Braunschweig 

Corona in Braunschweig: Frau von Maskenpflicht befreit – so heftig sind die Anfeindungen: „Man ist für andere Menschen ein Aussätziger!“

Melanie aus Braunschweig kann wegen ihrer Asthma-Erkrankung keine Maske tragen. Im Alltag macht sie das immer wieder zum Opfer von Anfeindungen.
Melanie aus Braunschweig kann wegen ihrer Asthma-Erkrankung keine Maske tragen. Im Alltag macht sie das immer wieder zum Opfer von Anfeindungen.
Foto: imago images / U. J. Alexander; Privat

Braunschweig. Wer einkaufen geht oder in der Stadt unterwegs ist, hat sich sicher auch schon einmal selbst dabei ertappt: Andere Personen ohne Mund-Nasen-Schutz werden erst einmal genau unter die Lupe genommen. Warum jemand trotz geltender Corona-Verordnung keine Maske trägt, ist schließlich auf den ersten Blick nicht immer ersichtlich.

Melanie ist in Braunschweig immer ohne Maske unterwegs. Nicht, weil sie zu faul für eine Maske ist oder diese unbequem für sie ist. Die 44-Jährige hat Asthma, kann aus medizinischen Gründen keinen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Seit der Corona-Pandemie habe sie deswegen immer wieder Konflikte mit anderen Menschen in Braunschweig gehabt. In einigen Fällen sei es nicht bei den skeptischen Blicken gelieben. Melanie erzählt news38.de von verbalen Anfeindung und psychischer Belastung.

Braunschweig: Üble Anfeindungen trotz Masken-Attest

Rückblick: Im November 2019 hätten wohl nur die Kühnsten in Deutschland darauf gewettet, dass bereits wenige Monate später bundesweit das Tragen von Mund-Nasen-Masken zum Normalzustand wird.

Mit Beginn der ersten Corona-Fälle 2020 war zunächst noch über den Sinn der Masken diskutiert worden, sie waren auch teils schwer zu bekommen. Doch mit steigenden Covid-19-Zahlen im Februar und März führte die Regierung an vielen Orten eine Maskenpflicht ein. Für Melanie aus Braunschweig war schnell klar: Für sie ist das keine realistische Option.

„Am Anfang der ersten Welle habe ich meinen Hals-Nasen-Ohren-Arzt darüber informiert, dass eine Maske für mich mit Asthma nicht machbar ist. Er hat mir dann ohne Probleme ein Attest ausgestellt“, erinnert sich die 44-Jährige. Das Attest liegt der Redaktion vor. Es habe nur wenige Wochen gedauert, bis sie die ersten Anfeindungen und Attacken erlebt habe.

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„Das erste Mal bin ich im Edeka blöd angemacht worden, das war so etwa nach zwei bis drei Wochen. Da ist ein älterer Mann mit dem Einkaufswagen mit voller Absicht auf mich zugelaufen, hat meinen Wagen gerammt und gesagt: 'Keine Maske tragen und dann nicht aus dem Weg gehen...' -– das war meine erste Begegnung mit solchen Anfeindungen“, erzählt sie.

Auch bei dm habe sich ein Kunde an der Kasse „tierisch aufgeregt“. Eine Kassiererin sei schließlich dazwischen gegangen und habe erklärt: „Wir kennen die Kundin, sie hat ein Attest.“

Aggressivität und Unterstellungen

Melanie leitet seit 16 Jahren die Musikschule Melodia in Braunschweig und arbeitet nebenher seit zehn Jahren im Bereich Teambuildung und Coaching. Ihre Musikschule ist den Folgen der Pandemie zum Opfer gefallen.

Voraussichtlich Ende Januar wird hier der Ton ausgemacht. In der Schule habe es keine Rolle gespielt, dass sie keine Maske trägt. Dort kennen die Schüler und Lehrer sie bestens, wissen von ihrer Asthma-Erkrankung. Diejenigen, die sie angehen, sind Fremde.

Bildhaft beschreibt die studierte Kulturwissenschaftlerin: „Anstatt freundlich nachzufragen, gibt es immer einen aggressiven Unterton. Man ist für andere Menschen ein Aussätziger, jemand, der den Tod bringt, eine Gefahr.“ Sie werde einer „unglaublichen Aggression“ ausgesetzt. Das beeinflusse inzwischen auch erheblich ihren Alltag.

„Es gibt Tage, an denen schaffe ich es gar nicht“

„Ich habe mein Einkaufsverhalten stark angepasst und gehe nur noch in die drei gleichen Läden. Dort kennen mich die Verkäuferinnen bereits. In anderen Läden – wir mussten Ende April zum Beispiel in den Baumarkt – nehme ich manchmal meinen Mann mit, als eine Art Beschützer“, sagt Melanie und fügt traurig hinzu: „Es gibt auch Tage, an denen schaffe ich es gar nicht, einkaufen zu gehen.“

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Die direkte gewollte Konfrontation um jeden Preis, das Ausblenden der Möglichkeit, dass Menschen auch aus medizinischen Gründen keine Maske tragen, macht Melanie schwer zu schaffen. „Ich finde, diese grundsätzlich aggressive Art und Weise, ist kein Weg, um miteinander umzugehen“, sagt sie und hofft, bald auch ohne ein schlechtes Gefühl einkaufen gehen zu können. (dav)