Niedersachsen 

Eklat bei „Boxen am Meer“? - Als ein deutscher Sportler einzieht, erklingt plötzlich diese Strophe

Ist es bei „Boxen am Meer“ zum Eklat gekommen? Ein Verein ist empört. (Symbolbild)
Ist es bei „Boxen am Meer“ zum Eklat gekommen? Ein Verein ist empört. (Symbolbild)
Foto: imago

Hannover. „Sportler gegen Rassismus und Gewalt“ - unter diesem Motto hat der Länderkampf „Boxen am Meer“ am 29. Juni in Hannover stattgefunden. Doch ausgerechnet bei diesem Motto soll es zum Eklat gekommen sein. Das berichtet der Verein „Rukeli Trollmann“.

Aber was war passiert? Als ein südafrikanischer Boxer in den Ring einzog, wurde Nationalhymne Südafrikas gespielt. Auch beim Einzug des deutschen Sportlers sollte die eigene Nationalhymne erklingen - und ausgerechnet dabei soll ein Fehler passiert sein, wie der Verein berichtet.

Verein fassungslos: Plötzlich erklingt die erste Strophe des Deutschlandliedes

Es sei die erste Strophe des Deutschlandliedes gespielt worden. Der Verein zeigt sich fassungslos: „Keiner der anwesenden Verantwortlichen schritt ein“, heißt es da in einer Mitteilung.

Erst der Präsident des Deutschen Boxverbandes, Jürgen Kyas, sei eingeschritten und habe das Abspielen unterbrochen. Von dem Ringsprecher sei keine Entschuldigung gekommen - lediglich die Anmerkung „dann spielen wir jetzt die andere Strophe (...) oder am besten das Niedersachsenlied.“

„Ich war als Ehrengast eingeladen worden“, sagte Kyas am Freitag. „Bei den ersten Textzeilen bin ich aufgesprungen und habe das Weiterspielen untersagt.“ Zuschauer hätten mit Beifall auf sein Einschreiten reagiert, sagte Kyas. „Einige haben sich bei mir bedankt.“ Statt der Nationalhymne, die aus der dritten Strophe des Deutschlandlieds besteht, wurde dann das Niedersachsen-Lied gespielt.

Präsident des Deutschen Boxverbandes: „Ich hab mich da nicht mehr wohlgefühlt“

Er habe die Veranstaltung 30 Minuten später aus Enttäuschung über die Vorkommnisse verlassen, berichtete der Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes. „Ich habe mich da nicht mehr wohlgefühlt.“ Vorsatz schließt Kyas jedoch aus. „Ich habe den Eindruck, das ist aus Unwissenheit, vielleicht sogar Dummheit geschehen.“

Auch der Verein hatte sich aufgrund des „Eklats“ nach eigenen Angaben dazu entschieden, an der anschließenden Bootsrundfahrt nicht mehr teilzunehmen - aus Pietätsgründen. Denn der Verein sieht sich als Nachkomme des Holocaustopfers Johann Rukeli Trollmann.

Im Nachhinein hatte der Verein eine öffentliche Entschuldigung vom Niedersächsischen Boxsport-Verband gefordert. Weil diese ausblieb, wandte er sich an die Öffentlichkeit.

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Deutschlandlied: Was darf man noch singen?

Aber was bedeutet es eigentlich, wenn die erste Strophe des Deutschlandliedes gesungen wird? Ist sie verboten? Grundsätzlich seien die ersten beiden Strophen des Deutschlandliedes nicht verboten - sie sind jedoch nicht als staatliches Symbol geschützt, berichtet „Welt“. Das ist nur die dritte Strophe des Liedes, die heute in Deutschland als Nationalhymne anerkannt ist.

Verboten sei das Deutschlandlied nur für kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen. Das veranlassten die Alliierten. Denn zu Zeiten des Nazideutschlands bildete die erste Strophe des Deutschlandliedes von Hoffmann von Fallersleben zusammen mit dem heute verbotenen Horst-Wessel-Liedes die Hymne.

Durch einen Briefwechsel zwischen Theodor Heuss und Konrad Adenauer wurde das Deutschlandlied jedoch rehabilitiert. Den gesamten historischen Abriss zur Diskussion über das Deutschlandlied findest du übrigens bei der „Zeit“. (abr mit dpa)