Niedersachsen 

Niedersachsen: Politologin erklärt, warum sich Jugendliche mit Greta Thunberg identifizieren

Eine Identifikationsfigur für viele junge Menschen: Greta Thunberg.
Eine Identifikationsfigur für viele junge Menschen: Greta Thunberg.
Foto: Michael Kappeler/dpa

Hildesheim. Jugendliche in Deutschland sind aus Sicht der Hildesheimer Politologin Marianne Kneuer nicht unpolitischer als die Generationen vor ihnen.

„Aber die Themen und Formen, wie sich junge Erwachsene engagieren, haben sich verändert“, sagte die Professorin für Politikwissenschaft der Universität Hildesheim der Deutschen Presse-Agentur. „Jugendliche engagieren sich eher kurzfristig und niederschwellig.“

Die langwierige Arbeit in Parteien, Gewerkschaften und Kirchen sei für Jugendliche daher weniger attraktiv. „Die Klimademonstrationen sind aber ein Beleg dafür, dass sich junge Menschen packen lassen“, sagte Kneuer, die an der Uni Hildesheim den Forschungsbereich „Politik und Internet“ aufgebaut hat.

Niedersachsen: Tausende Schüler demonstrieren bei #FridaysForFuture

In Hannover wollen am Freitag wieder Tausende Schüler die Schule schwänzen, um mittags für den Klimaschutz zu demonstrieren. Auch in zahlreichen anderen Städten in Niedersachsen hatte es in den vergangenen Monaten ähnliche Aktionen nach dem Vorbild der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg gegeben.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte Schüler der Initiative #FridaysForFuture im Februar getroffen und Sympathie für ihr Engagement gezeigt.

Politologin Kneuer sagte, viele Jugendliche könnten sich mit Greta Thunberg identifizieren: „Sie wirkt mutig und glaubwürdig.“ Diese Eigenschaften würden bei anderen Personen des öffentlichen Lebens oft vermisst. Jeder Protest braucht nach Ansicht der Wissenschaftlerin Führungspersönlichkeiten: „Greta Thunberg zeigt, dass diese ganz unterschiedliche Profile haben können.“

Nicht nur Klima-Themen treiben junge Leute auf die Straße

Auch Netzthemen sind nach den Erkenntnissen der Forscherin für junge Leute ein Anlass, um sich politisch zu engagieren. Bundesweit gingen zuletzt viele junge Menschen auf die Straße, um gegen Änderungen des Artikels 13 des Grundgesetzes zu demonstrieren, weil sie um die Vielfalt des Internets fürchteten.

Artikel 13 sieht vor, kommerzielle Plattformen wie YouTube beim Urheberrecht stärker in die Pflicht zu nehmen.

Das Internet sorgt nach Erkenntnis von Wissenschaftlerin Kneuer aber nicht dafür, dass sich junge Leute mehr für politische Themen interessieren. „Diejenigen, die sich ohnehin engagieren, tun das eben auch online“, sagt Kneuer, die auch zu den Auswirkungen digitaler Medien auf die Politik forscht. (dpa)