Gifhorn 

Wittingen: Wolf aus Hass erschossen? So läuft die Untersuchung

Die getötete Wölfin ist inzwischen in Berlin angekommen (Symbolbild).
Die getötete Wölfin ist inzwischen in Berlin angekommen (Symbolbild).
Foto: imago images / Milestone Media

Wittingen. Nach dem Fund einer erschossenen Wölfin im Elbe-Seitenkanal bei Wittingen laufen die Ermittlungen. Die Polizei ermittelt in dem Fall, weil Wölfe unter Naturschutz stehen und es verboten ist, die Tiere zu töten.

Hat womöglich ein Wolfshasser das junge Tier erschossen? Ernst-Dieter Meinecke von der Kreisjägerschaft will das nicht ausschließen, wenngleich er gegenüber der "Aller-Zeitung" nicht spekulieren möchte.

Aber: Gerade auf dem Land sei die Stimmung nicht pro Wolf, so Meinecke. Er hoffe, dass der Täter ermittelt werde und das Verhalten keine Schule mache. In Niedersachsen wurden seit 2003 schon neun Wölfe illegal getötet.

"Problemwolf" darf abgeschossen werden

Einzelne Wölfe dürfen nur ganz selten und mit einer Sondergenehmigung gejagt werden. Landesweit gibt es derzeit nur eine Genehmigung zum Abschuss eines Wolfes im Landkreis Nienburg, die am 31. Juli ausläuft. Dieser Leitwolf darf abgeschossen werden, weil er wolfsabweisende Zäune überwunden und Rinder in einer Herde angegriffen hat.

Polizei: Wölfin sollte im Elbe-Seitenkanal versenkt werden

Für die Polizei Wittingen ist klar, dass die erschossene Wölfin im Elbe-Seitenkanal versenkt werden sollte. Darauf deuteten eine Metallschlinge und ein beschwerender Gegenstand hin, hieß es.

+++ Kadaver sollte versenkt werden – aber der Plan ging schief +++

Der Kadaver wurde inzwischen zum Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung nach Berlin gebracht worden. Dort untersuchen Experten die Wölfin und bestimmen unter anderem ihr Alter.

Auch zu welchem Rudel sie gehörte, soll herausgefunden werden. Laut Landesjägerschaft gibt es in Niedersachsen 22 nachgewiesene Rudel. Insgesamt dürften demnach mehr als 300 Wölfe im Land leben.

So wird ein toter Wolf im Leibniz-IZW untersucht

Aber wie läuft so eine Sektion ab? Also, der Wolf wird so wie er ist - im Leichensack - im Computertomographen untersucht. Virtopsie nenne man das, erklärt Leibniz-IZW-Sprecher Steven Seet news38.de.

Danach kommt er in die Sektionshalle, der Sack wird geöffnet und der Wolf wird vermessen, gewogen, Parasiten werden gesammelt und das Geschlecht und das Alter werden bestimmt. Der ganze Prozess wird mit Fotos dokumentiert.

Dann wiederum beginnt die eigentliche Sektion. Bei der Sektion werden die Ergebnisse der Viropsie hinzugezogen und unter anderem besonders auffällige Regionen untersucht.

Keine Patrone im Wolfskadaver aus Wittingen gefunden

Bei bestätigtem Verdacht auf illegale Tötung werden beispielsweise Geschosspartikel sichergestellt und der Staatsanwaltschaft übergeben. Laut "Gifhorner Rundschau" wurde in dem Kadaver aus Wittingen aber keine Patrone gefunden.

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Die Zoo- und Wildtierforscher entnehmen außerdem verschiedenen Proben für weitere Untersuchungen im Labor. Am Ende der Sektion werden die für eine Präparation brauchbaren Teile gesichert und den entsprechenden Einrichtungen in den jeweiligen Bundesländern zur weiteren Verwendung übersendet.

Ergebnis erst in einigen Wochen

Der "Rest" kommt dann in die Abdeckerei (Tierkörperbeseitigungsanstalt). Sobald alle Ergebnisse aus den Laboruntersuchungen vorliegen - das kann auch mal vier bis fünf Wochen dauern - wird ein Endbefund erstellt, der dem entsprechenden Bundesland übersendet wird.

Polizei Wittingen hofft auf Hinweise

Im konkreten Fall war der tote Wolf am Sonntagabend im Elbe-Seitenkanal bei Wittingen entdeckt und aus dem Wasser geborgen worden. Die Polizei in Wittingen hofft auf Hinweise, die Nummer lautet 05831/252880.

Grüne in Gifhorn sind erschüttert

Unterdessen haben sich auch die Gifhorner Grünen zu Wort gemeldet. Sie verurteilen die Tat. Einen Wolf zu erschießen sei kein Kavaliersdelikt. "Die hier offensichtlich gewordene Kriminalität durch Abschuss und dem Versuch des Verschleierns der Straftat macht wirklich sprachlos", so Grünen-Sprecher Henrik Werner.

Man könne nicht zulassen, dass ungestraft Selbstjustiz geübt wird. "Die Aufklärungsquote bei solchen Taten ist hingegen erschütternd gering. Wir hoffen, dass die Polizei durch die DNA-Analyse und damit verbundene Rückschlüsse auf den Tatort die Täterin oder den Täter schnell findet."