Helmstedt 

Nach Corona-Zwangspause: Friseure in Niedersachsen wieder offen! Friseurin ehrlich – „Ich hatte Respekt und Angst“

Friseurin Klaudia Rekers mit einer Kundin. Nach der Zwangspause darf sie wieder Haare schneiden – doch vieles ist anders als zuvor.
Friseurin Klaudia Rekers mit einer Kundin. Nach der Zwangspause darf sie wieder Haare schneiden – doch vieles ist anders als zuvor.
Foto: Alina Brückner

Königslutter. Es herrscht eine geschäftige Stimmung im Friseursalon Söffing in Königslutter (Niedersachsen). Friseure und Kunden plaudern miteinander, es wird viel gelacht. Aus der einen Ecke hört man das gleichmäßige Fließen des Wassers beim Haarewaschen, aus der anderen Ecke ertönt der Fön.

Kaum zu glauben, dass in diesem Friseursalon in Niedersachsen wochenlang alles still stand – wegen des Coronavirus. Seit Beginn der Woche jedoch darf das Team rund um Inhaberin Klaudia Rekers wieder zur Schere greifen.

Friseure in Niedersachsen dürfen wieder öffnen

Doch viele Maßnahmen und Regeln haben den Friseuralltag gehörig auf den Kopf gestellt, so vieles ist anders. „Ich hatte Respekt und auch Angst“, erzählt Klaudia mit Blick auf die Öffnung nach der langen Pause.

Aber schon einen Tag später habe sich das gelegt. „Die Stimmung hier ist gut“, freut sich die Chefin. Und das sehen auch ihre Kollegen so. Silvia Maaß arbeitet im Herrensalon. Wo sie früher für einen Herren-Haarschnitt 20 bis 25 Minuten gebraucht hat, braucht sie heute 45 Minuten. Weil alles desinfiziert und gereinigt werden muss. Doch ihre Laune trübt das nicht. „Die Kunden ziehen gut mit. Alle sind dankbar und freundlich“, sagt sie.

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Diese Regeln gelten im Friseursalon:

  • Mitarbeiter und Kunden müssen zudem Mund-Nasen-Bedeckungen tragen
  • Beim Schneiden dürfen die Gummibänder kurz vom Ohr gelöst werden
  • Während der Mundschutz festgehalten wird, kann an der Kontur gearbeitet werden
  • Haarewaschen im Salon ist bei jedem Kunden Pflicht
  • Mitarbeiter tragen Einmalhandschuhe – bis nach dem Haarewaschen
  • Kunden dürfen sich die Haare nicht selbst föhnen
  • Verboten bleiben Rasuren und Bartschneiden
  • Kunden müssen ihre Daten hinterlassen

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Strenge Regeln im Friseursalon wegen Coronavirus

Und diese Freundlichkeit erlebt auch Klaudia Rekers. Ungeachtet dessen, dass viele Sachen beim Friseur jetzt wegfallen: Gesichtsbehandlungen wie Bartstutzen oder Augenbrauen zupfen, der Trockenhaarschnitt, Zeitschriften zum Blättern oder auch der Kaffee zum Haarschnitt. Denn sowohl die Friseure als auch die Kunden müssen jetzt permanent Mundschutz tragen. Nervt das nicht? „Heute ist es schon viel angenehmer als gestern“, verrät Silvia.

Auch die Kunden scheint es nicht zu stören. Manchmal müssen die Gummibänder der Maske beiseite geschoben werden, dann wird der Mundschutz eben mit der Hand gehalten. Ansonsten gleitet Klaudia Rekers galant mit der Schere um die Bänder herum.

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Telefon steht nicht mehr still: Salon bis Ende des Monats ausgebucht

Damit alles so reibungslos im Friseursalon klappt, hat es aber einige Zeit gedauert. Die Inhaberin hat bereits eine Woche vor Wiedereröffnung des Salons alle wichtigen Maßnahmen getroffen: Alle Sachen durchgewaschen, eine Plexiglasscheibe im Kassenbereich angebracht, einen Tisch mit Desinfektionsmittel im Eingangsbereich aufgestellt,.... die Liste ist lang. Und die nächste Mammutaufgabe: Alle Kunden unter einen Hut bringen!

Seit Montag steht das Telefon nicht mehr still. 110 Anrufe hat der Salon nur an einem Tag gezählt, an einem anderen waren es 130. „Wir sind schon bis Ende des Monats ausgebucht“, verrät Klaudia Rekers. 60 bis 65 Kunden gehen täglich ein und aus. Das Glück im Friseursalon Söffing: Alle Mitarbeiter könnten weiter arbeiten, weil der Salon so weitläufig sei und viel Platz biete, um den Mindestabstand einzuhalten.

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Hand aufs Herz: Gab es Corona-Frisurkatastrophen?

Und gab es an den ersten beiden Tagen schon Corona-Frisurkatastrophen? „Also illegale Haarschnitte hatten wir noch nicht“, berichtet Silvia. „Es gab zwar Kunden, die sich selbst die Haare geschnitten haben, aber das war keine Katastrophe“, sagt Klaudia. Beide lachen. Ein bisschen positive Stimmung nach der schweren Zeit.

Denn wenn man seinen Betrieb wochenlang schließen muss, bleiben natürlich auch die Einnahmen weg. „Es ist Wahnsinn, wie schnell die Zahlen auf dem Konto runtergehen“, erzählt Klaudia Rekers. Um so froher ist sie, dass es jetzt wieder losgeht. Auch wenn das Gefühl zu Beginn nicht nur positiv war. „Es hat mit einem mulmigen Bauchgefühl angefangen, aber jetzt ist es super.“