Gifhorn 

Gifhorn: Dieser Film erschüttert – „Kann ich deine Kehle f...?“

Christoph Rohrscheidt
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Gifhorn. Sie stehen am Waldrand oder auf Parkplätzen an Bundesstraßen: Sogenannte Lovemobile gehören fast schon zum Landschaftsbild in Niedersachsen – sei es bei Gifhorn, Wolfsburg oder Peine. In jedem Campingwagen wartet eine Prostituierte, viele von ihnen kommen aus Osteuropa oder sogar Afrika.

Der Dokumentarfilm „Lovemobil“, der am Montag Kinopremiere in Hannover feierte, erzählt von dem Alltag zweier junger Frauen, die ihren Körper gegen Geld anbieten – ohne sie dabei zu verurteilen.

Gifhorn: Für den „Lovemobil“ Film brauchst du Mut

Die Prostituierten Rita und Milena sehnen sich nach ihrer Familie, ekeln sich vor manchen Freiern und träumen von einem besseren Leben.

„Die Frauen sitzen dort nicht angekettet, aber sie sind auch nicht freiwillig da. Sie sind in einer Zwischenwelt gefangen“, sagte Regisseurin Elke Margarete Lehrenkrauss.

„Nicht nur ein Film über Prostitution“

„Es ist nicht nur ein Film über Prostitution. Es geht um Machtstrukturen und Kapitalismus“, betonte die aus Gifhorn stammende Filmemacherin. Sie verzichtet ganz bewusst auf sexistische oder voyeuristische Bilder.

Ihre gesamte Kindheit und Jugend sei sie an den Wohnmobilen in ihrer Heimat vorbeigefahren, habe sich immer gefragt, was darin vor sich geht, sagte sie dem „Spiegel“.

Jetzt gibt sie selbst einen Teil der Antwort. Ohne Drehbuch. Vier Jahre lang hat sie für ihren Debütfilm gebraucht. Drehorte waren die B188, die B4 und die B214.

„Kann ich deine Kehle ficken?“

Ganz unverpixelt und bereitwillig sind auch die Freier zu sehen, die Frage stellen wie: „Kann ich deinen Kopf nehmen, ihn runterdrücken und deine Kehle ficken?“ Rita lässt es über sich ergehen, für 100 Euro.

Neben Rita aus Nigeria und Milena aus Bulgarien wird die ehemalige Prostituierte Uschi porträtiert, die die abgestellten Wohnmobile für 70 Euro am Tag an die nach Deutschland gekommenen Frauen vermietet.

„Zum Teil wissen sie nicht, wie gefährlich es ist“, sagte Lehrenkrauss – auch mit Blick auf die getöteten Prostituierten in Hohenhameln und Wolfsburg. Beide Morde passierten während der Drehzeit. Einer ist immer noch nicht aufgeklärt.

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Rita und Milena haben Deutschland inzwischen wieder verlassen – wo sie sind und wie es ihnen geht ist unbekannt.

Filmfestivals feiern „Lovemobil“

„Lovemobil“ wurde bereits auf internationalen Festivals gefeiert. Im März sollte er läuft er auch bei uns in den Kinos laufen, allerdings wurden die Termine zunächst abgesagt – wegen des Coronavirus.

  • 06.03.2020 19.00 PEINE - Astoria-Theater
  • 08.03.2020 11.00 WITTINGEN - Lichtspiele
  • 16.03.2020 19.00 BRAUNSCHWEIG - Universum Filmtheater
  • 21.03.2020 11.00 BRAUNSCHWEIG - Universum Filmtheater

Ob der Film wie geplant in Braunschweig laufen wird, ist noch unklar.

(ck/dpa)