Braunschweig 

Braunschweig: Kirche beendet „jahrzehntelange Diskriminierung“ – weil sie ein wichtiges Gesetz ändert

Die Kirche in Braunschweig hat nun für die Ehe für alle gestimmt. (Symbolbild)
Die Kirche in Braunschweig hat nun für die Ehe für alle gestimmt. (Symbolbild)
Foto: dpa

Die Landeskirche Braunschweig hat am Freitagabend bei der Herbsttagung ihrer Landessynode den Weg zur kirchlichen Trauung unabhängig von der Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierung freigemacht. Heißt im Klartext: Eine Trauung ist nun auch für homosexuelle Paare möglich. Bisher hatte es nur einen Segen gegeben, der sich von einer ehelichen Trauung deutlich unterscheiden musste.

„Damit ist eine jahrzehntelange Diskriminierung beendet“, sagte Synodenpräsident Peter Abramowski in Braunschweig. 34 von 37 anwesenden Synodalen stimmten dafür, das Traugesetz entsprechend zu ändern. Zwei Synodale stimmten dagegen. Es gab eine Enthaltung. Das Traugesetz tritt zum 1. Januar 2022 in Kraft.

Kirche Braunschweig ermöglicht die Ehe für alle

In der Präambel des Gesetzes über die kirchliche Trauung war bisher von der Ehe zwischen „Mann und Frau“ die Rede. Diese Formulierung wird durch die Worte „zwei Menschen“ ersetzt. Vollständig heißt der erste Satz der Gesetzes-Einleitung nun: „Die Ehe ist eine Gabe Gottes und hat die Bestimmung, das gemeinsame Leben zweier Menschen auf Lebenszeit in gegenseitiger Achtung zu gestalten.“

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Vorausgegangen war der Abstimmung eine emotionale Debatte. Einige Synodale argumentierten, sie könnten ihre Entscheidung erst fällen, wenn ein Gutachten der Theologischen Kammer vorliege. Sie plädierten dafür, die Entscheidung über die Änderung des Traugesetzes deshalb erst während der im Mai 2022 tagenden Frühjahrssynode zu treffen. Ein entsprechender Antrag wurde mit 19 Stimmen abgelehnt.

Braunschweig war eine der letzten Landeskirchen, die nur eine Segnung anboten

Bisher war in der Landeskirche Braunschweig nur eine Segnung von gleichgeschlechtlichen oder diversen Paaren als ein „Akt der Seelsorge“ möglich, der den bisherigen Regeln zufolge „nicht mit einer Trauung verwechselbar“ sein durfte. Bei der Mehrzahl der evangelischen Kirchen in Deutschland sind gleichgeschlechtliche und diverse Paare heterosexuellen Paaren inzwischen gleichgestellt. 14 der 20 Landeskirchen in Deutschland bieten allen Menschen über die Segnung hinaus einen Traugottesdienst als Amtshandlung an.

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig zählt mit rund 320.000 Mitgliedern in 304 Kirchengemeinden zu den kleineren der insgesamt 20 evangelischen Landeskirchen in Deutschland. Ihr Gebiet erstreckt sich von Wolfsburg bis an den Südrand des Harzes. (fb/dpa)