Gifhorn 

Schutzengel in Rot-Gelb: Lebensretter am Tankumsee

Stets den Blick auf den Tankumsee gerichtet: Die DLRG-Ortsgruppe Braunschweig hat ein wachsames Auge auf die Badegäste.
Stets den Blick auf den Tankumsee gerichtet: Die DLRG-Ortsgruppe Braunschweig hat ein wachsames Auge auf die Badegäste.
Foto: Tobias Schneider
  • DLRG schiebt in den Ferien jeden Tag Wache
  • Badegäste kollabieren am Parkautomaten
  • Alkohol ist ein großes Problem

Gifhorn/Braunschweig. "Hilfe...Hilfe", ertönt es plötzlich in der Nähe der DLRG-Station am Tankumsee. Aus dem Wasser rufen Kinderstimmen um Hilfe. Doch ernst gemeint war dieser Hilferuf nicht. Anstatt auf Rettungsmission zu gehen, muss die DLRG-Ortsgruppe Braunschweig erst einmal Aufklärungsarbeit bei den Kindern und deren Eltern leisten.

"Solche Sachen kommen leider immer wieder vor. Aber besser wir fahren einmal umsonst raus, anstatt gar nicht zu reagieren", sagt Torsten Meyer, zweiter DLRG-Stationsleiter am Tankumsee. Der heiße Sommer 2018 lässt die Menschen in Massen an den beliebten Badesee in Isenbüttel kommen "Dieser Sommer ist schon außergewöhnlich heiß. Das hab' ich bisher auch noch nicht so erlebt", sagt Patrick Langner, diensthabender Stationsleiter.

Verlängerte Wachzeiten

Bis zu 22 ehrenamtliche Rettungsschwimmer und DLRG-Mitglieder schieben jeden Tag in den Sommerferien Wache. "Die hohe Anzahl ist auch bitter nötig. In der Regel sind wir von 10 bis 18 Uhr vor Ort. Aufgrund des warmen Wetters bis tief in den Abend hinein, haben wir unsere Wachzeit bis etwa 20 Uhr verlängert", sagt Meyer.

Der "NDR" berichtet von mehr als 30 toten in Niedersachsens Gewässern. "Solch einen Fall hatten wir - glücklicherweise - in letzter Zeit noch nicht gehabt. Die Badegäste passen hier auch mit auf und nehmen uns viel Arbeit ab", freut sich Meyer. Dennoch ist es nie still in der Station am Nordufer. "Wespenstiche, Kreislaufzusammenbrüche und Sonnenbrände gehören zu den tagtäglichen Aufgaben", so Meyer.

Kollaps am Parkautomat

Fast jeden Tag gibt es Schwächeanfälle an den Parkautomaten. "Theoretisch müssten wir jedes Mal gegen 18 Uhr einen Sanitäter dort abstellen, weil die Leute in der prallen Sonne Schlange stehen. Wenn die Gäste wissen, dass sie den ganzen Tag da bleiben, können sie die Tagesgebühr auch sofort bezahlen", schlägt Meyer vor.

Es gibt viele Gründe, warum immer wieder Menschen beim Baden ums Leben kommen. "Oftmals ist es der Alkohol. Die Leute überschätzen im Rausch ihr Können. Weitere Gründe sind Panik im Wasser und Kreislaufzusammenbrüche beim Sprung ins kalte Nass", sagt Achim Willschütz, stellvertretender Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Braunschweig.

Seepferdchen ist kein Frei-Schwimm-Schein

"Und es ist leider so, dass die Leute immer weniger die Möglichkeit haben, schwimmen zu gehen. Viele Bäder haben geschlossen. Zudem heißt das Abzeichen "Seepferdchen" nicht gleich, dass das Kind perfekt schwimmen kann", so Willschütz weiter.

Wenn es aber mal auf dem Wasser ernst wird, ist die Ortsgruppe Braunschweig schnell auf dem See. Mit einem Motorboot, Surfbrettern und Muskelkraft sind die Retter zügig vor Ort. "Man muss bedenken, dass wir das alles ehrenamtlich machen. Wir opfern teilweise unseren Jahresurlaub, um hier dabei zu sein. Natürlich zählt auch das Zusammensein und der Zusammenhalt", erzählt Meyer. Der gebürtige Braunschweiger kommt Jahr für Jahr aus Ingolstadt hoch in den Norden.

"So richtig Ruhe kehrt für uns erst im Oktober ein. Dann beginnen aber auch schon die Vorbereitungen fürs nächste Jahr", lacht Patrick Langner.