Niedersachsen 

Niedersachsen: Diese Verbrechen hielten das Land 2019 in Atem

Niedersachsen: Die Polizei benötigte 2019 viel Ausdauer bei ihrer Arbeit. (Symbolbild)
Niedersachsen: Die Polizei benötigte 2019 viel Ausdauer bei ihrer Arbeit. (Symbolbild)
Foto: imago images / Olaf Döring

Niedersachsen. Das Jahr 2019 sorgte bei den Menschen in Niedersachsen auch für Fassungslosigkeit. Denn es ereigneten sich mehrere brutale und überaus grausame Kriminalfälle.

Über Jahre hinweg sollen Hilfsbedürftige – darunter gerade Kinder – in Niedersachsen gequält und missbraucht worden seien.

Niedersachsen: Mann zündet Frau an – dann greift er sie und weitere Frau brutal an

Ende September kam es in Göttingen zu einem extrem brutalen Doppelmord an zwei Frauen. Es folgte eine spektakuläre Verfolgungsjagd durch die Polizei - Niedersachsen war in Angst und Schrecken.

Ein 52-Jähriger lauerte einer alten Bekannten an ihrem Arbeitsplatz in einem Imbiss auf, überschüttete sie mit Brandbeschleuniger und zündete sie an. Als die 44-jährige Frau versuchte, wegzulaufen, stach der Mann mit einem Messer auf sie ein.

Eine 57-jährige Kollegin, die dem Opfer hatte helfen wollen, wurde selber angegriffen. Ein weiterer Zeuge soll mit einem Feuerlöscher herbeigeeilt sein. Doch der Angreifer soll ihm den Feuerlöscher abgenommen und damit auf den Kopf der 44-Jährigen eingeschlagen haben. Sie starb noch an ihrem Arbeitsplatz. Auch die 57-Jährige starb später im Krankenhaus.

Täter entgeht Festnahme

Die Polizei versuchte den Frauenmörder am Tatort festzunehmen, doch der wehrte sich gegen die Polizisten und ergriff die Flucht. Polizeikräfte suchten mit Hunden, Drohnen und Hubschraubern nach dem Täter.

Dann erkannte eine Zugmitarbeiterin den Flüchtigen in einem Zug, der auf dem Weg nach Hannover war. Die Frau schloss ihn im Waggon ein. In Elze bei Hildesheim wurde der Zug schließlich gestoppt. Die Polizei konnte den Mann dennoch nicht fassen, denn der schlug ein Fenster des Waggons ein und entkam.

Während seiner Flucht rief der mutmaßliche Mörder mehrmals besorgt bei der Polizei an, um sich über den Gesundheitszustand seiner Opfer zu erkundigen.

Indes waren die Menschen in Südniedersachsen in Angst und Schrecken. Nach ein einhalb Tagen gelang es der Polizei schließlich, den Mann festzunehmen. Der brutale Mörder galt durchaus als gemeingefährlich, sodass mit seiner Festnahme Erleichterung bei der Bevölkerung aufkam.

In den 1990er-Jahren war der Mann nämlich bereits wegen Vergewaltigungen verurteilt worden. 1995 war er als Häftling bei einem Zeugentermin entkommen. Als die Polizei ihn mehrere Wochen später festnehmen wollte, wehrte er sich massiv gegen die Polizeibeamten.

Der 52-Jährige äußerte sich nicht zum Tatmotiv. Die Ermittler gingen allerdings davon aus, dass das 44-jährige Opfer ihren Mörder zuvor mehrmals abgewiesen hatte. Ein Haftrichter erließ somit Haftbefehl.

>> Hier mehr zu dem Fall: Polizei schnappt mutmaßlichen Frauenmörder – auch zweites Opfer tot!

Einmalige Mordserie entsetzt Deutschland

Der Fall erregte bundesweit Aufsehen: Ein Krankenpfleger hatte über mehrere Jahre dutzende Menschen getötet.

Auf Intensivstationen in Oldenburg und Delmenhorst hatte Niels Högel Patienten gezielt mit Medikamenten vergiftet und dann vergeblich versucht, sie zu wiederzubeleben. Der 42-Jährige wollte als kompetenter Retter glänzen.

Zwischen den Jahren 2000 und 2005 hatte er so 85 Patienten umgebracht. Sie waren zwischen 34 und 96 Jahren alt.

Im Juni verurteilte ihn das Landgericht Oldenburg wegen Totschlags durch Unterlassen schließlich zu einer lebenslangen Haftstrafe. In 15 Fällen wurde der Serienmörder aus Mangel an Beweisen dagegen freigesprochen.

Staatsanwaltschaft klagt seine Vorgesetzten an

Etwa drei Monate später hat die Staatsanwaltschaft Oldenburg fünf ehemalige Vorgesetzte von Högel angeklagt. Sie sollen Hinweise auf die Mordserie des Krankenpflegers gehabt und ihn dennoch nicht gestoppt haben.

Das Gericht zweifelt allerdings an einer Schuld der Angeklagten. Ob es zu einem Gerichtsprozess kommt, ist somit noch unklar.

>> Hier mehr zu dem Fall: Niels Högel: So soll Klinik-Mördern jetzt das Handwerk gelegt werden

Ehepaar missbraucht jahrelang Kinder

Im März wurde ein Ehepaar festgenommen, das in Gifhorn offenbar jahrelang Kinder missbraucht hatte. Das Paar betrieb eine Wohngruppe mit hilfsbedürftigen Kindern, die sie sexuell missbraucht und misshandelt haben soll.

Zwischen den Jahren 1998 und 2007 soll es zu Übergriffen auf vier Bewohnerinnen im Alter zwischen sechs und 14 Jahren gekommen seien – vor allem durch den 56-jährigen Ehemann. Dieser soll seine sexuellen Bedürfnisse an den Kinder ausgelebt haben.

Gegen ihn besteht der dringende Verdacht des sexuellen Missbrauchs von Kindern in elf Fällen sowie in weiteren vier Fällen der Verdacht der Misshandlung von Schutzbefohlenen.

Seine 59-jährige Ehefrau ist der Misshandlung von Schutzbefohlenen in fünf Fällen beschuldigt. Einmal soll sie sich aktiv an der Tat beteiligt haben. In vier Fällen soll sie nichts gegen die Taten ihres Mannes unternommen haben.

Ermittlungen dauern noch an

Ein Mädchen soll in einen Hundekäfig gesperrt und ihm Hundefutter vorgesetzt worden seien. Ein Kind soll mehrere Tage im Haus eingesperrt worden seien, während die übrige Bewohnergruppe einen Ausflug machte. Ein anderes Kind soll damit bestraft worden seien, eine Woche lang übereinandergeklebte Windeln zu tragen. Diese wurden nicht geleert und fügten dem Kind starke Schmerzen zu.

Die Ermittler prüfen derzeit noch, ob es weitere, bisher nicht bekannte Fälle und möglichweise weitere Opfer gibt. Die Ehefrau befindet sich momentan wieder auf freiem Fuß, während der Ehemann weiterhin in Untersuchungshaft sitzt. Bei ihm besteht Fluchtgefahr.

Der Prozess begann im Herbst, wird 2020 aber wegen neuer Akten neustarten.

>> Hier mehr zum Fall: Missbrauch in Wohngruppe in Gifhorn: Anklage gegen Ehepaar – gibt es noch viel mehr Opfer? (nk)