Niedersachsen 

Harz: Wildschwein Willi erschossen – Jens Rennecke wütet: „Das war Mord!“

Willi und Berta hatten auf dem Gelände des Tierschützers Nachwuchs bekommen. (Archivbild)
Willi und Berta hatten auf dem Gelände des Tierschützers Nachwuchs bekommen. (Archivbild)
Foto: imago images

Thale. Große Aufregung gibt es wegen zwei Wildschweinen in Thale im Harz. Bis Dienstag haben Willi und Berta auf dem Privatgrundstück von Jens Rennecke in Thale gewohnt. Der Tierschützer nahm die beiden Wildtiere als Frischlinge auf, zog sie eigenhändig mit der Flasche groß.

„Ich habe ihnen das Leben gerettet – so wie sie meines...“, sagt Rennecke. Jetzt allerdings ist Wildschwein Willi tot. Und der Tierschützer erhebt nun schwere Vorwürfe gegen den Landkreis Harz.

Emotional lässt er sich bei Facebook aus - und erreicht damit hunderte Menschen.

Landkreis Harz will Wildschweine umsiedeln

Seit drei Jahren schwelt bereits ein Streit zwischen der Kreisverwaltung und Jens Rennecke, der nach zahlreichen Bild-Reportagen in der Umgebung auch als „Eulen-Mann“ bekannt ist. Als Jungtiere machten Willi und Berta noch keine Probleme.

Doch mit zunehmender Größe habe es Anwohnerbeschwerden gegeben, berichtet Manuel Slawig, Sprecher des Landkreises und weiter: „In mehreren Gesprächen mit Herrn Rennecke wurde erläutert, dass die Haltung der zwei Wildschweine auf dem betreffenden Grundstück nicht zulässig ist.“

Mehrfach sei Jens Rennecke aufgefordert worden, die Tiere umzusiedeln. Doch habe er jede Frist verstreichen lassen. Deshalb sah sich die Kreisverwaltung zu einem drastischen Schritt gezwungen.

Tierarzt betäubt Wildschweine – dann gerät Willi außer Kontrolle

Willi und Berta sollten am Dienstag endgültig das Grundstück in Thale verlassen und in einen Tierpark in Stangerode gebracht werden. Dafür standen an diesem Tag neben Vertretern der Kreisverwaltung ein Zoo-Tierarzt mit Helfern, ein Jäger, Vertreter des Wildparks und die Polizei bei Jens Rennecke auf der Matte.

Der jedoch musste sich zu diesem Zeitpunkt nach eigenen Angaben wiederholt vor Gericht verantworten und konnte das Drama nicht verhindern. Zwei Stunden lang hätten die Einsatzkräfte versucht, die Wildschweine auf einen Viehtransportanhänger zu treiben – vergeblich.

Dann sollte ein Tierarzt Willi und Berta betäuben. Bei der dritten Betäubung „geriet der Keiler außer Kontrolle und brach durch den Zaun in Richtung westlichen Nachbargrundstück aus“, so Manuel Slawig. Weil dadurch von dem Tier eine Gefahr ausgegangen sei, musste es vom Jäger erschossen werden.

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Jens Rennecke fassungslos: „Völliger Blödsinn!“

„Völliger Blödsinn“, poltert Rennecke in seinem emotionalen Video bei Facebook, der nicht nur die Beschwerden der Anwohner bezweifelt, sondern auch die Kreisverwaltung der Lüge bezichtigt:

Willi und Berta seien völlig ruhig gewesen, hätten ihm Augenzeugen berichtet. Außerdem glaubt er der Darstellung der Kreisverwaltung nach der Begehung des Geheges nicht. Der Zaun sei nicht von einem Tier aufgebrochen, sondern aufgeschnitten worden, glaubt Jens Rennecke. „Das war Mord“, sagt er und hat Anzeige bei der Polizei erstattet.

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Themen des Tages

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Tierschützer hat dringendes Anliegen

Der Tierschützer fordert Gerechtigkeit, ist auf der Suche nach einem Rechtsbeistand und hat außerdem ein anderes Anliegen: Er will beide Wildschweine zurück, auch Willi, um ihm eine würdige Beerdigung zu ermöglichen.

Daraus dürfte allerdings nichts werden. Denn die Kreisverwaltung hat bereits einen Jäger damit beauftragt, Willi „fachgerecht“ zu „entsorgen“.

Leser diskutieren kontrovers über den Fall

Währenddessen wird auch unter den Lesern von news38.de kontrovers über den Fall diskutiert. So schreibt ein Leser: „Also da hätte man doch viel Aufwand, Munition, Schweiß, ein totes Tier sowie Ärgernis verhindern können, wenn der Mann seine Wildschweine selber in den Hänger treiben hätte können. Oder war der Zeitpunkt Willkür...“.

Eine andere Leserin fordert: „Wenn das alles so stimmt...unverantwortlich von den Behörden. Gebt ihm mindestens Willi zur Beerdigung wieder, wenn es da einen Friedwald gibt, denn da gehört er hin.“ (ak)