Helmstedt 

Königslutter: Spielende Kinder haben Angst um ihr Leben – und schreiben einen rührenden Brief

Foto: Nadine Neumann

Königslutter. Die Nordstraße in Königslutter am Elm ist offiziell eine 30er-Zone. Dennoch fürchten dort sowohl die spielenden Kinder als auch ihre Eltern um ihr Leben.

„Die Leute fahren hier wie die besengten Säue“, sagt Nadien Neumann (43). Sie wohnt mit ihrer Familie seit 2013 an der Nordstraße. Und sie sieht täglich, dass dort nicht nur gerast wird: „In der Kurve fahren die Autos sehr oft über den Bürgersteig, der zwar gepflastert ist, aber auf Straßenebene liegt.“

Königslutter: Autofahrer rasen durch Nordstraße und gefährden Kinder

Zudem werde die Straße als Abkürzung zwischen Elmstraße und Renne genutzt, von Paketdiensten zum Beispiel. Und gefährdet sind laut Nadine Neumann nicht nur die Kinder, die an der Straße wohnen. Auch alle, die zum Spielplatz an der Nebenstraße laufen. Oder zum Kindergarten.

Bisherige Versuche, die Stadt dazu zu bewegen, aus der Nordstraße eine Spielstraße zu machen, seien gescheitert. Auch selbst aufgestellte Schilder, die auf spielende Kinder hinweisen, würden von den Autofahrern einfach ignoriert.

Kinder der Nordstraße schreiben Brief an Bürgermeister

Jetzt haben die Kinder der Nordstraße die Sache selbst in die Hand genommen. Am Freitag überlegten sich Neumanns Tochter Marie (8) mit ihren gleichaltrigen Freundinnen Lena und Lara aus der Nachbarschaft, dem Bürgermeister einen Brief zu schreiben.

„Lieber Bürgermeister, wir bitten Sie (die Kinder und Erwachsenen), dass die Nordstraße zur Spielstraße wird, weil so viele Autos richtig schnell langfahren und keine Rücksicht nehmen“, heißt es dort.

Nachbarn sollten alle unterschreiben

Sodann klingelten die Mädchen bei allen Nachbarn und baten sie, den Brief zu unterschreiben. Auch Nadine Neumann wurde mit der Bitte überfallen, zu unterschreiben. Die Leiterin eines Hofladens in Braunschweig fand die Idee so toll, dass sie kurzerhand ein Foto von dem Brief machte und dieses in der (geschlossenen) Facebook-Gruppe „Du kommst aus Königslutter, wenn...“ teilte.

Dabei soll es jedoch nicht bleiben. Die Kinder sind fest entschlossen, den Brief ins Rathaus zu schicken. Bis dahin wollen sie aber erst noch ein paar Unterschriften mehr sammeln.