Braunschweig 

Braunschweig: „Lockdown Light“ kommt – Gastronom sauer: „Die Willkür macht mich traurig“

Gastronomen in Braunschweig, wie Christian Rank vom „Riptide“, steht ein düstere Zeit bevor.
Gastronomen in Braunschweig, wie Christian Rank vom „Riptide“, steht ein düstere Zeit bevor.
Foto: Merle Janßen/szene38.de

Braunschweig. Ab kommenden Montag tritt der „Lockdown Light“ auch in Braunschweig in Kraft. Nach den Schließungen im Frühjahr dürfen dann die Gastronomen schon zum zweiten Mal in diesem Jahr keine Gäste empfangen.

Dass das für herbe finanzielle Einbußen sorgt, ist klar. Doch wie steht es wirklich um die Kneipen und Bars in Braunschweig? Zwei Wirte aus der Stadt berichten über Ängste und Frustration. Dabei nehmen sie kein Blatt vor den Mund.

Braunschweig: Gastwirte in der Krise – so dramatisch ist die Lage wirklich

„Ich kann nur für mich sprechen, aber das Jahresende wird ordentlich ungemütlich und es geht weiter an die Reserven“, sagt Lars Nussbaum, der diverse Lokale in Braunschweig betreibt, darunter das „Tresor“ und das „Überland“.

Düsterer formuliert es Christian Rank vom „Riptide“. „Ohne Hilfe werden wir eventuell nicht durch den Winter kommen, auch ohne Lockdown“, macht er deutlich. „Wie sollen wir das wirtschaftlich überleben? Schon beim ersten Lockdown wurden wir von der Politik von Bund und Stadt hoffnungslos allein gelassen.“

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Das sorgt für Wut beim Wirt

Schon im Sommer sei Nussbaum davon ausgegangen, dass es im Herbst finanziell erneut hart werden würde. Vor dem nun Realität gewordenen Lockdown fürchtet sich Nussbaum zwar nicht. „Ich hatte zweimal Krebs in meinem Leben, wenn Sie durch elf Chemotherapien durch sind, dann wissen sie was Angst ist. Angst hilft nicht. Kopf an und weiter...“

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Für Frust sorgt die Lage dennoch: „Die Willkür, mit der die Gastronomen unter Generalverdacht stehen, macht mich traurig. In meinen Betrieben hat sich bisher noch niemand angesteckt.“

Die Politik formuliert das vorsichtiger. „Man kann nicht nachweisen, dass beispielsweise die Gaststätten die Treiber sind. Wir können aber bei 75 Prozent der Fälle auch nicht nachweisen, was die Treiber sind", machte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch auf der Pressekonferenz deutlich.

So kannst du die Gastro-Szene in Braunschweig unterstützen

Der Gastronom setzt nun alle Hoffnung in hungrige Braunschweiger. „Es wäre schön, wenn die Gäste bei Ihnen Lieblingsrestaurants im Wechsel die Außer-Haus-Angebote in Anspruch nähmen“, sagt er und fügt hinzu: „Ab 50 Euro liefern wir auch.“

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Rank hingegen sieht nun vor allem die Politik in die Pflicht. Helfen würden laut ihm vor allem „Ausgleichszahlungen, Mietbeteiligung, Gratisfreisitzflächen und/oder Desinfektionsmittel.“

Auch eine App für die einfache Gästeregistrierung würde einen Unterschied machen. Auch Nussbaum sieht dort Potential, vor allem in der Corona-App. „Dann könnten auch Infektionsketten schneller unterbrochen werden. Das würde den Ämtern helfen, Transparenz schaffen und Druck abbauen.“ (vh)