Gifhorn 

Gifhorn: Steuerzahler-Frust wegen einer „Brücke, die keiner kennt und niemand braucht“

Die Napoleonsbrücke in Gifhorn hat es ins Schwarzbuch vom Bund der Steuerzahler geschafft.
Die Napoleonsbrücke in Gifhorn hat es ins Schwarzbuch vom Bund der Steuerzahler geschafft.
Foto: Bund der Steuerzahler

Gifhorn. Eine historische Bogenbrücke sorgt für Aufruhr in Gifhorn. Eigentlich gar nicht so sehr IN Gifhorn, sondern vielmehr versteckt in einem Waldstück in der Nähe der Stadt.

Der Stein des Anstoßes: 200.000 Euro wanderten in die Sanierung des 200 Jahre alten Bauwerks, eine „Brücke, die keiner kennt und niemand braucht“, meint der „Bund der Steuerzahler (BdSt)“ – und nimmt sie daher in sein Schwarzbuch der Steuerverschwendung auf!

Gifhorn: Diese Brücke sorgt beim Bund der Steuerzahler für Kopfschütteln

Und das steckt dahinter: Der Fluss, über den die Brücke führte, sei versiegt, und Wanderer verirrten sich nur selten in das Gebiet. Weil die Brücke aus Bruchsteinmauerwerk unter Denkmalschutz stehe, sei die Stadt zwar zum Erhalt der Brücke verpflichtet.

Bei der Umsetzung der Maßnahmen sei sie jedoch „deutlich über das Ziel hinausgeschossen“, schreibt Jan Vermöhlen vom BdSt. Er kritisiert, dass die Stadt sich statt des günstigeren „rein denkmalschutzgerechten Erhalts“ dafür entschieden habe, die Brücke wieder „erlebbar“, also begehbar zu machen. Dazu wurden Statik- und Sicherheitsmaßnahmen notwendig, etwa ein Geländer direkt neben dem historischen Geländer.

BdSt: Sanierung sei „besonders ärgerlich“

„Besonders ärgerlich“ an der Sanierung sei laut Vermöhlen:

  • die Napoleonsbrücke werde „von so gut wie niemandem genutzt wird“, da sie an einer Sackgasse ende
  • der Wasserlauf sei längst „nur noch ein kleiner Tümpel“
  • „Die wenigen Fahrradfahrer und Fußgänger, die sich in das Waldstück verirren, [können] ebenso gut den Weg benutzen können, der schon seit vielen Jahren unmittelbar neben der Brücke verläuft.“

Stadt Gifhorn schießt zurück: „bedauerlich“

Annette Siemer, Stadtsprecherin in Gifhorn, ist mit den Vorwürfen nicht einverstanden und stellt klar: „Es ist bedauerlich, dass der Autor des Beitrages immer noch von einer Sackgasse spricht, obwohl wir bereits vor Monaten klargestellt haben, dass die Brücke nicht in einer Sackgasse endet, sondern in ein Wanderwegenetz eingebunden ist.“

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Sie kritisiert außerdem, dass an keiner Stelle des Beitrags erwähnt werde, wie sich die Kosten der Brücke zusammensetzen: „Dass nämlich der Hauptanteil der Kosten, 155 000 Euro, der denkmalgerechten Sanierung unter Verwendung historischer Baumaterialien geschuldet ist, zu der wir als Kommune verpflichtet waren.“

So setzen sich die Kosten für die Sanierung der Napoleonsbrücke zusammen

Hinzu kämen Kosten für das Gutachten, Planungskosten in Höhe von 28000 Euro und das zusätzliche Holmgitter für 17 000 Euro. „Zu behaupten, dass die Brücke mit weniger Geld hätte ebenso fachgerecht saniert werden können, entspricht nicht der Expertenmeinung, die wir uns eigens von neutraler dritter Stelle eingeholt haben.“

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Als „sehr bedauerlich“ bezeichnet Siemers außerdem, „dass ein aus fachlicher und denkmalpflegerischer Sicht hervorragend saniertes Baudenkmal ins lächerliche gezogen und als 'ärgerliche Sanierung' bezeichnet wird.“

Aus diesem Grund ist die Brücke historisch wertvoll

Es handele sich bei der Brücke schließlich um ein einmaliges technisches Baudenkmal aus vorindustrieller Zeit.

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Als solches dazu noch bedeutungsträchtig: „Die Brücke war Teil der früheren Salzstraße zwischen Braunschweig und Lüneburg und war eine der wichtigsten Straßenverbindungen im norddeutschen Raum.“

Das mache sie zu einer touristischen Sehenswürdigkeit, die während einer Wanderung oder einer Radtour besichtigt werden könne. (vh)