Niedersachsen 

Niedersachsen: Lesbisches Paar bekommt Baby – und erhebt schwere Vorwürfe: „Regenbogenfamilien werden diskriminiert“

Die Akkermanns erwarten ein Kind. Doch das lesbische Paar fühlt sich vom hiesigen Standesamt diskriminiert.
Die Akkermanns erwarten ein Kind. Doch das lesbische Paar fühlt sich vom hiesigen Standesamt diskriminiert.
Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Hildesheim. Gesa Teichert-Akkermann (44) und Verena Akkermann (47) aus Niedersachsen erheben schwere Vorwürfe! „Regenbogenfamilien werden diskriminiert“, sagt Verena ganz klar.

Der Grund: Das lesbische Paar aus Niedersachsen erwartet ein Kind. Gesa Teichert-Akkermann ist hochschwanger – Dank Embryonenspende. Für beide ist klar, dass sie von vornherein zusammen in die Mutterrolle schlüpfen wollen. Doch das hiesige Standesamt macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Eine Eintragung von zwei Müttern in einer Geburtsurkunde ist nicht möglich. Dagegen geht das Paar aus Niedersachsen nun gerichtlich vor und hat Klage beim Amtsgericht Hildesheim eingereicht.

Niedersachsen: Lesbisches Ehepaar fühlt sich diskriminiert

„Unserem Kind wird ein zweites Elternteil, die Mutter, vorenthalten“, sagt die hochschwangere Gesa Teichert-Akkermann. Sie ist seit 23 Jahren mit Verena zusammen, seit sieben Jahren hat das Paar versucht, sich seinen Kinderwunsch zu erfüllen. Jetzt hat es endlich geklappt. Doch das Paar steht bereits vor einer erneuten Hürde. Sie können sich nicht beide als Mutter des Kindes eintragen lassen.

Die einzige Möglichkeit, die die 47-Jährige derzeit hat, ist die Stiefkindadoption. Doch dies sei unwürdig, findet das Paar. „Meine Frau ist vom ersten Moment an eine der beiden Mütter“, sagt Gesa Teichert-Akkermann. Gemeinsam hätten sie sich für das Kind entschieden, den Transfer des Embryos erlebt, den ersten Herzschlag auf dem Ultraschall gesehen, das Kinderzimmer gestrichen.

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Das Baby reagiere, wenn Verena die Hand auf den Bauch legt und mit ihm spricht. „Die Idee der Stiefmutter ist absurd.“ In heterosexuellen Beziehungen werde vor dem Ausstellen der Geburtsurkunde auch nicht überprüft, ob der Ehepartner der biologische Vater eines Kindes sei. „Regenbogenfamilien werden diskriminiert“, sagt Verena Akkermann.

Fakten zum Abstammungsrecht

  • Diskussionen zu dem Thema gibt es bereits seit einigen Jahren im Bundestag
  • der Bundesgerichtshof in Karlsruhe urteilte bereits im Herbst 2018, dass verheiratete Lesben auch nach Einführung der Ehe für alle nicht automatisch gemeinsam Eltern werden können
  • nach Auffassung der obersten Familienrichter kann es die gemeinsame Mutterschaft nur durch eine Refom des Abstammungsrechts geben
  • das Bundesjustizministerium veröffentlichte im März 2019 einen Diskussionsteilentwurf zur Reform, Stellungnahmen würden derzeit ausgewertet werden
  • einen Terminplan für den vollständigen Gesetzesentwurf gebe es jedoch noch nicht

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Zur Not wolle das Paar alle gerichtlichen Instanzen durchlaufen, um Recht zu bekommen. Auch wegen des Rückhalts ihrer Familien will das Paar aus Schellerten die rechtliche Unsicherheit in Kauf nehmen. „Meine Eltern wissen, dass Verena die Mutter ist“, sagt Gesa Teichert-Akkermann, die aufgrund einer seltenen Krankheit auf den Rollstuhl angewiesen ist. Vom Staat wird sie jedoch als Alleinerziehende behandelt. „Sollte mir bei der Geburt etwas passieren, würde unser Kind zur Vollwaisen und einen staatlichen Vormund gestellt bekommen.“

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Ihre genetische Herkunft soll der Tochter übrigens nicht vorenthalten bleiben. Die Angaben zu den zunächst anonymen Spendern sind bei einem Notar hinterlegt. Bei Embryonenspenden stellen Eltern nach erfolgreichen Kinderwunschbehandlungen befruchtete Eizellen zur Verfügung, die übrig geblieben sind. Die Akkermanns wünschen sich, dass ihr Kind schon vor seinem 18. Geburtstag zu den genetischen Eltern Kontakt aufnehmen kann. (abr mit dpa)