Helmstedt 

Junge Friseurin aus Saalsdorf verliert zwei Finger: So kämpft sie sich zurück in den Alltag

  • Junge Friseurin verliert bei Unfall Teile von zwei Fingern.
  • Zunächst war nicht klar, wer die Behandlungskosten übernehmen muss.
  • Krankenkasse ist erschüttert.

Bahrdorf. Eigentlich wollte Sarina aus Saalsdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Bahrdorf, nach ihrer Elternzeit wieder voll durchstarten und zurück in ihren alten Beruf als Friseurin gehen. Doch dann veränderte ein schrecklicher Unfall das gesamte Leben der jungen Frau – und damit auch das ihrer Familie.

Unfall im eigenen Garten

Bei Sägearbeiten im heimischen Garten in Saalsdorf geriet die 32-Jährige mit zwei Fingern der linken Hand in das Sägeblatt. "Der Moment, in dem ich in die Maschine geraten bin, fehlt mir komplett", erklärt die junge Mutter im Gespräch mit news38.de. Was danach passierte, weiß sie allerdings noch genau.

Ab nach Magdeburg

Sarina wurde mit dem Hubschrauber in die Uniklinik nach Magdeburg gebracht, dort wurde die Hand versorgt. Ab dann sei der Streit mit der Techniker Krankenkasse losgegangen, erklärt Sarina. Die junge Friseurin hatte eine Prothese, eine sogenannte Epithese, für ihre Finger beantragt, die ihr die das Arbeiten wieder ermöglichen soll. Kostenpunkt: Etwa 5.500 Euro.

Die Krankenkasse hatte diesen allerdings telefonisch abgelehnt. Die Begründung: Es sei gesetzlich geregelt, dass die Krankenkasse derartige Fälle nicht und wenn dann nur in Einzelfällen übernehmen müsse.

Rentenversicherung zahlt

Erst später stellten die Sachbearbeiter fest, dass sie doch nicht hätten zahlen müssen, da das Beschäftigungsverhältnis bereits gekündigt worden sei. Doch Sarina hat dennoch Glück: Die Rentenversicherung räumt ein, einen Fehler gemacht zu haben und will die Kosten für die Prothese dennoch einmalig übernehmen.

Wenn dann allerdings in zwei Jahren ein neues Modell fällig wird, befürchtet Sarina einen ähnlichen Kampf mit den Versicherungen. Deshalb hat die 32-Jährige schon heute einen Entschluss gefasst: "Wir werden die Krankenkasse auf jeden Fall wechseln", erzählt sie. "Bei denen darf man einfach nicht krank werden, dann hat man verloren".

Finger haben wichtige Funktion

Besonders entsetzt war Sarina noch über einen Nebensatz, der ihr gegenüber in einem Telefongespräch gefallen sei. "Wäre es der Daumen gewesen, dann wäre eine Erstattung kein Problem gewesen", habe man ihr gesagt.

Die übrigen Finger hätten nach Ansicht der Krankenkasse keine Funktion. "Für mich als Friseurin haben aber nun einmal genau diese beiden Finger eine wichtige Funktion."

"Ich verstehe nicht, warum die Kundenbetreuer so mit mir umgegangen sind." In den Gesprächen habe es immer an Mitgefühl oder Verständnis gefehlt, obwohl man doch bei einer Krankenkasse erwarten könne, dass wenigstens mit Respekt mit den eigenen Kunden kommuniziert werde.

Krankenkasse erschüttert

Die Techniker Krankenkasse reagierte erschüttert, als news38.de sie mit den Vorwürfen konfrontierte. Ein Sprecher der Krankenkasse erklärte im Gespräch: "Wir versuchen für unsere Kunden immer umzusetzen, was für uns möglich ist." In diesem Fall sei jedoch die rechtliche Grundlage eindeutig gewesen. Sobald für einen Patienten die Gefahr droht, den eigenen Beruf nicht mehr ausüben zu können, sei dies ein Fall für die Rentenversicherung.

Entschuldigung der Versicherung

Das betreffende Telefonat sei laut Angaben des TK-Sprechers äußerst unglücklich verlaufen. "Dafür haben wird uns entschuldigt." Der Mitarbeiter habe der Kundin lediglich die rechtliche Grundlage verdeutlichen wollen. Vermutlich habe man sich dann in der Ausdrucksweise vergriffen. Er erklärte auch, dass gesetzlich festgehalten sei, dass ein Teilverlust von Fingern, so wie in Sarinas Fall grundsätzlich noch keine Behinderung im Sinne des Sozialgesetzbuches darstelle.

Sarina geht es heute wieder den Umständen entsprechend gut. Mittlerweile wurden bereits erste Abdrücke für die Epithese angefertigt. Der nächste Termin steht dann auch schon in der kommenden Woche an.