Harz 

Tödliche Explosion im Harz: Polizei mit neuen Details zum Todesopfer († 78)

In Blankenburg im Harz hat es eine heftige Explosion gegeben.
In Blankenburg im Harz hat es eine heftige Explosion gegeben.
Foto: Matthias Bein/dpa
  • Explosion in einem Mehrparteienhaus in Blankenburg im Harz
  • 15 Menschen werden verletzt, ein 78-Jähriger verstirbt
  • Auslöser waren wohl Gasflaschen in der Wohnung des Verstorbenen

Blankenburg. In Blankenburg im Harz hat es eine tödliche Explosion gegeben. „Eine Person wurde bei der Detonation getötet. Sie befand sich in der Wohnung, in der die Explosion ausgelöst wurde", sagte Polizeisprecher Uwe Becker gegenüber news38.de.

Am Samstag bestätigt die Polizei: Bei dem Toten handelt es sich um den 78-jährigen Mieter der Wohnung. Seine Ehefrau erlitt schwere Verletzungen und musste in ein Krankenhaus geflogen werden.

Die Ursache für das Unglück werde weiterhin untersucht. Auch am Samstag gehe man weiterhin davon aus, dass Gasflaschen zur Explosion führten. In der Wohnung seien auch passende Geräte zum Heizen gefunden worden.

Explosion im Harz: Polizei korrigiert Verletzten-Zahl

Zur Zahl der Verletzten gab es zunächst unterschiedliche Angaben. Anfangs war von 25 Verletzten die Rede, später korrigierten die Verantwortlichen sich mehrfach.

Am frühen Nachmittag hieß es von der Polizei, zwei Bewohner seien mit Brandverletzungen in ein Spezialkrankenhaus nach Halle geflogen worden. Zudem erlitten demnach drei Bewohner schwere und zehn leichte Verletzungen. Vier Polizisten zogen sich beim Rettungseinsatz Rauchvergiftungen zu.

Menschen liegen bewusstlos auf der Straße

Die Explosion hatte sich am Freitag gegen 8.55 Uhr in einem Mehrfamilienhaus im Norden von Blankenburg ereignet, offenbar in einer Wohnung im ersten Geschoss.

Die Feuerwehr war am Vormittag zu einem „Massenanfall von Verletzten“ gerufen worden. Beim Eintreffen der Feuerwehr lagen drei Menschen augenscheinlich bewusstlos vor dem Haus, wie Einsatzleiter Alexander Beck von der Freiwilligen Feuerwehr sagte.

Bilder zeigten eine große Rauchwolke sowie Flammen, die aus einem Fenster schlagen. Glassplitter und Trümmerteile liegen vor dem fünfgeschossigen Wohnhaus. Rußspuren ziehen sich die Fassade hoch.

Augenzeugin: Ein Mann rief „Helfen Sie mir, retten Sie mich“

Augenzeugen berichten von dramatischen Szenen. „Ich zittere jetzt noch“, sagt eine 63 Jahre alte Frau von ihrem Balkon aus rund zwei Stunden nach der Explosion. Die Erschütterung habe sie genau gespürt.

„Da kam lauter schwarzer Qualm. Es hat auch nicht lange gedauert, da kamen die Stichflammen“, erinnert sich die 63-Jährige. Einen älteren Mann habe sie rufen hören: „Helfen Sie mir, retten Sie mich!“

Auch weitere Anwohner warten auf Antworten. Viele Wohnungen seien wochenlang nicht bewohnbar, teilte die Blankenburger Wohnungsgesellschaft mit. „Wir stehen vor dem nichts“, sagte Bewohnerin Manuela Brüst am Freitagabend. Sie habe in einer der besonders stark betroffenen Wohnungen gelebt. „Ich habe auch noch eine pflegebedürftige Mutter, die wollte ich heute rüber holen.“

„Zum Glück“ sei sie am Morgen aber auf der Arbeit gewesen. Sie wolle nun wenigsten ein paar Sachen aus der Wohnung holen. „Und wenn ich die 20-mal durchwaschen muss. Was man hat, hat man.“

Wie die Polizei Harz berichtet, sei außerdem eine Frau aus dem Fenster gesprungen, um sich zu retten. Eine Frau und zwei Männer hatten sie aufgefangen.

Vermisste Person gefunden

Mittlerweile sei das Gebäude auch statisch komplett abgesichert worden. Alle betroffenen Wohnungen könnten zumindest kurzfristig in Begleitung von Polizei und Feuerwehr betreten werden, um das Nötigste mitzunehmen. In dem Block seien rund 50 Bewohner gemeldet. Zurzeit werde gemeinsam mit der Blankenburger Wohnungsgesellschaft nach Lösungen für die Bewohner gesucht.

Am Freitagabend warteten Anwohner noch auf Antworten. Viele Wohnungen seien wochenlang nicht bewohnbar, teilte die Blankenburger Wohnungsgesellschaft mit.

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Explosion wohl durch Flüssiggas ausgelöst

Derzeitigen Erkenntnissen zufolge wurde die Explosion durch Flüssiggas ausgelöst. In der betroffenen Wohnung fanden die Beamten mehrere Flaschen mit Flüssiggas.

Wie der Hauseigentümer bestätigt, wird das Objekt mit Fernwärme versorgt. Gerüchten, dass sich Weltkriegsmunition in der Wohnung befunden haben soll, widersprach die Polizei.

Spreng-Spezialisten des Landeskriminalamtes aus Magdeburg sowie Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes unterstützen die Ermittlungen am Unglücksort.

Spenden-Aktion geplant für die Opfer

Der Sachschaden sei immens, aber noch nicht zu beziffern, hieß es. Es sei geplant, für die Betroffenen der Explosion Spenden zu sammeln, kündigte der Blankenburger Bürgermeister weiter an.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und Innenminister Holger Stahlknecht (beide CDU) dankten den Rettungskräften für den professionellen Einsatz. „Meine Gedanken sind bei den Opfern und bei ihren Angehörigen“, so Haseloff.

Am späten Nachmittag gab die Polizei außerdem bekannt, dass ein Ermittlungsverfahren wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion eingeleitet wurde. (mb/ck/dpa)