schnell wieder in die schwarzen Zahlen zurückzukehren.

Rund 3.200 Beschäftigte verlieren dadurch ihren Job. Ein Unternehmenssprecher wollte sich am Donnerstag nicht zu den Schließungen äußern.

Ob in Braunschweig, Hamburg, Essen oder in Fulda, Landau und Witten: Wo immer die Läden schließen, beginnt damit für die betroffenen Städte der Ernstfall. Denn in den Einkaufsstraßen fällt damit ein wichtiger Anziehungspunkt weg. Um die Attraktivität der Shopping-Meilen zu bewahren, muss schnell eine neue Nutzung für die Warenhaus-Immobilien gefunden werden.

Besinnung auf die Vergangenheit?

Aussichtslos ist das nicht, glaubt Joachim Stumpf von der Handelsberatung BBE. „Die Schließungsfilialen liegen fast alle an guten, urbanen Standorten, die Entwicklungspotenzial haben“, meint er. In den meisten Fällen werde es dort auch in Zukunft wieder neue Geschäfte geben, aber in deutlich geschrumpftem Ausmaß.

Der Flächenbedarf bei den klassischen innerstädtischen Einzelhandelsangeboten von der Mode bis zur Unterhaltungselektronik habe seinen Höhepunkt überschritten. Stattdessen müssten andere Nutzungen gefunden werden.

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In gewisser Hinsicht sei das auch eine Besinnung auf die Vergangenheit. „Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in den Innenstädten viel mehr gemischte Nutzung als heute. Erst nach dem Krieg entstand die Monokultur des Handels“, betont Stumpf.

Braunschweig: Abriss und Neubau?

„An den Warenhausstandorten, für die jetzt eine neue Nutzung gefunden werden muss, wird das Pendel wieder in die andere Richtung ausschlagen. Es wird viel mehr gemischte Nutzung mit Handel, Dienstleistern, Büros und auch Wohnen geben.“

Eines der größten Probleme ist dabei, dass die klassischen Warenhäuser mit ihren großen, oft fensterlosen Flächen schon von ihrer Architektur her ohne große Umbauten kaum für andere Nutzungen verwendbar sind.

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Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung PwC über das Schicksal von 52 seit 2009 geschlossenen Warenhäusern ergab, dass über 80 Prozent von ihnen im großen Stil umgebaut oder sogar abgerissen werden mussten.

Adieu, Galeria! Ära nach 46 Jahren zu Ende gegangen

Auch in Braunschweig gilt das als die wahrscheinlichste Variante. Inhaber ist die Volksbank Brawo. Was aus dem markanten Gebäude mit der Eiermann-Fassade wird, ist noch völlig unklar. Klar ist, dass am Donnerstag eine Ära zu Ende gegangen ist... (dpa/ck)