Gifhorn 

Ballonfahrer ohne Lizenz: Jetzt wird's eng für ihn

Trotz niedrig hängender Wolken und bereits begonnener Dämmerung stieg im September der Ballon im Bereich des Raffteiches auf. Am Dienstag führte eine weitere Fahrt von Peine nach Rötgesbüttel.
Trotz niedrig hängender Wolken und bereits begonnener Dämmerung stieg im September der Ballon im Bereich des Raffteiches auf. Am Dienstag führte eine weitere Fahrt von Peine nach Rötgesbüttel.
Foto: privat

Rötgesbüttel/Handeloh. Mehr geht nicht: "Durch den Entzug von Lizenzen und die Beschlagnahme des Ballons" habe die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr "unsere Möglichkeiten als Luftfahrtbehörde ausgeschöpft". So kommentiert Behördensprecher Jens-Thilo Schulze die konzertierte Aktion von Beamten seiner Behörde und der Polizei, als sie am Dienstagabend bei Rötgesbüttel einen landenden Ballonpiloten "in Empfang" nahmen.

Alles weitere sei nun "Sache der Strafverfolgungsbehörden, mit denen wir kurzfristig in Kontakt treten werden", so Schulze

Der 54-jährige Luftfahrtunternehmer aus Handeloh gilt seit Jahren als schwarzes Schaf der Branche: Seit ihm die Luftfahrtbehörde nach einem Ballon-Unfall vor sieben Jahren in Abbesbüttel mit zwölf Verletzten seine Lizenz entzogen hatte, scheint er ständig mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen.

Im Dezember steht er zum wiederholten Mal vor Gericht - angeklagt von der Staatsanwaltschaft Stade "wegen gewerbsmäßigen Betrugs sowie diverser Lizenz-Delikte", wie der dortige Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas gegenüber news38.de berichtete. Mehrere hundert Anzeigen liegen gegen den Piloten vor.

Das Dilemma des Handelohers: Egal, was er auch machte - es war strafbar. Denn einerseits verkaufte er nach Überzeugung der Ermittler via Internet so viele Tickets, "dass ihm bewusst gewesen sein muss, eine solche Anzahl von Fahrten nie durchführen zu können", wie Breas betonte.

Werbung für "unvergessliche Abenteuer"

So stapeln sich bei der Polizei die Anzeigen von geprellten Kunden, die meist mehrere hundert Euro überwiesen haben - um "ein ganz besonderes und exclusives Erlebnis und ein unvergessliches Abenteuer" zu erleben, wie es auf seiner noch immer geschalteten Homepage heißt.

Doch die vergleichsweise wenigen Passagiere, die mit ihm tatsächlich aufstiegen, waren dann mit einem Schwarzfahrer der Lüfte unterwegs. Das bekamen am Dienstagabend auch drei Fahrgäste in Rötgesbüttel zu spüren - denn die Polizei nahm nicht nur die Personalien des Piloten auf, sondern auch die seiner drei Mitfahrer...

Hört er jetzt wirklich auf?

In der Ballonszene sieht man die Behördenaktion im Landkreis Gifhorn mit gemischten Gefühlen: Einerseits herrscht Erleichterung, dass der 54-Jährige auf frischer Tat ertappt worden ist - andererseits fehlt der Glaube daran, dass der Mann jetzt tatsächlich auf dem Boden bleibt. Nach Informationen von news38.de verfügt er über mehrere Ballone.

Auch sein Verhalten am Dienstagabend lässt nicht unbedingt auf reuevolle Einsicht schließen: Nach Informationen unserer Redaktion hat der 54-Jährige versucht, Teile seiner Ausrüstung dem Behördenzugriff zu entziehen: Während die Beamten damit beschäftigt waren, Ballonhülle und Fahrgastkorb in ihren Fahrzeugen zu verstauen, habe er versucht, Brenner und Gasflaschen in einem Graben zu verstecken. Allerdings sei der Versuch letztlich fehlgeschlagen.