Niedersachsen 

Qualvoller Tod: Stadt Celle ließ Maulwürfe vergasen – inzwischen hat sie auf den Shitstorm reagiert

Die Stadt Celle hat viel Kritik einstecken müssen, weil sie Maulwürfe töten ließ (Symbolbild).
Die Stadt Celle hat viel Kritik einstecken müssen, weil sie Maulwürfe töten ließ (Symbolbild).
Foto: imago/Nature in Stock

Celle. Die Stadt Celle hat Maulwürfe vergasen lassen – offenbar schon seit Jahren. Dafür erntet sie jetzt einen Shitstorm und Anzeigen, weshalb die Verantwortlichen inzwischen zurückruderten.

Die "Cellesche Zeitung" hatte zuerst über den Fall berichtet. Demnach hatte die Stadt professionelle Schädlingsbekämpfer mit der "Entnahme" von Maulwürfen im Französischen Garten beauftragt.

Maulwürfe stehen unter Artenschutz

Eigentlich ist das Fangen oder Töten verboten, weil die halbblinden Tunnelgäber unter Artenschutz stehen. In Niedersachen wird das Töten von Maulwürfen laut Bußgeldkatalog mit bis zu 50.000 Euro geahndet.

Die Stadt Celle hatte sich quasi selbst eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Die Untere Naturschutzbehörde nickte das Vorhaben ab. Die Maulwurfshügel seien Stolperfallen, hieß es.

Massive Kritik am Vorgehen der Stadt Celle

Nachdem die Methode bekannt wurde und Videos im Internet auftauchten, in dem desorientierte Maulwürfe kraftlos über umhertaumeln, bis sie elendig sterben, gab es massive Kritik.

Tierschützer stellten Kreuze und Schilder auf die Hügel im Französischen Garten auf. Die Tierrechtsorganisation Peta kündigte eine Anzeige an. Offenbar ist es nicht die einzige Anzeige, die die Staatsanwaltschaft Celle aktuell prüft.

Oberbürgermeister kündigt Ende an

Der Protest jedenfalls zeigte Wirkung: Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU) kündigte bei Facebook das Ende der Maulwurf-Vergasung an – aus ethisch-moralischen Gründen. Dennoch habe die Stadt an sich keinen Fehler gemacht – und diese Vorgehensweise würde auch anderswo angewendet.

Auch der zuständige Fachbereichsleiter der Stadt Celle, Jens Hanssen, meldete sich zu Wort: "Wir werden diese Art der Maulwurfsvertreibung nicht mehr durchführen, sondern uns auf klassische Maßnahmen beschränken", sagte er gegenüber RTL.

Ähnliche Themen:

Umweltschützer sagen, dass es viel harmlosere Methoden gibt, um Maulwürfe zu vertreiben; Krach und Erschütterung zum Beispiel mögen sie nicht, oder Gestank – zum Beispiel in Form eines in Buttersäure getränkten Tuchs.

Das sagen Wolfenbüttel, Wolfsburg und Braunschweig

Die Stadt Wolfenbüttel hält sich nach Angaben von Sprecher Thorsten Raedlein an das Gesetz: "Wir vertreiben die hier gar nicht. Wenn da ein Hügel ist, dann ist das halt so", sagte er zu news38.de. Ausnahme wären Hügel auf Sportplätzen: "Aber auch dann würden wir den Maulwurf lebend fangen."

Auch für die Stadt Wolfsburg sind Maulwürfe generell Nützlinge, die geschützt sind. Störend seien nur ab und zu deren Hügel. Dagegen werde beispielsweise in Strauch- oder Baumpflanzungen nichts unternommen.

"Auf Gebrauchs-Rasenflächen sind die Hügel störend, schränken die Verkehrssicherheit ein und würden die städtischen Mähgeräte gegebenenfalls beschädigen", so Sprecher Ralf Schmidt.

"Vor dem Hintergrund werden dann vor dem ersten Mähgang - oder wenn erforderlich zwischendurch - die Maulwurfshügel eingeebnet." Damit erledige sich auch überwiegend das Problem der Verkehrssicherheit.

Auch in Braunschweig greift man nur im Falle des Falls ein: "Falls in Parks und Grünanlagen Maulwurfshügel in einem Maße auftreten, die den Gebrauch beeinträchtigen oder das Mähen verhindern, werden die Hügel eingeebnet", heißt es von Sprecher Rainer Keunecke.