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„Lost Places“ in Niedersachsen: 10 verlassene Orte, die du unbedingt gesehen haben solltest

„Lost Places“ in Niedersachsen sind momentan sehr beliebt – hier zeigen wir dir die besten Orte.
„Lost Places“ in Niedersachsen sind momentan sehr beliebt – hier zeigen wir dir die besten Orte.
Foto: imago images/Rolf Kremmig/Symbolbild
  • Niedersachsen hat zahlreiche, spannende „Lost Places“
  • Hier liest du, welche mysteriösen und verlassenen Orte es gibt

„Lost Places“ in Niedersachsen – Orte im Land, die vergessen wurden. Das können verlassene Bauwerke, Ruinen oder nicht mehr genutzte militärische Anlagen sein.

Die verschiedensten, geheimnisvollsten Geschichten ranken sich um die „Lost Places“. Und meist erzeugen sie eine mysteriöse Atmosphäre...

In Niedersachsen gibt es viele „Lost Places“, da die alten Gebäude - wie Bunker, Friedhöfe, Villen oder Kliniken - noch aus Kriegszeiten stammen und meist erst sehr spät an Privatpersonen verkauft wurden. Da konnte man schon den Großteil des Verfalls nicht retten.

Ein weiterer Grund: Es gibt kein neues Nutzungskonzept für die Häuser. Somit gammeln die alten Gebäude vor sich hin – und entwickeln meist eine mystische Aura.

Wir haben die spannendsten „Lost Places“ für dich in Niedersachsen ausfindig gemacht. Aber bitte bedenke: Einige alte Bauten dürfen nicht betreten werden! Sie sind teils stark einsturzgefährdet und somit extrem gefährlich.

Die Top Ten der „Lost Places“ in Niedersachsen

Villa Nordstern

Eine alte prächtige goldene Villa mit spitzen schwarzen Türmen ragt aus Lichtung am Waldrand. Ihre düsterne mysteriöse Aura erinnert an strenge Hausherren, die zu vornehmen Dinnerparties in das verwinkelte Gebäude eingeladen haben. Seit 1990 ist kein Leben mehr in den vier Wänden.

Sie wurde als Firmensitz, Kinderheim und Wohnung genutzt. 2004 wurde sie von der Stadt Lehrte an eine Privatperson verkauft. Wer das Grundstück seinen Besitz nennt, ist um 42.000 tausend Quadratmeter reicher.

Da das Grundstück seit 2018 einem städtischen Projektentwickler gehört, soll im kommenden Jahr aus der herrschaftlichen tristen Villa ein Kindergarten entstehen. Da muss also noch ordentlich Farbe in die Baupläne eingearbeitet werden, um das alte Gebäude mit Leben zu wecken.

Freizeitpark Kirchhorst

Wo früher die Kinder fröhlich auf dem Karussell gelacht haben, ist heute nur Stille zu hören. Der ehemalige Freizeitpark Kirchhorst steht seit 1985 leer – er galt als Vorzeigepark in Sachen besonderen Attraktionen.

Der Star mitten auf dem weitläufigen Gelände direkt an der B3: Eine Achterbahn mit Loopings. Von den staunenden Blicken der Besucher bleibt heute nur noch ein trauriges Lächeln über vergangene Zeiten.

Die Natur holt sich langsam ihr Gelände zurück – und taucht den Park in einen verwunschenen Schauplatz, leider auch gebeultet vom Vandalismus. Teile der Attraktionen wurden schon verkauft, geklaut oder beschmiert.

Die ehemaligen Besucher fürchten, dass die hohen Pachtgebühren der Grund für die Schließung waren. Die Stadt will den Park aber nicht seinem Verfall überlassen. Eine Pferdepension, ein Streichelzoo oder ein Radweg waren schon im Gespräch. Doch bis jetzt ist noch nichts beschlossen.

Haus Eichengrund

Wie ein altes Hexenhäuschen ragt die kleine braune Hütte auf dem Waldstück empor. Das Haus Eichengrund in der Wedemark an der A352 stammt aus den 80er Jahren. In dem Haus hängen einer Fotografin zufolge alte Zeitungsartikel, die auf die Jahreszahlen hinweisen. Die Hütte sieht aus, als wäre der Zahn der Zeit einmal durch die Fenster geweht.

Ein Kicker, ein brauner Ohrensessel und viele Bücher sowie Fotos von schönen Erinnerungen liegen überall verteilt auf dem Boden. Das Haus sieht aus, als würde es eine lebendige Geschichte erzählen. Die Region Hannover hat die Hütte aber abgesperrt. Wer trotzdem die Spur der Melancholie sehen möchte, kann einen Blick durch die offenen Fenster werfen.

Hotel Harzburger Hof

Das ehemalige Luxus-Hotel Harzburger Hof stand für das Aushängeschild des Kurortes Bad Harzburg. Heute sei es laut Bürgermeister „die Zahnlücke unseres schönen Ortes“. Der einst prunkvolle Bunker für Adelige ist zu einer Brandruine transformiert.

Die eigentliche cremeweiße Hausfassade ist einem verkokelten dreckigen Beige gewichen. Zu Hochzeiten des Hotels 1977 sollte eine Nacht bis zu 120 DM kosten. 2019 ist kein richtiges Bett mehr über – nur noch morsche eingefallene Bretter.

Die früher 50.000 Gäste könnten heute nur noch eine Abrissparty feiern. Das denkt sich die Stadt auch und plant schon seit Jahren einen Neubau im Stil des alten Hotels. Die Rechte um das Grundstück und dessen Bebauung sind zwischen der Stadt und den Investoren noch nicht klar aufgeteilt.

Anna-Forcke-Stift

Das Wohnheim Anna-Forcke-Stift in Barsinghausen galt lange Zeit als ein Trumpf in der frühen Architektur im 20. Jahrhundert. Der Grund: Jedes Zimmer hatte angeblich einen eigenen Wasseranschluss.

Das große orangefarbene Haus mit dem braunen Ziegeldach war seit 1908 ein Wohnheim für alte und schwache Krankenschwestern. Seit 21 Jahren steht das Stift leer und hat sogar 2012 im Obergeschoss gebrannt.

Doch die Eheleute Andrea und Ernst Wildhagen haben das Haus laut „Hannoversche Allgemeine“ gekauft. Sie wollen den Gedanken der Wohltätigkeit weiter leben und das Gebäude in ein Hospiz verwandeln. Doch die Baupläne verzögern sich seit 2017 immer weiter, denn die Förderanträge sind noch nicht alle genehmigt.

Das könnte dem Plan ein Ende setzen, da die Baufirmen schon alle fest gebucht waren. Das Ehepaar hat Angst, dass die Firmen alle nacheinander abspringen und sie so auf dem baufälligen Stift sitzen bleiben.

Holländischer Pavillon Expo 2000

Eigentlich sollte der Holländische Pavillon bei der Weltausstellung „Expo 2000“ für ökologisches Bauen auf engstem Raum stehen. Doch heute steht er für Verfall auf ganzer Linie. Was einmal eine Art Hochhaus mit gestapelten Landschaften war, ist nicht mehr als solches wieder zu erkennen.

Überall Graffiti an den Wänden, Bauschutt auf dem Betonboden und die Außentreppen. Die graue Betonburg soll dieses Jahr einem Hochschulstandort und einem Studentencampus mit 400 Mikrowohnungen weichen.

Neue Investoren sollen laut „Hannoversche Allgemeine“ zusammen mit dem eigentlichen holländischen Architektenbüro MVRDV das verschmierte Hochhaus zu einem internationalen Wahrzeichen machen.

Bagger stehen nach HAZ-Informationen schon seit 2017 auf dem Gelände, doch 2019 könnten die Pläne zur Erneuerung endlich umgesetzt werden.

Bunker Haltenhoffstraße Hannover

Ein Bunker, der eigentlich hätte gar nicht gebaut werden dürfen. An der Haltehoffstraße in Hannover steht der kalte graue Betonklotz mit riesigen Löchern in den Wänden. Die wurden zur Sicherung in den Bunker gesprengt, weil dieser seit seiner Entstehung 1942 eigentlich gar nicht hätte so stehen dürfen. Die gültigen Abstände zu anderen Gebäuden wurden nicht eingehalten und so ist der Bunker auch heute unbenutzbar.

Er wurde im Zweiten Weltkrieg als Schutzraum vor Bombenangriffen und als Krankenhaus verwendet. In dem ehemals voll eingerichteten Operationssaal konnten auch während den Angriffen schwer Verletzte not versorgt werden.

Lokal Landhaus-Terrassen

Was 2006 einmal eines der beliebtesten Ausflugsziele am Rande von Hannover war, ist 2019 ein verfallenes altes Lokal. Die Landhaus-Terrassen am Steuerdieb haben ihre besten Zeiten hinter sich. Als die Wirtin Shokufeh Rostamian 2006 das Ausflugslokal wieder in neuen Glanz hüllte, begann die blassgelbe Villa wieder zu strahlen.

Leider blieb von dem Glanz nicht viel übrig und sie musste die Landhaus-Terrassen nach fünf Jahren wieder schließen. Die Stadt hatte immer wieder neue Pläne zur Nutzung, doch keiner passte so richtig zum vorgestellten Baukonzept. Seit der Schließung verfällt die Villa immer mehr und sieht mittlerweile aus wie ein Geister-Restaurant.

Waisenhaus Braunschweig

Ein selbst gebauter Kinderwagen steht noch mitten im Raum. Das kleine Schwimmbad verwandelt sich langsam in ein Waldbad. Die Gänge und Zimmer erzählen von unzähligen Kindern, die über Jahre hinweg das große Waisenhaus in Braunschweig ihr Zuhause nannten.

Auch ein Krankenhaus und eine Schule wurden sogar schon im 18. Jahrhundert in den Räumen errichtet. Doch der Zweite Weltkrieg zerstörte die Einrichtung völlig und heute gleicht das Grundstück hinter den dicken grauen Betonmauern einer Ruine.

Es sind keine Fenster mehr vorhanden und die Wände fast überall mit Graffiti beschmiert. Das Waisenhaus an der Salzdahlumer Straße ist ein Beispiel dafür, wie „Lost Places“ vom Vandalismus betroffen sind.

Kapelle Wolfenbüttel

Angeblich sind in der St. Johannis Kapelle in der Glockengasse in Wolfenbüttel wunderschöne viktorianische Malerein an der Decke. Die befinden sich seit Jahren im „Dornröschenschlaf“. Die Kapelle ist verriegelt und seit 20 Jahren in Besitz der Stadt. Die bestimmt auch, was mit der braunen kleine Kapelle passieren wird.

Ein Investor möchte gerne die alten Malereien erhalten und ein Kunstprojekt aus der Kirche machen. Doch der Plan kann dauern, da im Moment der anliegende Park nur als Friedhof genutzt werden kann. Ein Spaziergang zur Kirche lohnt sich trotzdem, um sich die Menschen im Erbauungsjahr 1661 in der Kirche vorzustellen.

Fotospot für Entdecker

Auch wenn die „Lost Places“ fast alle leer stehen, ein guter Fotospot sind sie allemal. Der Trend geht dahin, die Geschichte der verlassenen Gebäude in den Bildern einzufangen. Doch leider gibt es unter den Beobachtern immer auch schwarze Schafe. Die verschmutzen die oftmals sehr historischen Orte mit Graffiti oder randalieren in den kaputten Räumen. (el)