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Flüchtling aus Braunschweig verzweifelt: „Ich weiß nie, was kommen wird“

Flüchtling aus Braunschweig verzweifelt: „Ich weiß nie, was kommen wird“

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5 Jahre "Wir schaffen das!": Flüchtlinge in Deutschland

Flüchtling aus Braunschweig verzweifelt: „Ich weiß nie, was kommen wird“

5 Jahre "Wir schaffen das!": Flüchtlinge in Deutschland

Braunschweig. 

Als die Taliban Obaidullahs älteren Bruder töteten, wusste die Familie Zaim: Wir müssen raus aus Afghanistan. Weg vom Krieg, Bombenanschlägen, Perspektivlosigkeit. Aus dem 400-Seelen-Dorf Amrakh südlich der viertgrößten Stadt Masar-e Scharif floh Obaidullah mit seinen beiden älteren Geschwistern zu Fuß, mit dem Schiff und mit dem Auto.

Im Dezember 2015 kamen die drei Geschwister in Deutschland an. Obaidullah, mittlerweile 22 Jahre alt, und sein Bruder (28) wohnen seitdem gemeinsam in Braunschweig, die 32-jährige Schwester hat es nach Stade bei Hamburg verschlagen.

Knapp fünf Jahre später ist sich Obaidullah sicher: „Ich will irgendwann nach Afghanistan zurückkehren.“

Afghanischer Flüchtling aus Braunschweig: Vom Krieg in die Ausbildung

Obaidullah ist 16 Jahre alt, geht zur Schule, als er seinen Bruder Zaher verliert. Die Taliban missbilligte, dass der damals 28-Jährige Englisch und IT unterrichtet. Die Familie fühlt sich nicht mehr sicher, gibt ihr Haus in der Provinz Balch im Norden des Landes auf. Sie gilt als eine der fruchtbarsten Regionen Afghanistans: Hier werden Baumwolle, Tabak, Getreide, Gemüse, Melonen und Obstbaumkulturen geerntet. Anderseits befindet sich seit 2008 bei Masar-e Sharif ein Militär-Camp, knapp 1000 Bundeswehrsoldaten sind Teil des Resolute Support-Projekts und bilden afghanische Sicherheitskräfte aus.

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„Wir schaffen das“ – es sind eigentlich nur drei Worte. Doch seit 2015 polarisierte in Deutschland kaum etwas mehr als dieser Leitsatz von Angela Merkel. Auf der einen Seite löste die Parole der Kanzlerin eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Ein anderer Teil der Gesellschaft fühlte sich überfordert. Überfordert von mehr als einer Million Flüchtlingen, die auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015/16 nach Deutschland kamen.

Zwischen Willkommenskultur und AfD-Aufstieg, zwischen Sprachbarriere und Hoffnung auf ein friedliches Leben versuchen die Geflüchteten seitdem, in Deutschland Fuß zu fassen. Fünf Jahre sind nun vergangen: Zeit für ein Zwischenfazit. Wie sind die Flüchtlinge mittlerweile in Deutschland angekommen? Was sind ihre prägendsten Erfahrungen? Welche Wendepunkte haben ihr Leben bestimmt?

13 Flüchtlinge haben DerWesten, Moin.de, News38 und Thüringen24 verraten, wie ihr Leben in der neuen Heimat Deutschland heute aussieht.

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Für Obaidullah beginnt in Braunschweig ein neues Kapitel: Er besucht einen Deutschkurs, versucht die für ihn komplizierte Sprache zu erlernen. Deutschland ist ihm fremd: „Kultur, Sprache, Traditionen sind ganz unterschiedlich zu Afghanistan“. Dennoch beginnt er ein Praktikum bei einer Sanitärfirma, startet anschließend eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Die Lehre bricht er ab, macht ein weiteres Praktikum und jobbt zwischenzeitlich.

Mittlerweile hat der 22-Jährige eine weitere Ausbildung als Garten- und Landschaftsbauer bei einem Unternehmen zwischen Braunschweig und Gifhorn begonnen. „Es ist ein toller Beruf für mich – Blumen und Bäume habe ich schon immer geliebt“, schwärmt Obaidullah. Die Arbeit sei körperlich anstrengend, aber vielmehr setze ihm die Berufsschule zu. „Ich muss den gleichen Stoff wie die Deutschen lernen, dabei sind viele Wörter für mich völlig neu.“ Immerhin kenne er einige Pflanzen, die auch im fruchtbaren Norden Afghanistan vorkommen.

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Nur geduldet: „Dieser Zustand ist für mich normal“

Ob er sich in Deutschland willkommen fühle? Darauf hat Obaidullah eine ganz pragmatische Antwort: „Wenn ich höflich bin, sind die Menschen zu mir auch höflich.“ Große Träume erlaubt er sich nicht. Im Gegensatz zu seinem Bruder, der internationales Recht in Hannover studiert, ist er nur geduldet. „Mein Bruder hat drei, meine Schwester ein Jahr Asyl. Ich weiß nie, was kommen wird, dieser Zustand ist für mich normal“, sagt er.

Er will „unbedingt irgendwann“ zurückkehren, seine Eltern widertreffen, die in den Iran geflüchtet sind. Auch wenn man in Afghanistan seiner Ansicht nach nicht sicher sei. Anschläge sind in der krisengeschüttelten Region Alltag. Laut Einschätzung der UN-Mission in Kabul (UNAMA) verschlechtere sich die Lage zunehmend.

Trotz Pandemie und Bürgerkrieg werden Flüchtlinge aus Deutschland nach Afghanistan abgeschoben. Obaidullah kann das Vorgehen nicht nachvollziehen. „Afghanistan, Syrien, Irak, da ist Krieg. Soll man dort sterben oder weiterziehen?“, fragt er. „Meiner Meinung nach kann jeder Mensch irgendwo hin und leben, die Grenzen haben die Menschen selbst gemacht.“

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Freiwilligenagentur Jugend-Soziales-Sport e.V.

Bei der Eingewöhnung in Braunschweig ist Obaidullah durch die Freiwilligenagentur Jugend-Soziales-Sport e.V. aus Braunschweig unterstützt worden. Der Verein hat den Zweck, „das freiwillige Engagement in den Bereichen Sport, Kunst, Kultur und Bildung, Soziale Arbeit und Jugendarbeit sowie Projekt- und Programmentwicklung zu generationsübergreifenden Gesellschafts- und Sportbereichen sowie die gegenseitige Förderung aller Tätigkeitsbereiche durch Aktivitäten der Mitgliedsverbände und der Agentur und die Pflege, Förderung und Ausübung des Sports“ zu unterstützen.

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