Niedersachsen 

Nahe Niedersachsen: Zwei Mitarbeiter von Hermes sterben – Todesursache steht fest

Mitarbeiter des Paketdienstes Hermes kommen zur Frühschicht. Das Unternehmen hat nach dem Tod zweier Mitarbeiter den Betrieb wieder aufgenommen.
Mitarbeiter des Paketdienstes Hermes kommen zur Frühschicht. Das Unternehmen hat nach dem Tod zweier Mitarbeiter den Betrieb wieder aufgenommen.
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
  • Ist es Zufall oder gibt es einen Zusammenhang?
  • Zwei Todesfälle in Sachsen-Anhalt geben der Polizei zunächst Rätsel auf.
  • Noch immer sind viele Details unklar.

Haldensleben. Jetzt gibt es Gewissheit: Die Obduktion der beiden Hermes-Mitarbeiter hat ergeben, dass die Männer eines natürlichen Todes gestorben sind.

Die Untersuchungen in der Rechtsmedizin hätten keine Hinweise auf Vergiftungen ergeben, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Zu Details wurden keine Angaben gemacht.

Große Trauer in Haldensleben nahe Niedersachsen

In Haldensleben, einem Ort nur ein paar Kilomemeter von der Landesgrenze zu Niedersachsen entfernt, kehrte gleichzeitig langsam der Alltag zurück. Der Betrieb im Versandzentrum bei Hermes läuft wieder. Im Wohngebiet „Süplinger Berg" gedachten Menschen der beiden Opfer.

An dem Ort, wo der Kurierfahrer in seinem Auslieferungswagen verstarb, haben Menschen Kerzen angezündet und Rosen niedergelegt. Reste eines Absperrbandes erinnern an die dramatischen Szenen mit einem Großaufgebot von Feuerwehr und Polizei.

Hermes: Leichen wurden obduziert

Die beiden Mitarbeiter in dem Hermes-Paketzentrum in Haldensleben in Sachsen-Anhalt waren binnen 24 Stunden im Dienst gestorben - die Polizei hatte zuletzt schon giftige Stoffe als Ursache ausgeschlossen.

„Es gab keinerlei Hinweise auf gesundheitsgefährdende Stoffe“, sagte Polizeisprecher Frank Küssner in Magdeburg. Die Leichen der beiden Männer wurden noch am Mittwoch obduziert.

Spezialisten aus Berlin in Haldensleben

Spezialisten der Berliner Polizei für chemische und toxische Stoffe waren gemeinsam mit der Tatortgruppe des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt im Einsatz, um das Risiko für medizinisches Personal und Ermittler zu minimieren.

Auf dem Gelände des Versandzentrums, in dem mehr als 3.000 Menschen arbeiten, war in der Nacht zum Dienstag zunächst ein Toter entdeckt worden.

Der 58-Jährige soll zusammengebrochen und vor Ort gestorben sein. Laut Hermes handelt es sich um einen Mitarbeiter aus der Betriebstechnik, der keinen Kontakt zu Paketen hatte.

Am Nachmittag wurde dann in Haldensleben in einem Transportfahrzeug von Hermes ein weiterer Mitarbeiter tot gefunden.

Der 45-Jährige saß leblos auf dem Fahrersitz. Die Polizei ermittelt, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen den Todesfällen.

Arbeit geht wieder weiter

Die Arbeit im Logistikzentrum, wo nach Unternehmensangaben täglich rund 300.000 Sendungen bearbeitet werden, stand seit Dienstagabend still. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, weil zwei völlig gesund wirkende Menschen innerhalb kürzester Zeit gestorben seien, so die Polizei.

Der Betrieb wurde am Mittwochabend wieder aufgenommen. Von Donnerstag an werde dann der Stau bei den Paketsendungen aufgelöst, so ein Hermes-Sprecher. Von dem Paketzentrum aus werden auch Pakete nach Niedersachsen geliefert, vor allem in die Region rund um Braunschweig, Wolfsburg und Helmstedt.

300.000 Sendungen bleiben liegen

Rund 300.000 Sendungen blieben laut Hermes-Geschäftsführer Andreas Stumpf liegen. Es herrsche große Betroffenheit in der Belegschaft des Logistikzentrums.

„Unsere Aufgabe wird es jetzt sein, die Mitarbeiter aufzuklären, zu informieren was letztendlich hier tatsächlich vorgefallen ist, so dass sie wieder an den Arbeitsplatz gehen können“, so Stumpf.

Der Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen sei durch die Polizei aufgekommen, sagte der Geschäftsführer. Er selbst habe zunächst keine Verbindung hergestellt.

Mann nicht schwer verletzt: „Epileptischer Anfall“

Zunächst war dazu von einem weiteren schwer verletzten Mitarbeiter die Rede gewesen. Dazu sagte Stumpf: „Der ist überhaupt nicht schwer verletzt. Der hatte einen epileptischen Anfall. Der Kollege hat eine Vorgeschichte. Das war nicht das erste Mal, dass er sowas hatte.“ Dem Mitarbeiter gehe es wieder gut.

Die ungewöhnliche Häufung der Unglücksfälle am Dienstag führte bis in den frühen Mittwochmorgen hinein zu einem Großeinsatz der Feuerwehr. 120 Kräfte waren im Einsatz.

Stoff am Mittwoch entdeckt

Zwischenzeitlich sorgte am Mittwoch der Fund geringster Mengen eines Stoffes an einem Paket für Aufregung. Laut Polizei könnte er in großen Mengen gefährlich sein.

Die Feuerwehr öffnete deshalb alle Pakete in dem Transporter, in dem ein Mitarbeiter vor seinem Tod am Dienstag Pakete ausgeliefert hatte. Kurze Zeit später gab es Entwarnung. „Das sind ganz normale Zustellpakete gewesen mit handelsüblichem Inhalt“, betonte der Polizeisprecher.

Über die Menge des gefundenen Stoffes sagte er: „Die Dosis, die man braucht, um zu sterben, wurde nicht erreicht.“

Polizei: „Wir nehmen das ernst“

Um aber sicherzugehen, dass bei einer Obduktion keine Gefahr für medizinisches Personal besteht, wurden die Polizeiexperten für chemische und toxische Stoffe um Unterstützung gebeten.

„Wir nehmen das ernst“, sagte Polizeisprecher Küssner.

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Die Stadtverwaltung Haldensleben teilte unterdessen mit, dass es nach den derzeit vorliegenden Informationen keinerlei Gefährdung für die Bürger bestanden habe. „Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen der zwei Toten„, hieß es auf der Internetseite der Stadt. (dpa/ck)

Dieser Artikel wurde mehrfach aktualisiert.