Harz 

Urteil in Goslar: Gehörloser Junge darf taub bleiben

Dürfen Eltern ablehnen, dass ihrem gehörlosen Kind ein Hör-Implantat eingesetzt wird? Das Gericht in Goslar sagt: Ja (Symbolbild).
Dürfen Eltern ablehnen, dass ihrem gehörlosen Kind ein Hör-Implantat eingesetzt wird? Das Gericht in Goslar sagt: Ja (Symbolbild).
Foto: imago/CHROMORANGE

Goslar. Gehörlose Eltern aus Goslar müssen ihrem ebenfalls gehörlosen Kind keine Hörprothese implantieren lassen. So hat es das Familiengericht in Goslar jetzt entschieden. Vorausgegangen war ein langer juristischer Streit.

In der Begründung beruft sich das Gericht aufs Grundgesetz. Danach dürfen Eltern darüber entscheiden, wie ihr Kind gefördert wird – solange das "keine schwerwiegende Nachteile für das Kind befürchten lasse".

Klinikum Braunschweig schaltet Jugendamt ein

Das Klinikum Braunschweig hatte dem gehörlosen Paar empfohlen, seinem inzwischen drei Jahre alten Sohn ein sogenanntes Cochlea-Implantat einsetzen zu lassen.

Die Eltern lehnten das ab. Darin sah die Klinik das Kindeswohl in Gefahr und meldete den Fall beim Jugendamt, das wiederum das Familiengericht hinzuzog.

Eltern können Kind nicht das Sprechen beibringen

Den Richtern ging es im Urteil weniger um die Risiken der Operation; vielmehr könne der Eingriff "nicht den gewünschten Erfolg erzielen", weil die gehörlosen Eltern dem Kind nicht das Sprechen beibringen könnten.

Richter befürchten Loyalitätskonflikt

Weil die Eltern das Cochlea-Implantat ablehnten, sei eine gezielte Sprachtherapie schwer zu realisieren. "Diese ablehnende Haltung könnte das Kind emotional spüren und in einen erheblichen das Kindeswohl gefährdenden Loyalitätskonflikt geraten", heißt es im Urteil.

Die Eltern hatten bis zuletzt betont, nur das Beste für ihren Sohn zu wollen – für sie ist es die Gebärdensprache, die in ihren Augen auch eine vollwertige Sprache darstellt. (ck)