Harz 

Inklusion in der Jugendherberge? Funktioniert super in Goslar

In der Küche der Jugendherberge Goslar, Astrid Hehlgans sitzt vorne ganz rechts. In der Mitte steht Uwe Wemken (mit Spitzbart) und links daneben Uwe Rump-Kahl.
In der Küche der Jugendherberge Goslar, Astrid Hehlgans sitzt vorne ganz rechts. In der Mitte steht Uwe Wemken (mit Spitzbart) und links daneben Uwe Rump-Kahl.
Foto: DRK

Goslar. Die Jugendherberge in Goslar entwickelt sich mehr und mehr zu einem Vorreiter, was die Umsetzung einer UN-Konvention angeht. "Artikel 27 Absatz 1 fordert für Menschen mit Behinderung, sie sollen ihren Lebensunterhalt durch Arbeit verdienen können, in einem offenen und integrativen Arbeitsmarkt", erklärt Frank Hehlgans. Er ist Vorsitzender des Goslarer Vereins "Erik" (Eltern für regionale Inklusionskonzepte) und hat in der Jugendherberge einen perfekten Partner gefunden.

Menschen mit Behinderung schaffen besondere Arbeitsatmosphäre

Die Jugendherberge am Rammelsberg führt Regionalleiter Uwe Wenken – und der ist ganz begeistert von der Idee, inklusive Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen. "Wir haben festgestellt, dass durch ihren Einsatz eine ganz andere Arbeitsatmosphäre entsteht", sagt er.

So sei ein ganz neues Wir-Gefühl entstanden. "Alte Strukturen wurden aufgebrochen, weil wir viele Arbeitsabläufe auf den Prüfstand stellen mussten. Und dadurch hat das ganze Team profitiert."

Erste Arbeitsverträge

Vor allem, seit die Zusammenarbeit kürzlich auf eine neue, professionelle Basis gestellt wurde. Praktikanten mit Behinderung gibt es mehrere in der DJH, aber nun wurde ein festes Arbeitsverhältnis geschlossen: Astrid Hehlgans ist nun sozialversicherungspflichtig in der Küche beschäftigt. "Damit geht ihr größter Wunsch in Erfüllung", sagt Uwe Rump-Kahl. Er ist als Geschäftsführer für die Inklusionsbetriebe und den Fachdienst zur beruflichen Eingliederung des DRK-Kreisverbandes Wolfenbüttel verantwortlich und begleitet die heute 22-Jährige schon seit vielen Jahren.

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"Anders ging es nicht", erklärt er rückblickend. Bis der Meilenstein "Arbeitsvertrag" möglich wurde, sei ein langer Atem nötig gewesen. "Wir mussten unheimlich viele Entscheider mit ins Boot holen." Der engagierte Elternverein Erik allein habe nichts bewirken können, und auch die Hilfen von Uwe Wenken wären verpufft, wenn nicht der DJH-Landesverband und eine Reihe von Behörden – nach langwierigen Interventionen – mitgespielt hätten.

Nachmachen? ja, gerne!

Nun aber ist das Pilotprojekt gestartet und soll baldmöglichst viele Nachahmer finden. "Ich bin sicher, dass sich die Idee von Herbergen als Inklusionsbetrieben schnell im ganzen Land verbreitet", glaubt Hendrik Menze, Vertrauensperson der Schwerbehinderten Menschen im DJH-Landesverband. "Durch die Umsetzung des Projekts hier in Goslar haben sich die Rahmenbedingungen schlagartig verbessert."

Mittlerweile habe der fortschrittliche Ansatz sogar schon Eigendynamik entwickelt: Inklusions-Schulklassen kämen verstärkt nach Goslar, und sein Haus werde zur Anlaufstelle für Familien mit behinderten Angehörigen. "Ich habe aber noch weitere Ideen in petto", erzählt er schmunzelnd und nennt erstmal nur den Plan eines Inklusionsspielplatzes auf der Wiese des Rammelsbergs. (mvg)