Gifhorn 

Gifhorn: „Und wir lachten sogar, laut und viel“ – Karla und Stefan erzählen, wie es ist, sterbende Menschen zu begleiten

Karla und Stefan engagieren sich ehrenamtlich als Sterbebegleiter im Kreis Gifhorn. Für sie ist es wichtig, den Menschen Halt zu geben, ihnen Zeit zu schenken und für sie da zu sein. (Symbolbild)
Karla und Stefan engagieren sich ehrenamtlich als Sterbebegleiter im Kreis Gifhorn. Für sie ist es wichtig, den Menschen Halt zu geben, ihnen Zeit zu schenken und für sie da zu sein. (Symbolbild)
Foto: dpa/Daniel Reinhardt

Gifhorn. Eine haltende Hand, ein offenes Ohr, ein Lächeln, gemeinsame Zeit und das Wissen, dass da jemand ist, zu jeder Zeit, und bis zum Schluss... Menschen, die lebensbedrohlich krank sind, wünschen sich oftmals genau das. Und dann wiederum gibt es Menschen, die bereit sind, ihnen eben das zu schenken: Ehrenamtliche Sterbebegleiter. So wie Karla Feldmann und Stefan Mühlstein aus dem Landkreis Gifhorn.

Sie wissen: Wenn Menschen an lebensbedrohlichen oder lebensverkürzenden Krankheiten leiden, dann gerät das gesamte, bisherige Leben durcheinander. „Kein Stein bleibt auf dem anderen“, erzählen Karla und Stefan.

Gifhorn: Karla und Stefan begleiten Menschen bis zu ihrem Tod

„Nichts ist mehr wie gestern, nichts ist mehr so, wie man es sich wünscht“, und genau in diesen Momenten wollen Karla und Stefan den Menschen Halt geben. „Aus großer Dankbar und großer Verantwortung heraus möchten wir etwas zurückgeben, einfach nur helfen, hinschauen, zuhören und Zeit schenken.“

Und sie stehen nicht nur den Sterbenden zur Seite, sondern auch den Hinterbliebenen. Deshalb haben sie eine ganz besondere Ausstellung auf die Beine gestellt, die vor allem ein Ziel hat: Der Trauer ein Bild geben! Denn in der Ausstellung werden Trauer-Tattoos gezeigt. Von Menschen, die einen geliebten Menschen verloren haben und somit an ihn erinnern wollen.

Trauer-Tattoo-Ausstellung soll der Trauer ein Bild geben

Sie bietet Platz für Bilder der Tattoos, Erinnerungen an die Verstorbenen und für die Geschichten der Hinterbliebenen. Vom 8. Februar bis zum 11. Februar kannst du die Ausstellung „Ich trage dich unter meiner Haut“ im Mehrgenerationshaus Gifhorn im Steinweg 20 besuchen.

Dort wird zum Beispiel Iris Geschichte erzählen. Die Geschichte, wie sie ihre Mama verlor und wie ihr nun ein Tattoo Kraft und Halt gibt. Warum sie nun immer ein bestimmtes Café im Harz besucht, um sich an ihre Mutter zu erinnern und wieso sie so häufig das Lied „Whiskey in the jar“ hört, wenn sie nach Gifhorn fährt.

Es sind eben jene Geschichten, die auch Karla und Stefan immer wieder daran erinnern, wie wertvoll ihre Arbeit ist – und vor allem, wie wichtig. Karla Feldmann (43) ist seit 2017 ehrenamtlich als Sterbebegleiterin bei der Hospizarbeit Gifhorn tätig.

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Zunächst hat sie die Ausbildung zum Begleiten Erwachsener gemacht. Doch schnell war für sie klar, dass sie auch Kinder begleiten möchte. „Die Zusatzqualifikation lag mir sehr am Herzen, da ich selber schon früh in meiner Kindheit einen Verlust verarbeiten musste und mir damals Unterstützung bei der Trauerbewältigung gewünscht hätte“, erzählt die 43-Jährige.

Stefan: „Wir lachten sogar, laut und viel“

Auch Stefan Mühlstein begleitet seit sechs Jahren Erwachsene und Kinder. Für ihn war schnell klar, dass er sich engagieren möchte. „Als unsere Kinder erwachsen und damit selbstständiger wurden, wollte ich was Sinnvolles machen und unserer Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt Stefan. Und auch er bekommt etwas zurück. Erlebnisse und Erinnerungen, die für immer bleiben.

So auch an eine Frau, die er auf ihrem letzten Weg begleitet hat. Beide hätten bereits bei ihrem ersten Treffen eine große Verbundenheit gespürt. Eine Ebene, die Vertrauen geschaffen hat. Stefan erinnert sich gern an sie zurück: „Wir lachten sogar, laut und viel.“ Gemeinsam hätten sie alltägliche Situationen gemeistert, aber auch sehr emotionale.

So habe die Frau ein schwieriges Verhältnis zu ihren drei Söhnen gehabt. Stefan hat sie dabei unterstützt, den Kontakt wieder herzustellen. Zum Schluss waren er und ihre drei Söhne stets an ihrer Seite im Hospiz.

Die Trauertattoo-Ausstellung

  • Wann: findet vom 8. bis zum 11. Februar statt
  • Wo: Mehrgenerationshaus Gifhorn, Steinweg 20
  • Öffnungszeiten: Am 8. und 9. Februar von 10 bis 16.30 Uhr, am 10. Februar von 9.30 bis 16.30 Uhr, am 11. Februar von 9.30 bis 14 Uhr
  • Was: zeigt Bilder der Wanderausstellung „Convela“, ergänzt durch Bilder und Geschichten von Menschen aus der Region

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Trauer und Hospizarbeit sollen keine Tabu-Themen sein

Bis heute trägt er diese Erinnerung in seinem Herzen. Sie zeigt ihm, dass es sich lohnt, mutig zu sein statt ängstlich. Sich nicht vor dem Tod zu verschließen und doch lieber die Hand des anderen zu nehmen. „In Gemeinschaft entsteht Menschlichkeit, Mitgefühl und Nächstenliebe“, da sind sich Karla und Stefan sicher.

Trauer und Hospizarbeit, das sollten ihrer Meinung nach keine Tabu-Themen sein. Auch deshalb sei die Ausstellung wichtig. Die Wanderausstellung „Convela“ wird dabei durch Fotos und Geschichten von Menschen aus der Region ergänzt. Und am Eröffnungstag am 8. Februar soll es auch noch eine Besonderheit geben. Denn dann könnten Besucher sich sogar selbst ein kleines Tattoo stechen lassen. Die Einnahmen sollen dann der Hospizarbeit Gifhorn gespendet werden.