Gifhorn 

Gifhorn: Messerstecher gefasst - Sechs weitere Haftbefehle

Der Eingang des Justizzentrums in Hildesheim.
Der Eingang des Justizzentrums in Hildesheim.
Foto: dpa

Gifhorn/Hildesheim. Der mutmaßliche Messerstecher von Gifhorn sitzt in Haft - und zwar in Ungarn: Das teilte die Staatsanwaltschaft Hildesheim am Montagmittag mit.

Der 25-Jährige, der am Abend des 18. März in der Herzog-Franz-Straße einen 27-Jährigen niedergestochen haben soll, sei von der ungarischen Polizei bereits am 23. März festgenommen worden. Derzeit befinde er sich in Auslieferungshaft.

Selbstjustiz mit Folter

Außerdem berichtete Christina Pannek als Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hildesheim von sechs weiteren Haftbefehlen: Diese richten sich gegen sechs Angehörige des verletzten 27-Jährigen, die den Fall in Selbstjustiz "klären" wollten. Nach Angaben der Anklagebehörde haben die sechs Männer im Alter zwischen 17 und 31 Jahren den Bruder des mutmaßlichen Messerstechers in eine Falle gelockt, ihn gekidnappt und drei Stunden lang gefoltert.

Tortur standgehalten

Damit wollten sie den Mann laut Christina Pannek zwingen, den Aufenthaltsort des 25-jährigen Tatverdächtigen zu verraten. Sie sollen Messer, Schlagwerkzeuge sowie eine Waffe eingesetzt haben - doch entweder wusste der Gefolterte tatsächlich nichts, oder er hielt der dreistündigen Tortur stand. Jedenfalls will sich der Bruder am Ende "durch eine List dem Geschehen entzogen haben".

Am Freitag gab es eine Hausdurchsuchung bei den sechs Angehörigen des Niedergestochenen. Die Polizei hatte sich danach noch bedeckt gehalten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft seien dabei die Folterwerkzeuge gefunden worden. Ein Haftrichter habe gegen alle sechs Haftbefehl erlassen.

Der Misshandelte habe bei der Tortur "diverse Verletzungen am gesamten Körper" erlitten, sagte Behördensprecherin Pannek auf Nachfrage von news38.de. Er sei ambulant versorgt worden; bleibende Schäden seien nicht zu befürchten.

Unklar ist indes noch, wann der mutmaßliche Messerstecher von Ungarn an die deutsche Justiz überstellt wird: "Wir hoffen, möglichst bald", kommentierte die Sprecherin. Von ungarischer Seite aber gebe es noch keinen Termin.