Niedersachsen 

Serienmörder Fritz Haarmann: Der Schlächter von Hannover - „Och, das ist eine furchtbare Arbeit“

Hier hat Fritz Haarmann gewohnt. In der roten Reihe, Hausnummer 8.
Hier hat Fritz Haarmann gewohnt. In der roten Reihe, Hausnummer 8.
Foto: imago/Collage

Hannover. Der Schlächter, der Vampir, der Kannibale oder der Werwolf von Hannover - Serienmörder Fritz Haarmann hat viele Namen. Doch kaum einer der Namen schafft es, das ganze Ausmaß an Grausamkeit widerzuspiegeln. Das Ausmaß an Grausamkeit, das Fritz Haarmann zu einem der bekanntesten Serienmördern Deutschlands gemacht hat.

Auch 94 Jahre nach seiner Hinrichtung sind seine schrecklichen Taten Teil des gesellschaftlichen Diskurses. Noch heute berichten Medien darüber. Noch heute werden Lieder produziert, Texte verfasst und Filme gedreht. Und allen ist eins gemein: Serienmörder Fritz Haarmann aus Hannover steht im Mittelpunkt.

Hannover: Serienmörder Fritz Haarmann - das perfide Spiel des Schlächters

Zweifelhafter Ruhm, den er sich aber schon zu Lebzeiten herbeigesehnt hatte. Wie die „Zeit“ berichtet, hat sich der Serienmörder schon damals gewünscht, dass die ganze Welt von seinen Taten erfährt. Dass seine Hinrichtung gefilmt und als Film in die Kinos kommen würde.

Und die „Zeit“ ist es auch, die es auf den Punkt gebracht hat, warum noch heute die Geschichte des Serienmörders erzählt wird. „Der 'Lustmord', wie er in der Weimarer Zeit genannt wurde, beinhaltet stets eine doppelte Lust - die des Täters und die der Gesellschaft.“

Haarmann ermordet 24 Kinder und Jugendliche

Doch welche Taten lassen Fritz Haarmann noch heute im Licht der Grausamkeit erscheinen? Es sind 24 Morde, die der Mann aus Hannover begangen hat.

Seine Opfer: Kinder und Jugendliche, männlich, im Alter von 10 bis 22 Jahren. Dafür wurde er am 19. Dezember 1924 zum Tode verurteilt. Am 15. April 1925 wurde er dann durch das Fallbeil hingerichtet.

Vor Gericht: „Och, das ist eine furchtbare Arbeit“

Vor Gericht soll er über seine Taten gesagt haben: „Och, das ist eine furchtbare Arbeit“. Damit habe er das Zerstückeln der Leichen gemeint. Dazu habe er nach eigenen Angaben meist ein Beil benutzt. Hammer-Geräusche, die auch Nachbarn immer wieder aus seiner Dachgeschoss-Wohnung in Hannover wahrgenommen hätten.

Doch die Polizei sei dem nicht so recht nachgegangen. Besonders pikant, das berichtet „RTL Nord“, ist an dem Fall, dass Haarmann polizeibekannt war. Auch im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch. Dennoch habe er als Spitzel für die Polizei gearbeitet.

Hannover: Die Leine als Massengrab

Und sich irgendwann doch selbst überführt. Denn Kinder fanden beim Spielen an der Leine im Abstand weniger Tage vier menschliche Schädel. Das war im Frühsommer 1924. Die Polizei habe daraufhin Teile der Leine trockengelegt - und noch mehr Knochen gefunden.

Die Öffentlichkeit rätselte - wer macht so etwas? Fritz Haarmann habe wohl schon damals zum Kreis der Verdächtigen gehört. Doch selbst überführt habe er sich erst, als er mit einem Jugendlichen auf der Bahnhofswache auftauchte. Dort hätten ihn die Beamten dann festgehalten. Und Haarmann hätte gestanden.

Er gestand, Kinder und Jugendliche am Hauptbahnhof in Hannover angesprochen und zu sich in die Wohnung gelockt zu haben. Seine Opfer habe er meist durch einen Biss in den Hals getötet. Auch ihr Blut soll er getrunken haben. Knochen habe er in der Leine entsorgt.

Über seine Opfer soll er später vor Gericht gesagt haben: „Och, das waren nur Puppenjungens“.

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Wie wird man zum Serienmörder?

Doch was macht einen Menschen zu einem Serienmörder? Mit dieser Frage hat sich „planet-wissen“ auseinandergesetzt. Serienmörder, das seien Menschen, die meist eine ausgeprägte Persönlichkeitsstörung hätten. So auch Fritz Haarmann. Das wurde ihm zumindest bei einem Gerichtsprozess im Jahre 1996 bescheinigt. Das Verfahren wurde damals eingestellt, weil Haarmann eine „krankhafte Störung der Geistestätigkeit“ habe.

Außerdem seien Serienmörder meist emotional labil, verantwortungslos, egozentrisch und würden unter Minderwertigkeitskomplexen leiden. Warum jemand immer wieder mordet, könne nicht pauschal geklärt werden.

Eine Vermutung sei jedoch, dass die Probleme, die der Mörder in sich trage, nur temporär aus der Welt geschafft werden könnten. Und das sei zum Tatzeitpunkt. Darum würde der Täter immer wieder Morde begehen, um seine Probleme aus dem Weg schaffen zu können. (abr)