Niedersachsen 

Vor Gerichtsurteil: Wie weit sind Alternativen zum Kükentöten?

Am Donnerstag soll ein Urteil darüber fallen, ob männliche Küken auch nach dem Schlüpfen geschreddert oder vergast werden dürfen, oder nicht. (Symbolbild)
Am Donnerstag soll ein Urteil darüber fallen, ob männliche Küken auch nach dem Schlüpfen geschreddert oder vergast werden dürfen, oder nicht. (Symbolbild)
Foto: dpa

Hannover/Leipzig. Millionen männlicher Küken werden jährlich vergast, weil ihre Aufzucht unwirtschaftlich ist: Nach jahrelangem Rechtsstreit um die Brüder von künftigen Legehennen rückt eine Entscheidung näher: Geflügelzüchter und Tierschützer blicken am Donnerstag mit Spannung nach Leipzig, wo die Bundesrichter ihr Urteil verkünden wollen.

Bringt die neue Technik die Lösung?

Mehr als acht Millionen Euro hat der Bund bereits in die wissenschaftliche Entwicklung von Alternativen investiert. "Ein Durchbruch ist vergangenes Jahr mit einem Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei gelungen", sagt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Sobald es flächendeckend auf dem Markt sei, greife automatisch das Tierschutzgesetz und das Kükentöten werde verboten. "Damit werden wir Vorreiter in Europa und der ganzen Welt", verspricht Klöckner.

Bei diesem endokrinologischen, also hormonellen Verfahren werden die Eier etwa neun Tage bebrütet. Dann wird aus jedem Ei durch ein winziges Loch etwas Flüssigkeit genommen, ohne das Ei-Innere zu berühren. Mit den Proben lässt sich das Geschlecht nachweisen.

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In rund 380 Rewe- und Penny-Filialen im Großraum Berlin werden diese Eier mit dem Logo "Respeggt" bereits angeboten. Das Unternehmen Seleggt arbeite mit Hochdruck daran, sie bis Ende 2019 in allen Märkten bundesweit anzubieten, teilt die Rewe Group mit.

Empfindet der Embryo schmerzen?

"Hier besteht kein wissenschaftlicher Nachweis, dass der Embryo keine Schmerzen empfindet", kritisiert der Deutsche Tierschutzbund. Die Tierschützer bevorzugen die Geschlechtsbestimmung zu einem früheren Zeitpunkt mit Hilfe einer Infrarot-Spektroskopie.

Dabei werden laut Agrarministerium die Eier nur etwa vier Tage lang bebrütet, dann wird ein spezieller Lichtstrahl ins Ei-Innere geschickt. (dpa)