Helmstedt 

Stute im Landkreis Helmstedt sexuell missbraucht – Sexualtherapeut: So ticken Zoophile

In Büddenstedt im Landkreis Helmstedt hat ein Unbekannter eine Stute sexuell misshandelt. Wir haben mit einem Sexualtherapeuten über das Thema "Sex mit Tieren" gesprochen (Symbolbild).
In Büddenstedt im Landkreis Helmstedt hat ein Unbekannter eine Stute sexuell misshandelt. Wir haben mit einem Sexualtherapeuten über das Thema "Sex mit Tieren" gesprochen (Symbolbild).
Foto: imago images / Panthermedia

Büddenstedt. Vor gut einer Woche sorgte der Fall einer sexuell missbrauchten Stute aus dem Landkreis Helmstedt für Schlagzeilen. Der 17-jährigen "Grace" aus Büddenstedt geht es inzwischen besser – zumindest körperlich, wie ihre Besitzerin den "Helmstedter Nachrichten" erzählt.

Die äußerlichen wie innerlichen Hämatome bei der Stute seien mit einer schweren Fohlengeburt vergleichbar gewesen. Der Täter muss bei seiner abscheulichen Tat also sehr gewaltsam gegen das Pferd vorgegangen sein.

+++ Abscheuliche Tat im: Unbekannter soll Stute sexuell missbraucht haben +++

Aber wieso gibt es überhaupt Menschen, die auf Sex mit Tieren stehen? Da gebe es drei Varianten, erklärt Sven Fritz im news38.de-Interview. Der Braunschweiger ist Sexualtherapeut und -wissenschaftler.

Zoophilie - es gibt drei Ausprägungen

Die so genannte Zoophilie, auch Sodomie genannt, gehört zu den Paraphilien – also zu den sexuellen Neigungen, die deutlich von der Norm abweichen. Im Grunde sei Zoophilie vergleichbar mit Pädophilie.

Eine betroffene Gruppe bezieht ihre Sexualität einzig auf Tiere. "Wenn jemand nur auf Tiere fixiert ist und im Kern seine Sexualität nur mit Tieren ausleben kann, dann kann man da eigentlich wenig machen", sagt Fritz.

In diesem Fall müsse das Ziel sein, demjenigen begreiflich zu machen, "dass das aus moralischen, gesellschaftlichen und auch aus rechtlichen Gründen nicht geht." Letztendlich bedeute das für den Betroffenen, dass er seine Sexualität, die er von Natur aus hat, nicht ausleben kann und sich irgendwo eine Ersatzbefriedigung suchen müsse – was extrem schwer sei.

"Diese rote Linie darf ich nicht überschreiten"

"Er muss Strategien entwickeln, wo er steuerungsfähig bleibt und erkennt: 'Stopp, hier ist eine Grenze. Diese rote Linie darf ich nicht überschreiten'", erklärt der Sexualtherapeut.

Eine andere Version der Zoophilie sei die Ersatzbefriedigung. Hiervon seien Menschen betroffen, denen es wegen irgendwelcher Defizite nicht gelinge, eine normale sexuelle Beziehung zu Menschen aufzubauen. "Dann nehmen sie halt Tiere als Ersatzsubjekte", so Fritz. Diese Neigung sei schon eher therapierbar.

Ein großer Kreis der Betroffenen handle aber auch aus sadistischen Gründen: "Es gibt leider Menschen, denen es Lust bereitet, zu erleben, wie sie Tiere durch Missbrauch quälen", sagt der Therapeut . Sadismus sei eng verknüpft mit Persönlichkeitsstrukturen, die wiederum sehr schwer zu verändern seien.

Zoophilie komme häufiger vor als man denkt, sagt Fritz. Die Dunkelziffer sei wohl enorm. Forscher sagen, dass etwa fünf Prozent aller Männer und zweieinhalb Prozent der Frauen betroffen sind. "Das wiederum finde ich aber zu hoch", so Fritz.

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Und weiter: "Im Gegensatz zur Pädophilie gibt es bei der Zoophilie auch einen signifikant hohen Anteil von Frauen, allerdings kaum bei der sadistischen Ausprägung." Gleichzeitig gebe es auch noch Menschen, die eine aus ihrer Sicht romantische Liebesbeziehung zu Tieren aufbauen.

"Das kann mit Sex zu tun haben, muss aber nicht", erklärt der Sexualwissenschaftler aus Braunschweig. In letzter Zeit komme komme das immer häufiger vor. Die Betroffenen gingen immer selbstbewusster damit um. "Sie sehen das als eine Form von Sexualität – da kann man aber auch sehr geteilter Meinung sein", so Fritz.

Stute im Landkreis Helmstedt schwer verletzt

Im Falle der sexuell misshandelten Stute "Grace" aus Büddenstedt hat die Besitzerin Strafanträge gegen Unbekannt gestellt – wegen Sachbeschädigung und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.

Es werden nach wie vor Zeugen gesucht. Zur Tat kam es zwischen der Nacht zu Sonntag, 7. Juli und dem folgenden Montagmittag.